Ein Stück in einer Minute: Geschichten aus dem Wiener Wald von Ödön von Horváth

Mit den „Geschichten aus dem Wiener Wald" definierte Ödön von Horváth das Volksstück neu. Ab 18. November wird es in einer Inszenierung von Johan Simons im Burgtheater gezeigt.

Inhalt

Die junge Marianne soll Fleischhauer Oskar heiraten, dessen Geschäft sich unmittelbar neben der Puppenklinik ihres Vaters – des Zauberkönigs – befindet. Marianne läuft jedoch vor der Heirat davon und direkt in die Arme Alfreds, der sich als Spieler und Frauenheld entpuppt. Sie bekommt ein Kind von ihm und die beiden landen als todunglückliches Paar in einer Wohnung im achtzehnten Bezirk.

Das Kind gibt Alfred schließlich zu seiner Großmutter, die gemeinsam mit seiner Mutter in der Wachau wohnt. Der soziale Abstieg Mariannes nimmt währenddessen weiter seinen Lauf, denn sie beginnt als erotische Tänzerin im Nachtlokal „Maxim“, wo ihr Vater sie eines Nachts entdeckt. Nachdem Alfreds Großmutter das Kind bewusst kaltem Wasser ausgesetzt hat, stirbt es und der Weg für eine Heirat mit dem Fleischhauer Oskar ist frei. Es ist trotz dieser Wendung im Leben Mariannes alles andere als ein gutes Ende.

Werkgeschichte

Ödön von Horváth schrieb „Geschichten aus dem Wiener Wald“ Ende der 1920er Jahre, als katastrophale Arbeitslosigkeit und die Weltwirtschaftskrise das Leben beherrschten.

Das Stück spielt in Wien, im Wienerwald und in der Wachau. Zentraler Handlungsort ist eine „stille Straße“ im achten Wiener Bezirk. Als Vorbild für diese Straße diente Horváth die Lange Gasse, konkret das Haus mit der Türnummer 29. Horváth selbst wohnte 1919 in einer Parallelstraße, der Piaristengasse.

Aufführungsgeschichte

Die Uraufführung fand am 2. November 1931 am Deutschen Theater Berlin statt. Die Aufführung markierte den Höhepunkt von Horváths künstlerischem Erfolg und wurde in zwei Monaten achtundzwanzigmal wiederholt. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden alle Stücke Horváths mit einem Aufführungsverbot belegt. Die österreichische Erstaufführung am 1. Dezember im Wiener Volkstheater geriet zu einem Theaterskandal. Kritisiert wurde unter anderem die Bezeichnung des Stückes als „Volksstück“.

Das Ensemble von „Geschichten aus dem Wiener Wald" auf der Bühne des Burgtheaters. Foto: Matthias Horn

Stilistik und Sprache

Horváths Figuren verstecken sich hinter einer künstlich wirkenden Sprache, mit der sie sich über ihren eigenen Stand hinaus zu profilieren versuchen. Phrasen, Zitate, angelesene Floskeln wirken wie eine Maske, hinter der sie ihren eigentlichen Bildungsgrad zu verstecken versuchen. Es ist ihre Form der Sprachlosigkeit. Zum Beispiel philosophiert Marianne an einer Stelle des Stücks: „Über uns webt das Schicksal Knoten in unser Leben.“ Eine wichtige Rolle spielt nicht nur das Gesagte, sondern auch die Stille, denn „hier kämpfen das Bewusstsein oder Unterbewusstsein miteinander, und das muss sichtbar werden“, so Horváth.

Prominente Interpreten

1966 inszenierte Otto Schenk die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in den Münchner Kammerspielen mit Helmuth Lohner in der Rolle des Alfred. 1968 war das Stück im Wiener Volkstheater zu sehen. Den Zauberkönigs verkörperte Helmut Qualtinger, der in der Verfilmung des Stückes von Maximilian Schell (1979) nochmals in diese Rolle schlüpfte. Erstmals verfilmt wurde das Stück aber schon 1961, Qualtinger spielte den Oskar, Hans Moser den Zauberkönig. Auch im Burgtheater war das Stück schon mehrmals zu sehen, unter anderem 2010 mit Nicholas Ofczarek als Alfred und Birgit Minichmayr als Marianne.

Alle Infos zur Inszenierung von Johan Simons am Burgtheater.