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Rendierung des Rudolf Buchbinder Saals.

Rendierung des Rudolf Buchbinder Saals.
RENDERING: MAURER & PARTNER ZT GMBH

Ein Echo der Musik

GRAFENEGG FESTIVAL

Mitten in Niederösterreich öffnet Ende Mai ein neuer Konzertsaal seine Türen – und er verspricht, zu einem klanglichen und architektonischen Meisterwerk zu werden. Der Rudolf Buchbinder Saal ist weit mehr als ein Veranstaltungsort: Er ist eine Visitenkarte in die Welt, ein Raum, der Geschichte, Gegenwart und Zukunft zu einem einzigartigen Musikerlebnis verbindet.

Zwischen alten Mauern liegt ein Versprechen: Ein Ort kann mehr sein als seine Geschichte. In Grafenegg wird dieses Versprechen eingelöst. Denn die notwendig gewordene Revitalisierung der historischen Reitschule barg die Möglichkeit, einen neuen Konzertsaal zu errichten: Der Rudolf Buchbinder Saal war geboren.

Es geht hier aber nicht einfach um einen Umbau. Es geht um eine Neuinterpretation – die Übersetzung von Vergangenheit in Gegenwart, von Funktion in Atmosphäre, von Architektur in Klang. „Ein Bauwerk ist wie die Aufführung einer Symphonie“, sagt Architekt Ernst Maurer. Sein Entwurf folgt diesem Gedanken: Wie in einem Orchester geht es um das Zusammenspiel von Raum, Akustik, Licht, Material, Geschichte und Zukunft. Gelingt die Harmonie, entsteht mehr als ein Gebäude – es entsteht ein Erlebnis.

Für den Namensgeber Rudolf Buchbinder ist „sein“ Saal eine große Ehre: „Dass einem Künstler zu Lebzeiten ein so großes Geschenk gemacht wird, erfüllt mich mit Dankbarkeit und Demut.“ Und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die sich für den Umbau besonders stark gemacht hat, konstatiert zufrieden: „Der Saal ist ein Meilenstein für Grafenegg, für die gesamte Region.“

DER RAUM

Der Rudolf Buchbinder Saal befindet sich im neu errichteten Obergeschoss der Reitschule und bietet Platz für rund 500 Gäste. Modernste Technik trifft auf poetische Leichtigkeit: Möglich wird dies durch die Anhebung des Gebäudes auf seine ursprüngliche Bauhöhe und die vollständige Erneuerung der Dachkonstruktion, die in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt die historische Dachform neu interpretiert.

Ein kassettenartiges Holzdach spannt sich über den Köpfen, akustisch präzise gestaltet vom renommierten Münchner Akustikbüro Müller-BBM. Konvex gewölbte Elemente verhindern Schallbündelungen, während Boden, Bestuhlung und Raumgeometrie ein fein austariertes Klangbild erzeugen.

Doch der Saal überzeugt nicht nur akustisch. Großzügige Fenster öffnen den Blick nach außen: Park, Schloss und Wolkenturm werden Teil der Aufführung – ein visuelles Echo der Musik. Im Erdgeschoss bleibt die historische Substanz spürbar, eingebunden in ein erweitertes Foyer, das Begegnung, Ankommen und Verweilen ermöglicht. Auch draußen entsteht Neues: ein großzügig gestalteter Platz, durchzogen von gezielter Begrünung, lädt zu Empfängen, Gesprächen und Veranstaltungen unter freiem Himmel ein.

Baustellenbesichtigung: Rudolf und Agnes
Buchbinder mit Tassilo Metternich-Sándor.
FOTO: BEATRICE SCHREINER
Baustellenbesichtigung: Rudolf und Agnes Buchbinder mit Tassilo Metternich-Sándor.

EIN EXKURS IN DIE GESCHICHTE

Kulturelle Veranstaltungen auf Schloss Grafenegg gibt es seit 1971, Rudolf Buchbinder spielte sein erstes Konzert in der Reitschule 1985. Nach der Gründung des Grafenegg Festivals 2007 unter Buchbinders künstlerischer Leitung hat sich Grafenegg zu einem der bedeutendsten Musik-Hotspots Europas entwickelt. Gleich im ersten Jahr traten u.a. Stars wie Alfred Brendel und Ivo Pogorelich auf, und zwar noch in der Reitschule!

Die Open-Air-Bühne Wolkenturm und der Konzertsaal Auditorium galten als die beiden vollgültigen Bühnen Grafeneggs. Die Reitschule wurde zwar viel genützt, war aber nicht für den Konzertbetrieb errichtet worden. Mit dem Rudolf Buchbinder Saal erhält Grafenegg nun eine dritte, gleichwertige Spielstätte. Er ist ideal für Kammermusik, Solorecitals und innovative Konzertformate.

Errichtet wurde der Gebäudekomplex zwischen 1841 und 1845 von Leopold Ernst, dem Baumeister des Stephansdoms. Nach Schäden im Zweiten Weltkrieg erhielt die Reitschule 1978 ihr damaliges Aussehen. Schlossherr Tassilo Metternich-Sándor erinnert sich: „Mein Vater hat die ursprünglich sehr provisorische Reparatur in den frühen 1980er Jahren vorgenommen. Er wäre begeistert zu sehen, was hier jetzt gelungen ist – diese fabelhafte Komplettierung des Grafenegger Ensembles.“

VISITENKARTE FÜR DIE WELT

Der Rudolf Buchbinder Saal wird Ende Mai 2026 feierlich eröffnet. Neben diversen Konzerten gibt es am 31. Mai beim Tag der offenen Tür freien Eintritt und Auftritte verschiedener Ensembles. Die Eröffnung markiert zugleich den Auftakt für den Jubiläumssommer 2026, in dem Grafenegg sein 20-jähriges Festivalbestehen feiert.

Eine neue Konzertreihe mit Nachmittagskonzerten widmet sich der Kammermusik und kleineren Besetzungen. Es musizieren Stars wie Joyce DiDonato, Daniil Trifonov, Sergei Dogadin, Gautier Capuçon und Alexandre Kantorow. Von Klassik bis Gegenwart – darunter Werke von Beethoven, Schostakowitsch und Kalevi Aho – spannt das Programm einen weiten musikalischen Bogen und unterstreicht die künstlerische Vielfalt im neuen Saal. Darüber hinaus ist der Rudolf Buchbinder Saal auch ein Ort für Proben, Experimente und künstlerische Entwicklung. Damit fügt er sich nahtlos in das Selbstverständnis von Grafenegg ein – als internationaler Kulturstandort, der nicht nur präsentiert, sondern auch hervorbringt.

Hier geht es zum Programm von Grafenegg 2026!

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