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Mechthild Harnischmacher ist Regisseurin und Hotelfachfrau. Sie wuchs in Bayern auf, initiierte Kindertheater- Projekte in Tansania und begann während ihres geisteswissenschaftlichen Studiums als Regieassistentin am Residenztheater und später am Burgtheater zu arbeiten. Sie inszenierte unter anderem am Burgtheater, am Landestheater in Linz und am Landestheater Niederösterreich.

Mechthild Harnischmacher ist Regisseurin und Hotelfachfrau. Sie wuchs in Bayern auf, initiierte Kindertheater- Projekte in Tansania und begann während ihres geisteswissenschaftlichen Studiums als Regieassistentin am Residenztheater und später am Burgtheater zu arbeiten. Sie inszenierte unter anderem am Burgtheater, am Landestheater in Linz und am Landestheater Niederösterreich.
Foto: Lukas Beck

Nur einen Katzensprung entfernt

Volkstheater Wien

Das Volkstheater bringt den Kinderbuchklassiker „Pettersson und Findus“ in die unterschiedlichsten Spielstätten Wiens – mit Samouil Stoyanov in beiden Rollen. Regisseurin Mechthild Harnischmacher möchte vor allem der Fantasie Raum geben.

„Warte mal kurz, ich muss dir etwas zeigen“, sagt Mechthild Harnischmacher und scrollt durch die auf ihrem Smartphone gespeicherten Fotos. Als sie auf das gesuchte Bild stößt, nimmt sie ihren Zeigefinger vom Display und lacht. Auf dem Foto sitzt sie mit einer getigerten Katze an einem kleinen Gartentisch. Im Hintergrund: ein typisch rotes schwedisches Holzhaus. „Die Katze ist einfach auf den Stuhl gesprungen und wollte aus meiner Kaffeetasse trinken“, sagt die Regisseurin und setzt nach: „Das kann doch kein Zufall sein?“

Um den besonderen Zauber der hier festgehaltenen Situation zu verstehen, muss zunächst der Grund unseres Zusammentreffens erläutert werden: Mechthild Harnischmacher bringt im Volkstheater in den Bezirken die Geschichte von „Pettersson und Findus“ auf die Bühne. Das gemeinsame Kaffeetrinken im Garten ist auch für das von Sven Nordqvist erdachte Duo, bestehend aus dem alten Pettersson und seinem quirligen Kater Findus, ein wichtiges Ritual. War es also Zufall? Vielleicht. Mit Sicherheit jedoch ein Vorbote jener Theatermagie, die sie in ihren Arbeiten zu entfachen versucht.

Dass sie sich gerne an die Ursprungsorte ihrer Bühnengeschichten – in diesem Fall Mittelschweden – begibt, bedeutet jedoch nicht, dass sie die Welten, in die sie auf ihren Recherche-Reisen eintaucht, genau so auf der Bühne abbilden möchte. Das Gegenteil ist der Fall. „Dem Realismus verpflichtete Requisitenschlachten sind nicht mein Zugang“, so Harnischmacher. Das hätte einerseits mit ihrem Nachhaltigkeitsanspruch zu tun, andererseits auch mit ihrem unbedingten Glauben an die Kraft der Fantasie.

Mit wenigen Dingen kreativ umzugehen, dabei im Kopf frei und beweglich zu bleiben – das begleite sie schon seit ihrer Kindheit. „Ich verbrachte oftmals Zeit alleine in einem ziemlich leeren Raum, dadurch habe ich begonnen, mir mit wenigen und einfachen Dingen ganze Welten zu bauen.“

Dazu passt, dass das Wort „beflügeln“ häufig vorkommt, wenn Mechthild Harnischmacher über ihre Arbeit spricht und dabei von einem Thema zum nächsten flattert. Den Bodenkontakt verliert sie dabei jedoch nie, nur scheint der Boden, auf dem sie sich bewegt, irgendwie Trampolincharakter zu haben.

Vielgelesener Klassiker. „Pettersson und Findus“ ist eine Kinderbuchreihe des schwedischen Autors Sven Nordqvist. Das erste Buch erschien 1984.
Foto: Marcel Urlaub
Vielgelesener Klassiker. „Pettersson und Findus“ ist eine Kinderbuchreihe des schwedischen Autors Sven Nordqvist. Das erste Buch erschien 1984.

Viel Raum für Fantasie

Diese Herangehensweise wird auch bei „Pettersson und Findus“, das ab 8. November durch die Bezirke und die Dunkelkammer tourt, zur Anwendung kommen. „Wir möchten diese Geschichte so pur wie möglich erzählen und damit viel Raum für eigene Fantasie schaffen“, so die Regisseurin. Außerdem wird die Geschichte des ungleichen Duos als Monolog auf die Bühne kommen und Ausnahmeschauspieler Samouil Stoyanov zwischen den beiden Rollen hin und her wechseln. „Sami ist dafür die ideale Besetzung, weil er einerseits ein heraus- ragender Schauspieler ist und anderer- seits als gelernter Tänzer auch noch das Bewegungsrepertoire einer Katze wunderbar integrieren kann“, hält Harnischmacher fest und setzt nach: „Die Idee des Monologs entstand auch daraus, dass sich Pettersson vor Findus’ Ankunft oft einsam fühlt und wir uns gefragt haben, ob es den sprechenden Kater vielleicht gar nicht gibt, sondern er ihn erfunden hat, um sich mit seiner Fantasie aus dieser Einsamkeit und Schwere zu befreien.“

Eine Ebene einzuziehen, die aufzeigt, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der alte Menschen häufig an den Rand gedrängt und kaum mehr ins Sozialleben eingebunden werden, sei ihr sehr wichtig.

„Glücklicherweise gibt es Projekte wie Leihomas und Leihopas, die dem etwas entgegensetzen. Auf diese Initiativen möchten wir aufmerksam machen und mit dem Stück vielleicht auch gesellschaftliche Veränderungen anstoßen.“

Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs steckt das Team noch in der Konzeptionsphase. Eine (Achtung, Wortspiel!) weitere Katze kann die Regisseurin aber bereits aus dem Sack lassen: „Ich werde bei der ganzen Tour mit auf der Bühne sein – als Regisseurin, die live inszeniert, Sängerin und Geräuschemacherin. Es geht also auch darum, live auf der Bühne zu zeigen, wie aus einem Buch ein Theaterstück entsteht.“

Und wie? Mit einem Katzenkorb voll Fantasie.

Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
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