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Frank Druschel.

Frank Druschel.
FOTO: NANCY HOROWITZ

Interview Frank Druschel: „Der Ort selbst wird zum Mitspieler“

GRAFENEGG FESTIVAL

Frank Druschel bildet gemeinsam mit Johannes Sterkl die Geschäftsführung des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich. Ein Interview.

Wie würden Sie einem Menschen, der noch nie von den Tonkünstlern gehört hat, das Orchester und sein Wirken beschreiben?

Die Tonkünstler sind eines der großen österreichischen Symphonieorchester und zugleich ein Orchester mit ungewöhnlicher Reichweite. Sie sind als Symphonieorchester des Landes Niederösterreich fest verankert, sind aber an gleich fünf Residenzen in Wien und Niederösterreich präsent und erreichen dadurch sehr unterschiedliche Publikumsschichten. Für mich macht genau das ihren besonderen Charakter aus: hohe künstlerische Qualität, ein starkes symphonisches Profil und zugleich die Fähigkeit, Musik nicht nur aufzuführen, sondern sie in ganz verschiedenen Kontexten lebendig zu machen.

Welchen Stellenwert nimmt Grafenegg im Jahresplan des Tonkünstler-Orchesters ein?

Grafenegg ist für die Tonkünstler seit Langem ein Ort von besonderer Bedeutung. Schon im August 1973 gab das Orchester hier sein erstes Konzert; seit der Gründung des Grafenegg Festivals im Jahr 2007 bildet der Standort einen festen und prägenden Bestandteil des künstlerischen Jahreslaufs. Als hochwertige Sommerresidenz wurde mit Grafenegg bewusst auch eine Plattform geschaffen, auf der sich das Orchester in den Sommermonaten auf höchstem Niveau präsentieren kann. Genau diese Verbindung aus Tradition, künstlerischer Exzellenz, Nachwuchsförderung, Vermittlung und großen Konzertmomenten macht Grafenegg für die Tonkünstler so besonders.

Auch beim Sommerklänge-Zyklus sind die Tonkünstler sehr präsent. Wie würden Sie diese Reihe charakterisieren?

Die Sommerklänge stehen exemplarisch für die besondere Verbindung von künstlerischem Anspruch und einer Offenheit, die Grafenegg auszeichnet. Programmatisch reicht die Reihe von großen symphonischen Werken bis zu Jazz, Swing und Operette und eröffnet damit bewusst ein breites musikalisches Spektrum. Die Tonkünstler tragen den Sommer in Grafenegg in besonderer Weise mit – durch Sommerklänge-Abende, Préludes in kleineren Besetzungen, Familienformate und nicht zuletzt durch die Sommernachtsgala. Ihr kommt dabei eine besondere Strahlkraft zu, da sie als festlicher Auftakt und durch die ORF-Übertragung zugleich als TV-Ereignis weit über den Festivalort hinaus wirksam wird.

Die Tonkünstler stehen außerdem beim Composer-Conductor-Workshop „Ink Still Wet“ als Werkstatt-Orchester zur Verfügung. Weshalb ist Ihnen auch dieses Engagement wichtig?

Weil ein Orchester mehr sein sollte als ein reiner Repertoire-Verwalter. Neue Musik entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern im Austausch mit Musiker*innen, mit Klang, Praxis und Widerstand. Genau dafür ist ein Format wie „Ink Still Wet“ so wichtig. Es ist ein Workshop für junge Komponist*innen, die ihre Werke mit dem Orchester erarbeiten. Das ist vielleicht weniger glamourös als ein großer Galaabend, aber künstlerisch von enormer Bedeutung, weil hier Zukunft nicht nur behauptet, sondern tatsächlich gestaltet wird.

Gibt es bei einem Festival andere Vorgaben und Voraussetzungen für ein Orchester als im normalen Spielbetrieb? Ist man zum Beispiel dem Publikum näher?

Ja, unbedingt. Ein Festival verlangt von einem Orchester eine andere Präsenz als der normale Spielbetrieb. Die Konzerte sind stärker Teil eines übergeordneten künstlerischen Zusammenhangs, das Publikum erlebt den Abend bewusster als Gesamtereignis und der Ort selbst wird zum Mitspieler. In Grafenegg ist das besonders spürbar, weil hier Natur, Architektur und Musik auf einzigartige Weise zusammenwirken. Dadurch entsteht eine besondere Nähe zum Publikum und eine große Unmittelbarkeit. Vor allem aber haben Festivalabende oft einen einmaligen Charakter – sie finden genau so nur ein einziges Mal statt. Das verleiht ihnen eine ganz eigene Intensität.

Weitere Informationen finden Sie unter www.grafenegg.com/de

Erschienen in
Niederösterreich Kultur & Falstaff Bühne Special 2026

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Klaus Peter Vollmann
Klaus Peter Vollmann
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  • Angelika Hager leitet das Gesellschaftsressort beim Nachrichtenmagazin „profil“, ist die Frau hinter dem Kolumnen Pseudonym Polly Adler im „Kurier“ und gestaltet das Theaterfestival „Schwimmender Salon“ im Thermalbad Vöslau. Eben erschien ihr erster Krimi „Pardon, aber da schwimmt eine Leiche in der Schokolade” bei Ueberreuter.
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