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Caroline Peters zeichnet für die Eigenproduktion „Die Maschine steht nicht still“ verantwortlich.

Caroline Peters zeichnet für die Eigenproduktion „Die Maschine steht nicht still“ verantwortlich.
Foto: Rafaela Proell

Strategien des Neu-Erfindens: Wiener Festwochen 2022

Wiener Festwochen

„Last Night on Earth“ lautet das Motto der diesjährigen Eröffnung der Wiener Festwochen. Bis 18. Juni taucht das multidisziplinäre Festival die drängendsten Fragen unserer Zeit in ein neues Licht.

Mit Romeo Castelluccis Inszenierung von Mozarts „Requiem“ starteten die Wiener Festwochen schon am 1. April in die diesjährige Ausgabe des multidisziplinären Festivals. Die eigentliche Eröffnung, die in diesem Jahr von David Schalko zusammengestellt wurde, findet jedoch erst am 12. Mai auf dem Wiener Rathausplatz statt. „Last Night on Earth“ lautet das Motto, das suggeriert, dass dies die letzte Nacht auf Erden sein könnte, bevor der gemeinsame Trip ins Unbekannte beginnt. Ein Auftakt, der ankündigt, wofür das Festival in diesem Jahr steht: „Die Suche nach Strategien des Neuerfindens.“

Für die musikalische Gestaltung zeichnen Kruder & Dorfmeister verantwortlich. Bilderbuch, Sofia Jernberg, Liquid Loft, Caroline Peters, die Wiener Sing­akademie und Yung Hurn werden am 13. Mai dabei sein.

Reservoir künstlerische Visionen

„Viele der präsentierten Werke verweisen auf eine Gesellschaft, die nicht mehr dort ist, wo sie bisher war …aber auch noch nicht an einem neuen Ort. Wir müssen altbekannte Muster hinter uns lassen und neue erfinden. Wir brauchen Veränderung“, sagt Intendant Christophe Slagmuylder über das diesjährige Programm. Das Theater kann, so Slagmuylder, dabei helfen, eine Vorstellung von diesem „Neuen“ zu gewinnen. „Sie geben Zukunftsszenarien Form, laden Fiktion und Spekulation als prominente Gäste ein“, fügt er hinzu.

Das Künstlerkollektiv Hand mit Auge lässt die Fassade des Rathauses mit außergewöhnlichen Visualisierungen Teil  der Eröffnung werden.
Foto: Hand mit Auge
Das Künstlerkollektiv Hand mit Auge lässt die Fassade des Rathauses mit außergewöhnlichen Visualisierungen Teil der Eröffnung werden.

Ein zentraler Aspekt des Festivals, das den Großteil der präsentierten Werke selbst produziert oder koproduziert, sind die Auftragswerke. Insgesamt 24 Werke, die dieses Jahr auf dem Programm stehen, werden in ihrem Entstehen von den Wiener Festwochen unterstützt. 12 davon werden in Wien uraufgeführt. „Neben aufstrebenden Kreativen, die die Kunst der Zukunft mitgestalten, zeigen etablierte Künstler*innen ihre neuen Werke“, so Slagmuylder. Durch die Vielfalt von Generationen und Einflüssen soll das Festival zu einem lebendigen, pulsierenden Reservoir künstlerischer Visionen und Ideen werden.

Theater

Aus dem Bereich des Sprechtheaters stechen drei Produktionen besonders hervor: Christopher Rüping, zweimaliger Gewinner des Nestroy-Preises, zieht Wagners monströses Werk „Der Ring des Nibelungen“ heran, um sich der Frage anzunähern, ob Heldensagen heutzutage überhaupt noch möglich sind. Der neue Text von Necati Öziri verleiht nun Nebenfiguren von Wagners Epos, die kaum zu Wort kommen, eine Stimme.

Szenenbild aus Christopher Rüpings „Der Ring des Nibelungen“.
Foto: Sabina Boesch
Szenenbild aus Christopher Rüpings „Der Ring des Nibelungen“.

Tiago Rodrigues, ab 2023 Leiter des französischen Festival d’Avignon, zeigt im Rahmen der Festwochen die letzten Sommer im Cour d’Honneur aufgeführte Produktion „La Cerisaie“. Bei dieser Adaptierung von Tschechows „Der Kirschgarten“ spielt unter Rodrigues’ Regie
ein großes Ensemble von Darsteller*innen, darunter Isabelle Huppert als hoch verschuldete Gutsbesitzerin Ljubow Ranjewskaja.

Die brasilianische Künstlerin Christiane Jatahy kommt mit der Uraufführung eines neuen Werks mit dem Titel „Depois do silêncio“ (Nach der Stille) nach Wien. In ihrem Stück, das sich mit der Geschichte der Landarbeiter*innen im Nordosten Brasiliens beschäftigt, verschmelzen reale Fakten mit einer fiktiven Nacherzählung.

„Die Maschine steht still“ ist eine Eigenproduktion der Wiener Festwochen. Die vor allem als Film- und Theaterschauspielerin bekannte Caroline Peters erarbeitete mit einer Gruppe von Medienkünstler*innen ein Solo, das von Science-Fiction und ihren persönlichen Erfahrungen im Lockdown inspiriert ist.

Zukunftsszenarien

Philippe Parreno setzt in „Phantasmagoria" die menschliche Stimme als Medium und Hauptdarstellerin, als anwesendes und subjektives Element ein. „Mit neuen Kompositionen von Marko Nikodijevic, interpretiert vom
Ensemble intercontemporain, verspricht diese neue Arbeit eine spezielle Art von Séance zu werden, bei der Stimmen aus der Zukunft mit einer in einem Raum versammelten Gruppe von Zuseher*innen Kontakt aufnehmen“, erklärt Slagmuylder.

Mit ihrer Produktion von Philip Glass’ „Einstein on the Beach“ beschäftigt sich Susanne Kennedy mit einem Schlüsselwerk des musikalischen Repertoires des 20. Jahrhunderts. Ihre in Zusammenarbeit mit Markus Selg inszenierten Bühnenstücke funktionieren wie vorprogrammierte Installationen, die sich zu virtuellen Universen hin öffnen.

Die deutsche Regisseurin Susanne Kennedy zeigt „Einstein on the Beach“.
Foto: Markus Selg
Die deutsche Regisseurin Susanne Kennedy zeigt „Einstein on the Beach“.

Museumseröffnung

Das neue Österreichische Museum für Schwarze Unterhaltung und Black Music (ÖMSUBM), das während der Wiener Festwochen eröffnet wird, nimmt Schwarze Entertainer*innen als Teil der Populärmusikindustrie in Österreich und Deutschland in den Fokus. Das Museum umfasst ein Archiv von Schallplatten, Zeitschriften, Autogrammen und Erinnerungsstücken. In einer Reihe von Vorstellungen, Vorträgen und Konzerten treten in Wien lebende Schwarze Künstler:innen und Aktivist:innen in einen Dialog mit der Sammlung des Museums. Das ÖMSUBM wird von Joana Tischkau, Anta Helena Recke, Elisabeth Hampe, Frieder Blume und Dalia Ahmed kuratiert. Die Wiener Festwochen kooperieren mit dem Belvedere, um die Eröffnung dieses neuen Museums zu ermöglichen.

Hier geht es zum gesamten Programm der Wiener Festwochen.

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