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Angelika Hager leitet das Gesellschaftsressort beim Nachrichtenmagazin „profil“, ist die Frau hinter dem Kolumnen Pseudonym Polly Adler im „Kurier“ und gestaltet das Theaterfestival „Schwimmender Salon“ im Thermalbad Vöslau. Eben erschien ihr erster Krimi „Pardon, aber da schwimmt eine Leiche in der Schokolade” bei Ueberreuter.

Angelika Hager leitet das Gesellschaftsressort beim Nachrichtenmagazin „profil“, ist die Frau hinter dem Kolumnen Pseudonym Polly Adler im „Kurier“ und gestaltet das Theaterfestival „Schwimmender Salon“ im Thermalbad Vöslau. Eben erschien ihr erster Krimi „Pardon, aber da schwimmt eine Leiche in der Schokolade” bei Ueberreuter.
Foto: Schwimmender Salon

Angelika Hager: Piss in!

Kolumne

Warum die FPÖ so beflügelnd für unsere Kunst und Kultur wirkt. Und Florentina Holzinger die neue Mozart ist.

Selten waren 600.000 Euro Subventionsgelder so umwegrentabel investiert wie in den österreichischen Pavillon in Venedig und Florentina Holzingers „Seaworld Venice“. Instagram wird überschwemmt von Biennale-Botschaftern diverser todschicker internationaler Kunstmagazine, die unisono in die Knie gehen vor der symbolgewaltigen Performancekunst der Österreicherin. Egal, ob die Jury aufgrund von Protestaktionen stillgelegt wurde: Holzinger ist die triumphierende Siegerin der gesamten Kunstschau, die ansonsten zwischen bemühter Provokation (in Luxemburg wird mit Exkrementen gespielt) und stellenweiser Infantilität pendelt – wie die drolligen Plastikbabys im japanischen Bungalow, in deren Windeln sich ein QR-Code versteckt, der zu einem Gedicht führt.

Fällt ein bisschen ins Jugend-bastelt-Genre. Was für ein fantastisches Aushängeschild für unser Land: Florentina Holzinger ist die neue Mozart.

Klar, dass die FPÖ wieder Schaum vorm Mund hat. Irgendwo hatte ich einmal den Graffiti-Spruch gelesen: „Lebe immer so, dass es die FPÖ aufregen könnte“. Und tatsächlich ist das Empörungsbarometer der FPÖ ein verlässlicher Qualitätsindikator für Kunst. „Linke Elitenkunst, Steuergeld für Urin-Tanks, schamloser Beweis für Dekadenz“ – mit solchen Banausenparolen wurde von Typen wie Mölzer jr. oder Schnedlitz auf das Kunstwunder reagiert.

Wir erinnern uns an die FPÖ-Plakate 1995, mit dem Idiotenslogan: „Lieben Sie Scholten, Jelinek, Peymann oder Kunst und Kultur?“. Die 79-jährige Elfriede Jelinek, deren bedauerlicherweise (laut ihren Angaben) letztes Stück „Unter Tieren“ bei den Salzburger Festspielen im August Premiere feiert und danach an die BURG wandert, wurde von den Rechten seit jeher als „Nestbeschmutzerin, Kommunistin und Pornografin“ bezeichnet. Dann wurde es still, denn sie bekam den Literaturnobelpreis. Holzinger, extrem unprätentiös in ihren Auftritten, bleibt von ihrem weltweiten Starhabitus relativ unbeeindruckt. Die Besucherschaft stellt sich mit Engelsgeduld über zwei Stunden an, pinkelt brav in die Dixi-Toiletten – nur „drei Männer haben rein geschissen“, erklärt die britische Tänzerin Sophia Duncan, eine aus Holzingers Amazonen-Truppe, auf Instagram. Als Holzinger von Meta temporär geblockt wurde, weil man bei ihrer Performance als lebender Klöppel die Brustwarzen sah, übernahm Duncan.

„Vieles ist im Übrigen gar nicht so extrem“, erklärte Holzinger in einem Interview, „die meisten Menschen wissen einfach nicht, wie es sich anfühlt, wenn man sich einen Nagel in den Kopf hämmert.“ Sie sagt solche Dinge aus tiefster Überzeugung und nicht aus Provokationsgeifer. Dass die Antennen für Avantgarde in den Etagen von Politik und Macht selten funktionieren, beweist auch die Historie. „Diesem Kerl sollte man alle Knochen brechen“, lautete das Urteil des Thronfolgers Franz Ferdinand, als er 1908 in der Kunstschau Bildern von Oskar Kokoschka angesichtig wurde.

Sein Onkel Kaiser Franz Joseph verärgerte Gustav Klimt durch seinen Unterrichtsminister einst dermaßen, dass er nach dem „Skandal“ um seine Fakultätsbilder nie wieder einen öffentlichen Auftrag annahm. Klimt kaufte seine Bilder zurück (die leider später der Brandlegung der SS zum Opfer fielen) und konstatierte resigniert: „Ich will aus allen diesen unerquicklichen, meine Arbeit aufhaltenden Lächerlichkeiten zur Freiheit zurück. Ich lehne jede staatliche Hilfe ab, ich verzichte auf alles.“

Dem Himmel sei Dank berät Ex-Kulturminister Rudolf Scholten, einer der kunstsinnigsten in diesem Amt, angeblich Andreas Babler. Das verspricht Weitblick und Qualitätssicherung.

Angelika Hager
Angelika Hager
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