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Das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich vor der malerischen Kulisse am Wolkenturm.

Das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich vor der malerischen Kulisse am Wolkenturm.
FOTO: MARK GLASSNER

Sommer im Takt

GRAFENEGG FESTIVAL

Die Tonkünstler sind seit zwanzig Jahren das Residenzorchester beim Grafenegg Festival. Ein künstlerisches Rückgrat mit enormen
musikalischen Facetten – auch heuer wieder vielseitig im Einsatz. Von der Sommernachtsgala über die Konzertreihe Sommerklänge bis zum Festival.

Es ist ganz einfach: „Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten“, lautet ein Zitat von Gustav Mahler, das die immanente Wichtigkeit des Orchesters hervorhebt. In Grafenegg kommt die Aufgabe, eine Partitur in Klang zu formen und dabei jene musikalische Sprache zu finden, die längst zu einer Visitenkarte des Festivals geworden ist, dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich zu.

Von Anfang an fungierten die Musiker*innen als Residenzorchester, das auch außerhalb der Sommersaison attraktive Konzertprogramme, darunter spezielle Festtagskonzerte, bietet und dazu beitrug, Grafenegg innerhalb von zwanzig Jahren als renommierten Festivalstandort zu etablieren.

Geografisch zwischen Wien und der Wachau gelegen, spricht Grafenegg einen großen Publikumskreis an – und ist ob seiner attraktiven, vielfältigen Ausrichtung in außergewöhnlicher Umgebung aus der internationalen Musikwelt nicht mehr wegzudenken. „Als ich das Orchester zum ersten Mal dirigierte, war ich von seinem Klang überwältigt. Und das bin ich, ehrlich gesagt, immer noch! Die Musiker*innen geben bei den Konzerten ihr Bestes – das ist ein unglaubliches Gefühl“, so Fabien Gabel, der mit den Tonkünstlern 2019 zum ersten Mal auftrat und seit der Sommernachtsgala 2025 ihr Chefdirigent ist.

Der Sommer in Grafenegg ist ein wichtiger Höhepunkt unserer Saison. Wir sind sehr stolz darauf, hier das Hausorchester zu sein.

– Fabien Gabel, Chefdirigent Tonkünstler-Orchester

Was muss ein musikalischer Leiter tun, um ein Orchester zu einem geschlossenen Ensemble zu formen und gleichzeitig sicherzustellen, dass sein Klang unverwechselbar und einzigartig bleibt? „Ich muss stets gut vorbereitet sein und eine klare Vorstellung vom musikalischen Ergebnis haben. Natürlich müssen je nach Repertoire einige klangliche Anpassungen berücksichtigt werden. Aber das Tonkünstler-Orchester ist ein sehr vielseitiges Orchester, das an ein abwechslungsreiches Repertoire gewöhnt ist“, erläutert Fabien Gabel.

Grafeneggs Residenzorchester muss den Vergleich mit internationalen Gästen aus aller Welt nicht scheuen. Ist der Sommer in Grafenegg für das Tonkünstler-Orchester als Teil dieses exzellenten Umfelds auch ein Ansporn, die eigene Latte besonders hoch zu legen? Fabien Gabel lächelt. „Der Sommer in Grafenegg ist ein wichtiger Höhepunkt unserer Saison. Wir sind sehr stolz darauf, hier das Hausorchester zu sein. Jedes Konzert ist wichtig. Die Atmosphäre ist speziell, unbeschwerter als woanders, aber wir bleiben uns treu und geben alles. So wie wir das immer tun. Grafenegg ist einfach ein fester Bestandteil unseres Wirkens. Seit den Anfängen 2007 sind wir das Orchester des Festivals. Und natürlich freue ich mich darauf, dem Publikum jährlich ein neues Repertoire und neue Gäste vorzustellen.“

Schon 1973 gab das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich sein erstes Konzert in Grafenegg.
Seit der Gründung des Festivals 2007 ist es prägender künstlerischer Bestandteil desselben.
FOTOS: NANCY HOROWITZ
Schon 1973 gab das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich sein erstes Konzert in Grafenegg. Seit der Gründung des Festivals 2007 ist es prägender künstlerischer Bestandteil desselben.

STARS AM WOLKENTURM

Den Auftakt zum Jahreszyklus in Grafeneggmacht traditionell die große Sommernachtsgala – ein Event, das nicht nur musikalisch Maßstäbe definiert, sondern mit prominenten Gästen aus Kultur, Wirtschaft, Politik und Society auch ein gesellschaftliches Highlight darstellt und im Fernsehen übertragen wird. Aufgrund der großen Nachfrage findet das glamouröse Ereignis an zwei Abenden statt. Der musikalische Bogen am 11. und 12. Juni – jeweils ab 20:15 Uhr – spannt sich dabei von prachtvollen Orchesterstücken über mitreißende Arien und Duette bis hin zu konzertanter Musik.

Nach welchen Kriterien wird das Programm für diesen Abend zusammengestellt? „Es muss festlich sein! Es geht um die Balance zwischen den einzelnen Stücken, das ist aufgrund der zeitlichen Vorgaben für das Fernsehen immer eine Herausforderung. Und natürlich braucht es gegenseitiges Verständnis und einige Kompromisse, um allen gerecht zu werden und das passende Programm zu finden“, so Fabien Gabel. Drei außergewöhnliche Künstler*innen werden heuer als Solist*innen erwartet.

ANGEL BLUE begann ihre Laufbahn als Clara in „Porgy and Bess“. Heute reicht das breite Repertoire der
Sopranistin von Mimì, Musetta und Violetta über Aida und Tosca bis hin zu Marguerite in Gounods „Faust“.
Foto: Dario Acosta
ANGEL BLUE begann ihre Laufbahn als Clara in „Porgy and Bess“. Heute reicht das breite Repertoire der Sopranistin von Mimì, Musetta und Violetta über Aida und Tosca bis hin zu Marguerite in Gounods „Faust“.

Die in Los Angeles geborene Sopranistin Angel Blue begann ihre steile Karriere in der Spielzeit 2008/09 als Clara in Gershwins Oper „Porgy and Bess“ an der San Francisco Opera, debütierte 2015 als Musetta in Puccinis „La Bohème“ an der Mailänder Scala und sang in derselben Oper 2017 die Rolle der Mimì an der Metropolitan Opera New York (Met). Die Violetta in Verdis „La traviata“ am Royal Opera House in London (2018), die Titelrolle in Puccinis „Tosca“ beim Festival d’Aix-en-Pro- vence (2019), Marguerite in Gounods „Faust“ an der Opéra de Paris (2022) sowie ihr Rollendebüt als Verdis Aida an der Met (2025) sind nur einige wichtige Stationen ihrer bisherigen Laufbahn.

Der junge ukrainische Tenor Bogdan Volkov beendete 2013 seine Gesangsausbildung an der Tschaikowski-Musikakademie in Kiew und etablierte sich rasch durch regelmäßige Auftritte am Moskauer Bolschoi-Theater. 2019 debütierte er in der Rolle des Don Antonio in Prokofjews „Die Verlobung im Kloster“ an der Berliner Staatsoper, deren Ensemblemitglied er 2022 und 2023 war. Aktuell zählt er zu den gefragtesten lyrischen Tenören seiner Generation und tritt an den namhaftesten Opernhäusern der Welt wie dem Teatro alla Scala in Mailand, dem Royal Opera House in London, der Met oder der Wiener Staatsoper, wo er in Tschaikowskis „Eugen Onegin“ und Mozarts „Don Giovanni“ brillieren konnte, auf. Beim 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele sang er Ferrando in Mozarts „Così fan tutte“.

Bogdan VOLKOV zählt zu den gefragtesten lyrischen Tenören seiner Generation und tritt weltweit in den
bedeutendsten Opernhäusern und bei den namhaftesten Festivals auf.
Foto: Monika Rittershaus
Bogdan VOLKOV zählt zu den gefragtesten lyrischen Tenören seiner Generation und tritt weltweit in den bedeutendsten Opernhäusern und bei den namhaftesten Festivals auf.

Als Instrumentalsolistin können die Besucher*innen die aus Salzburg stammende Julia Hagen am Violoncello erleben. In einem künstlerischen Umfeld aufgewachsen, wurde sie bereits ab ihrem fünften Lebensjahr am Musikum Salzburg unterrichtet und studierte später am Mozarteum, an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien sowie der Universität der Künste Berlin. Ihr Konzertdebüt gab sie im Alter von 14 Jahren im Brucknerhaus Linz. Es folgten Auftritte in Europa und Asien, Gastspiele unter anderem bei den Salzburger Festspielen und dem Festival d’Aix-en-Provence sowie kammermusikalische gemeinsame Projekte mit Pianist*innen wie Igor Levit, Khatia Buniatishvili und Annika Treutler, mit der sie 2019 ihre erste CD mit Brahms-Werken aufnahm. Die Virtuosin spielt auf einem Cello von Francesco Ruggieri aus dem Jahr 1684 und ist seit 2025 Professorin für Violoncello an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Julia HAGEN gab mit 14 Jahren ihr Konzertdebüt als Cellovirtuosin, spielt mit großen Orchestern
und kammermusikalisch mit Pianisten wie Igor Levit und hat eine Professur in Wien inne.
Foto: Simon Pauly
Julia HAGEN gab mit 14 Jahren ihr Konzertdebüt als Cellovirtuosin, spielt mit großen Orchestern und kammermusikalisch mit Pianisten wie Igor Levit und hat eine Professur in Wien inne.

ENERGIE UND PRÄSENZ

Bekanntlich sind in der klassischen Musik Räume für den Klang mitentscheidend. Welche Auswirkungen hat also die malerische Kulisse in Grafenegg für die musikalische Lebendigkeit des Orchesters? Dazu hat Frank Druschel, Geschäftsführer des Tonkünstler-Orchesters, eine klare Meinung: „Räume entscheiden in der Musik nie nur über Lautstärke und Schönheit, sondern immer auch über Energie, Farbe und Präsenz. Grafenegg ist in dieser Hinsicht ein Ausnahmeort. Der Wolkenturm gilt als eine der besten Open-Air-Bühnen Europas; seine Architektur ist akustisch gezielt dafür ausgelegt, den Klang gebündelt in den Zuschauerbereich zu tragen. Das Auditorium wiederum ist eine Konzertstätte mit hervorragender Akustik, im Sommer unsere Ausweichmöglichkeit, sollte das Wetter einmal nicht mitspielen. Für unser Orchester bedeutet das: Es kann an beiden Spielstätten differenziert arbeiten, feine Farben hörbar machen und zugleich eine besondere Direktheit entwickeln. Die Kulisse ist nicht bloß schön, sie wirkt tatsächlich mit.“

Als ich das Orchester zum ersten Mal dirigierte, war ich von seinem Klang überwältigt. Und das bin ich, ehrlich gesagt, immer noch.

– Fabien Gabel, Chefdirigent Tonkünstler-Orchester

DER SOUND DES SOMMERS

Direkt nach dem Einstieg in die Saison mit der eleganten Sommernachtsgala hebt der Sommerklänge-Zyklus ab, der die Musik in ihrer ganzen Vielfalt feiert. Die Samstagabende zwischen 27. Juni und 8. August bieten Broadway-Melo- „Porgy and Bess“ und – zum Abschluss des ersten Teils – „What Is This Thing Called Love“ aus dem Musical „Wake Up and Dream“ von Cole Porter. Nach der Pause folgen Kurt Weills „Symphonic Nocturne“ aus „Lady in the Dark“ und George Gershwins „An American in Paris“.

Seit 2025 leitet der französische Dirigent Fabien Gabel das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich.
Foto: NANCY HOROWITZ
Seit 2025 leitet der französische Dirigent Fabien Gabel das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich.

Den Zauber spanischer Nächte verspricht am Samstag, 11. Juli, um 20 Uhr, am Wolkenturm die „Fiesta Española“ mit dem Tonkünstler-Orchester unter dem renommierten argentinischen Dirigenten und Composer in Residence 2025 Fabián Panisello, der schon seit vielen Jahren Spanien seine Heimat nennt, und mit dem aus Logroño in der Provinz La Rioja stammenden klassischen Gitarristen Pablo Sáinz Villegas.

Gemeinsam mit dem Komponisten und Dirigenten Fabián Panisello und dem Gitarristen Pablo Sáinz Villegas laden die Tonkünstler am 11. Juli, 20 Uhr, zur „Fiesta Española“ am Wolkenturm.
Foto: RECAMARA PRODUCCIONES
Gemeinsam mit dem Komponisten und Dirigenten Fabián Panisello und dem Gitarristen Pablo Sáinz Villegas laden die Tonkünstler am 11. Juli, 20 Uhr, zur „Fiesta Española“ am Wolkenturm.

Auf dem ambitionierten Programm dieser spanischen Nacht stehen Silvestre Revueltas „Sensemayá“ für kleines Orchester, Joaquín Rodrigos „Concierto de Aranjuez“ für Gitarre und Orchester, „Crossing Lines“ von Fabián Panisello, ein Auftragswerk des Grafenegg Festivals und somit eine Uraufführung, sowie die beiden Suiten aus Manuel de Fallas Ballett „El sombrero de tres picos“. Die vier weiteren Konzerte der Sommerklänge finden Sie am Ende des Artikels im Kasten.

Yaron Herman am Klavier und die Tonkünstler unter Dirigent Fabien Gabel lassen am 27. Juni, 20 Uhr, am Wolkenturm „Summertime“ mit Werken von Porter, Gershwin und Co erklingen.
Foto: bereitgestellt
Yaron Herman am Klavier und die Tonkünstler unter Dirigent Fabien Gabel lassen am 27. Juni, 20 Uhr, am Wolkenturm „Summertime“ mit Werken von Porter, Gershwin und Co erklingen.

Das letzte Wort in diesem Artikel hat Geschäftsführer Frank Druschel. Was wünscht er den Tonkünstlern für die nächsten Festivaljahre? „Dass sie ihre Rolle in Grafenegg weiter mit Selbstverständlichkeit und Ehrgeiz ausfüllen: als künstlerisches Rückgrat, als verlässliches Residenzorchester und zugleich als Ensemble, das dort immer wieder neue Facetten zeigt. Grafenegg bietet den seltenen Luxus, große symphonische Tradition, Sommeratmosphäre, Vermittlung, Familienformate und zeitgenössische Musik an einem Ort zusammenzuführen. Wenn es gelingt, die stilistische Breite weiterhin mit höchstem Anspruch zu verbinden, dann ist das für die Tonkünstler ein ideales Umfeld – und für Grafenegg ein echter Gewinn. 20 Jahre Grafenegg sind auch 20 Jahre Tonkünstler als Residenzorchester in Grafenegg. Wir freuen uns auf viele weitere Jubiläen.“

20 Jahre Grafenegg sind auch 20 Jahre Tonkünstler als Residenzorchester in Grafenegg.

– Frank Druschel, Geschäftsführer Tonkünstler-Orchester

Mehr SOMMER-KLÄNGE

„Selbstzerstörung und Neuerfindung“ mit dem Grafenegg Academy Orchestra unter Dirigent Ilan Volkov und Erzählerin Mollena Williams-Haas. Werke von Anton Webern, Ludwig van Beethoven und Georg Friedrich Haas.

18. Juli, 18 Uhr, Auditorium

„Mozart y Mambo“  mit dem Ensemble The Sarahbanda und der Hornistin Sarah Willis. Werke von Richard Egües, Wolfgang Amadeus Mozart/ Edgar Olivero, Compay Segundo, Chucho Valdés, Marcelino Guerra, Isolina Carrillo und Moisés Simons.

25. Juli, 20 Uhr, Wolkenturm

„Glühende Sehnsucht“ mit dem European Union Youth Orchestra unter Dirigentin Elim Chan und der Geigerin María Dueñas. Werke von Johannes Brahms und Sergej Rachmaninow.

1. August, 20 Uhr, Wolkenturm

„The Vienna Berlin Music Club“ mit dem Ensemble Philharmonix. Werke von Maurice Ravel, Stephan Koncz, Sebastian Gürtler u.a.

8. August, 20 Uhr, Wolkenturm

Hier geht es zum Programm von Grafenegg 2026!

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