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Grafenegg – hier hört man auch die Stars der Zukunft. Ein Vorzeigeprojekt.

Grafenegg – hier hört man auch die Stars der Zukunft. Ein Vorzeigeprojekt.
FOTO: SOFIJA PALUROVIC

Exzellenz der Zukunft

GRAFENEGG FESTIVAL

Wer in Grafenegg zuhört, hört nicht nur das Jetzt, sondern auch das, was kommt. Die Exzellenzförderung will, dass aus jungen Talenten die Stars von morgen werden. Ein Vorzeigeprojekt in der Kulturwelt.

Wenn in Grafenegg die Dämmerung den Schlosspark einhüllt und der Wolkenturm zu leuchten beginnt, scheint die Zeit für einen Moment stillzustehen. Doch hinter der makellosen Oberfläche eines der renommiertesten Musikfestivals Europas verbirgt sich eine weniger sichtbare Bewegung: Hier wird nicht nur Musikgeschichte präsentiert – hier wird sie geschrieben. Künstlerische Exzellenz fällt nicht vom Himmel, sondern sie muss wachsen – mit Raum, Zeit und Menschen, die bereit sind, diesen Prozess zu begleiten. Die Pflanzen im Schlosspark, die über Jahrzehnte hinweg sorgfältig gepflegt werden, übertragen sich symbolisch auf die in Grafenegg achtsam entwickelten jungen Talente. Sie stehen nicht am Rand des Geschehens, sondern im Zentrum einer lebendigen, sich stetig erneuernden musikalischen Landschaft.

EUROPAS TALENTE IN GRAFENEGG

Ein frühes Signal setzte das Gustav Mahler Jugendorchester, das zwischen 2008 und 2010 regelmäßig in Grafenegg zu Gast war. Unter Dirigentenlegenden wie Sir Colin Davis und Herbert Blomstedt wurde hier ein hoher künstlerischer Maßstab gesetzt. 2009 gastierte erstmals das European Union Youth Orchestra (EUYO), eines der führenden Jugendsymphonieorchester der Welt. Bald schlug das Orchester jedes Jahr seine Zelte in Grafenegg auf. Während der jährlichen Residenz wächst das 120-köpfige Ensemble – rekrutiert aus rund 2.500 Bewerber:innen zwischen 16 und 26 Jahren aus allen 27 Mitgliedsstaaten der EU – zu einer Einheit zusammen. In Grafenegg entwickeln die jungen Musiker:innen in intensiven Probephasen mit etablierten Größen des internationalen Musiklebens jenen begeisternden Elan, der ihre Tourneen durch die Konzertsäle der Welt zu einzigartigen Erlebnissen macht. Was als Gastspiel begann, entwickelte sich schnell zu einer nachhaltigen Verbindung: Heute hat das EUYO seinen Sitz in Grafenegg und prägt den Ort ebenso wie er von ihm geprägt wird. 2026 wird sich das EUYO mit zwei Konzerten präsentieren: Am 1. August unter Elim Chan steht u.a. Brahms’ Violinkonzert mit María Dueñas als Solistin am Programm, am 15. August dirigiert Gustavo Gimeno Bruckners monumentale 6. Symphonie und Dvořáks Cellokonzert mit Julia Hagen als Solistin.

Foto: Sofija Palurovic

DIE GRAFENEGG ACADEMY

Während das EUYO Musiker:innen unter 26 Jahren rekrutiert, richtet sich das Grafenegg Academy Orchestra an junge professionelle Orchestermusiker:innen. Hier treffen Nachwuchstalente auf etablierte Größen – auf Mentoren, die nicht nur Technik, sondern Haltung vermitteln. In intensiven Probenphasen, Workshops und künstlerischen Arbeitsprozessen entsteht ein temporäres Orchester von hoher Qualität – Raum für Austausch, Weiterentwicklung und gemeinsames Musizieren. Festivalchef Rudolf Buchbinder beschreibt die Wirkung so: „Es gehört zu den schönsten Erfahrungen meiner Laufbahn, dass ich den Absolvent:innen unserer Akademie überall in den großen Orchestern der Welt bei Gastspielen wiederbegegnen darf. Das sind immer sehr bewegende Momente.“

Die Grafenegg Academy steht 2026 im Zeichen von „Selbstzerstörung und Neuerfindung“. Das Thema, inspiriert von biografischen Erfahrungen, wird in einem außermusikalischen Rahmenprogramm und in interdisziplinären Diskussionen reflektiert. Der Konzerttag bietet zudem die außergewöhnliche Gelegenheit, Georg Friedrich Haas’ für Grafenegg zur Trilogie komplettierten „Hyena“-Zyklus mit Mollena Lee Williams-Haas als Erzählerin zu erleben.

Junge Talente in Grafenegg.
Foto: Sofija Palurovic
Junge Talente in Grafenegg.

COMPOSER CONDUCTOR WORKSHOP „INK STILL WET“

Die Tinte ist kaum getrocknet, wenn neue Werke zum Klingen gebracht werden: Im Composer-  Conductor-Workshop „Ink Still Wet“, diesem weltweit einzigartigen Labor für zeitgenössische Musik, entwickeln aufstrebende Komponist:innen ihre Stücke gemeinsam mit jährlich wechselnden Composern in Residence und bringen sie anschließend selbst am Pult des Tonkünstler- Orchesters Niederösterreich zur Aufführung.

Foto: Lukas Beck

OLGA NEUWIRTH IN RESIDENCE

2026 wirkt die österreichische Komponistin Olga Neuwirth als 20. Composer in Residence in Grafenegg. Ihre Klangsprache ist perfekt für diesen offenen, suchenden Raum, in dem Nachwuchskünstler:innen experimentieren und wachsen können. Jede:r Composer in Residence hat im Schlosspark einen eigenen Baum, der in Grafenegg Wurzeln schlägt und dessen Triebe in die Zukunft wachsen. Das Finale 2026, mit dem Festivalchef Rudolf Buchbinder und Dirigentenlegende Riccardo Muti gemeinsam mit den Nachwuchsmusiker:innen des Orchestra Giovanile Luigi Cherubini auf der Bühne des Wolkenturms stehen, zeigt die Wirkung dieses behutsamen Wachstums eindrucksvoll. Grafenegg ist mehr als ein Festival – es ist ein Versprechen: Musik wird nicht nur bewahrt, sondern weitergedacht. Wer hier zuhört, hört nicht nur das Jetzt – sondern auch das, was kommt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.grafenegg.com/de

Klaus Peter Vollmann
Klaus Peter Vollmann
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