Diese Operette sei für sie „eine der besten, die es gibt“. Wenn Ruth Brauer-Kvam so über Emmerich Kálmáns „Die Csárdásfürstin“ spricht, will das etwas heißen. Die vielseitige Schauspielerin und Musiktheaterdarstellerin, die sich in den vergangenen Jahren auch immer mehr als Regisseurin etabliert hat, wird heuer an der Bühne Baden dieses Werk inszenieren. Sie begründet ihre Wahl so: „Natürlich die Musik: Ein Hit reiht sich an den anderen. Aber es ist auch eine ganz wunderbare Verwechslungskomödie, die dem Publikum beste Unterhaltung bietet – und jede Menge Grund zum Lachen.“

Anzeige
Anzeige

Wenn Brauer-Kvam das Werk in die Sommerarena im Kurpark von Baden bei Wien bringt, will sie nicht nur dem großen Operettenkomponisten ein Denkmal setzen, sondern auch dem jüdischen Spirit. Dazu lässt sie die Handlung nicht wie im Original vor dem Ersten Weltkrieg, sondern bewusst 1934 spielen – einer Zeit, „in der die jüdischen Kultur nicht verboten war, die Gefahr aber schon in der Luft lag“, wie Brauer-Kvam erläutert. Dies sei dann „ein bisschen so wie heute, also, wo sich auf allen Seiten Gewitter auftürmen, aber alle so weitertun wie bisher.“ Ihr sei es gleichzeitig wichtig, den Slapstick- und Comedy-Aspekt aus dem Libretto heraus zu kitzeln, sagt die Regisseurin. In ihrer Besetzungsliste sind Alma Sadé, die die Titelrolle übernehmen wird, sowie Iurie Ciobanu und Ricardo Frenzel Baudisch. Für Humor werden Oliver Baier als Fürst Leopold Maria von und zu Lippert-Weylersheim und Verena Scheitz als seine Frau sowie als Notar sorgen. Unkonventionell ist, dass Tania Golden die Rolle des Feri Bacsi übernimmt und gleichzeitig als eine Art Conferencière agiert.

„Die Csárdásfürstin“ wird nicht die einzige Operettenpremiere der Bühne Baden in diesem Sommer sein, auch bei der zweiten setzt man auf Bekanntes: „Wiener Blut“ nach der Musik von Johann Strauss-Sohn wird ebenso im Cabrio-Theater im Kurpark gespielt, bei dem bei Schönwetter das Dach geöffnet werden kann, respektive bei Schlechtwetter geschlossen. Sieglinde Feldhofer und Clemens Kerschbaumer sind ebenso besetzt wie Andy Lee Lang. Es inszeniert Hausherr Michael Lakner.

Gräfin Mariza
Im Operettensommer 2024 verwandelt sich Haindorf zum Schloss der Gräfin Mariza.

Foto: Barbara Pálffy

„Gräfin Mariza“ in Langenlois, Witziges in Bad Ischl

„Komm mit nach Varaždin“ heißt es andererseits in Langenlois, wo „Gräfin Mariza“, ebenfalls von Kálmán, gespielt wird. Die Adelige, die sich nicht zwischen den Verehrern entscheiden kann, darf dort ins Schloss Haindorf einziehen. Regie führt Peter Lund, von dem man beispielsweise an der Volksoper und im Theater der Jugend hochqualitative Inszenierungen gesehen hat. Mit Lorenz C. Aichner ist ebenfalls ein Volksopern-erfahrener Künstler als musikalischer Leiter dabei. Und auch unter den Solisten sind mit Ulrike Steinsky, Christoph Wagner-Trenkwitz und Marco Di Sapia solche aus diesem Haus in Wien. Die Mariza wird von Cornelia Horak verkörpert. Oliver Ringelhahn singt Tassilo.

Anzeige
Anzeige

„Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst“ und „Ich knüpfte manche zarte Bande“ – kommt Ihnen das bekannt vor? „Der Bettelstudent“ ist Carl Millöckers größtes Meisterwerk und gehört zu den Erfolgen der Operettengeschichte schlechthin. Mit einer witzigen Handlung rund um einen überheblichen Oberst, der Rache nehmen möchte und darin zwei Studenten verwickelt, sorgte sie einst für den Durchbruch des Komponisten. Nun bringt das Lehár-Festival Bad Ischl die Operette als eine von drei Premieren dieses Sommers heraus. Paul Schweinester und Christoph Gerhardus sind ebenso dabei wie Corina Koller und Leos Cools. Es inszeniert Angela Schweiger.

Rasanter wird es bei der weiteren Premiere des Lehár-Festivals: „Märchen im Grand Hotel“ von Paul Abraham mischt jazzige Rhythmen und flotte Tanznummern mit einer turbulenten, romantischen Handlung. Intendant Thomas Enzinger inszeniert selbst, in den Hauptrollen hat er die von der Volksoper als so vielseitig bekannte Julia Koci ebenso besetzt wie Maximilian Mayer, Nina Weiß und Susanna Hirschler.

Und natürlich fehlt beim Lehár-Festival auch ein Werk des Namensgebers nicht, jedoch ist es diesmal ein wenig bekanntes: „Der Sterngucker“ nach dem Libretto von Fritz Löhner-Beda und Alfred Maria Willner zeigt in der Regie von Sebastian Kranner junge Damen der besseren Gesellschaft auf der Suche nach dem Liebesglück. Abermals sind Corina Koller, Loes Cools und Christoph Gerhardus zu sehen. Letzterer hat vor Kurzem beim Oberösterreichischen Operettenwettbewerb den ersten Preis errungen. Das Stück dürfte die Entdeckung wert sein, schrieb doch einst ein Kritiker: „Es ist wohl die feinste und entzückendste Musik, die Lehár bisher geschrieben hat.“

Eine etwas unkonventionellere Operette ist bei den Bregenzer Festspielen zu erwarten, auch hier wird heuer der „leichten Muse“ gehuldigt. Die Musicbanda Franui präsentiert mit „Hotel Savoy“ eine „Hybridoperette“ nach Joseph Roth, in die Musik von Paul Abraham, Emmerich Kálmán, Franz Lehár und anderen mehr integriert wird.