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Szenenfotos der Volkstheater in den Bezirken. Produktion „Amadeus“ mit Christian Dolezal bis Ende Jänner; jetzt Karten sichern.

Szenenfotos der Volkstheater in den Bezirken. Produktion „Amadeus“ mit Christian Dolezal bis Ende Jänner; jetzt Karten sichern.
Foto: Marcel Urlaub

Das kleine Theater in unserer Gasse

Volkstheater Wien

Am 21. Jänner feiert das Volkstheater in den Bezirken den Siebziger. Wie geht es dem kulturellen Nahversorger? Überraschend jung ist er. Die Besucherzahlen steigen, dank neuer Programmierung mit zwei echten Hits. Ein Lokalaugenschein.

Oper oder „Amadeus“?, war die Frage. Letzter Tag „Schwanda“ mit Vera-Lotte Boecker im MusikTheater an der Wien oder „Amadeus“ mit Christian Dolezal und Julia Edtmeier im Theatersaal Meidling? Im aktuellen Fall siegte Heimatbezirkspatriotismus über Lieblingssängerin.

Die Volkshochschule im Bezirk mit dem „L“ ist zu Fuß vom Meidlinger Markt etwa sieben Minuten entfernt, vom U4 langsame fünfzehn Minuten. Es ist eine von fünfzehn Spielstätten des Volkstheaters in den Bezirken. Es ist kurz vor 19.30 Uhr, und die Hütt’n (so sagt man bei uns) ist voll. Sogar Wilfried Zankl ist da – der Bezirksvorsteher. Ein gutes Zeichen: Man steht dazu, was gleich auf der Bühne passieren wird, und ist sichtbar stolz darauf. „Amadeus“ ist eine Produktion des genialen Bronski-&-Grünberg-Kollektivs. Kaja Dymnicki und Alexander Pschill haben Regie geführt. Der gerade eben mit dem österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnete Christian Dolezal spielt Salieri und die großartige Film- (u. a. „Love Machine“ 1+2) und Theaterschauspielerin Julia Edtmeier Mozart. Der Abend dauert 2 Stunden und 25 Minuten, und es ist jede Minute der kalten Anreise wert.

Ticketpreise fürs kleine Börserl

Mehr noch: Zwei weitere Karten für die „Amadeus“-Vorstellung am 19. Jänner im Volksheim Großjedlersdorf sind auch schon reserviert – 20 Euro pro Ticket für die Kategorie C (total okay!) machen eine Vorstellung auch für schmalere Portemonnaies erträglich. Mit dem Stück – und auch mit dem „Kleinen Prinzen“ – ist etwas gelungen, was wenige für möglich hielten: Das Volkstheater in den Bezirken hat die Trendumkehr geschafft. Es wächst.

Lisa Kerlin ist einer jener Menschen hinter dem Hoffnungsschimmer. Sie leitet das Volkstheater in den Bezirken seit dieser Saison. Einen Tag nach dem Abend in der Längenfeldgasse treffen wir sie und Volkstheater-Direktor Kay Voges zur Nachbesprechung im Café Liebling, dem Bistro im Volkstheater.

„Amadeus“ hat es in der Kritikernachbesprechung aus den Bezirken in die weite Welt von nachtkritik.de geschafft, einer der wichtigsten Theaterkritikplattformen. „Wir verkaufen damit vielleicht nicht mehr Tickets, aber das Volkstheater in den Bezirken wird dadurch im ganzen deutschsprachigen Raum wahrgenommen“, sagt Kay Voges und setzt nach: „Grundsätzlich kommt eine neue Generation von Besucher*innen; das ist der Weg, den wir weitergehen müssen.“


Tipps von der Legende Karl Schuster

Lisa Kerlin hat in der Vorbereitung ihres neuen Jobs auch mit Karl Schuster, 91, gesprochen. Von 1973 bis 1993 leitete die Theaterlegende die Tour durch die Bezirke. „Er hat jeden Abend das Publikum persönlich begrüßt. Diese Idee habe ich übernommen. Es ist eine Kontaktaufnahme, ein Hallo-Sagen, ein Sich-Vorstellen. Viele kommen wegen des Stücks und wissen vielleicht gar nicht, was das Volkstheater in den Bezirken ist. Die Begrüßung ist Teil der Vermittlungsarbeit. Ich möchte, dass die Menschen uns verstehen und wiederkommen.“

Das bedeutet für Lisa Kerlin: jeden Abend vor Ort sein, auch an Orten wie jenem der Kulturgarage in der Seestadt Aspern; für alle, die nicht da oder um die Ecke wohnen, eine Reise.

Unser Tipp: Fahren Sie dort einmal hin – auch mit dem Auto, wenn Sie nicht anders können –, denn die Kulturgarage ist tatsächlich eine Garage. Ein riesiger Eventsaal unter einem Parkhaus. Ansonsten einfach rein in die U2. Ganz leben tut der Raum dort noch nicht, aber auch das wird bald.

Nicht unschlau die Entscheidung, mit dem Bronski & Grünberg eine beliebte Theaterpartie zu engagieren. „Das, was die machen, passt wie gespuckt für uns. Es ist genau diese Brücke: Es gefällt unseren alteingesessenen Abonnent*innen, aber es ist auch jung und frisch. Und es erzählt eine coole Geschichte.“ Hintergrundinfo für alle Fans: Alle Neuinszenierungen werden auch in der Vorstadt und nicht im Volkstheater geprobt – und zwar in der VHS Brigittenau.

Spielt noch bis Ende Jänner: „Amadeus".
Foto: Marcel Urlaub
Spielt noch bis Ende Jänner: „Amadeus".

Eine Frage der Mundpropaganda

„Es ist eigentlich eine absurde Herausforderung, die vielen Spielstätten vollzumachen. Aber es gibt einerseits eine politische Idee, das weiterzuführen, und andererseits braucht man ein aktivistisches Herz für die Aufgabe und viel Lust auf Basisarbeit.“ Lisa Kerlin ist und hat das alles, und man glaubt ihr jedes Wort, so engagiert, wie sie spricht. Wie einst Molière zieht die Truppe von VHS zu VHS. Wissend, dass nur eines ihre Säle füllt: die gute Nachred’ des Publikums, die Empfehlung unter der Nachbarschaft. Knochenarbeit. Lisa Kerlin: „Vor allem dass wir hier auf Tour durch die Bezirke sind, ist vielen Menschen noch nicht klar. Wir sind heute da und morgen dort.“

„Leutnant Gustl“ im Pensionistenheim

Zwei Geschenke macht das Volkstheater-in-den-Bezirken-Team zum Siebziger dem Publikum: einmal das Kinderstück „Der kleine Prinz“ (läuft gerade) und eine Tour durch die Wiener Pensionistenheime. Bei Letzterem wird Arthur Schnitzlers berühmte Novelle „Leutnant Gustl“ von Ensemblemitgliedern des Volkstheaters als szenische Lesung in den Wohnanlagen präsentiert. Volkstheater-Direktor Kay Voges: „Der Auftrag ist kulturelle Nahversorgung – niederschwellig und leicht zu erreichen. Wer nicht mehr zu uns kommen kann, zu dem gehen wir hin. Deswegen gehen wir in Pensionistenheime. Deswegen spielen wir in Kindergärten. Wir wollen für alle erreichbar sein.“

Mehr kann Theater wirklich nicht für Sie tun. Jetzt sind Sie dran.

Atha Athanasiadis
Atha Athanasiadis
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