Fünf Fragen an Elke Hesse
Mit vielseitigem Programm, Talenten von heute und morgen und der Einbindung der lokalen Community hat sich das MuTh längst als künstlerische Brückenbauerin etabliert.
BÜHNE: Das MuTh ist der Konzertsaal der Wiener Sängerknaben. Das ist aber nur ein Teil des Konzepts. Was ist es darüber hinaus?
ELKE HESSE: Auf jeden Fall ein sehr offenes, freundliches, fröhliches Haus. Wir wollen den Menschen den ersten Schritt in ein Kulturgebäude leichter machen. Wir bekommen keine Förderungen der öffentlichen Hand, weshalb wir auch keine Opernprojekte produzieren können. Aber wir machen kleinere Konzertformate – „Kammerstücke“ genannt –, bei denen wir Schauspiel mit Musik verbinden. Es ist uns ein besonderes Anliegen, junge Künstler*innen zu unterstützen. Außerdem haben wir Kooperationen mit zum Beispiel der Jeunesse und der Volksoper. Und das MuTh ist ein Ort, den man mieten kann. Das Programm ist wirklich bunt.
Als Sie 2010 die Leitung übernommen haben, war das MuTh noch eine Idee. Was waren die größtenHerausforderungen bis zum tatsächlichen Start 2012?
Ich wurde angefragt, als die Baugrube ausgehoben wurde. Das größte Problem war natürlich der Bürgerprotest, den ich übrigens als sehr kreativ empfunden habe. Die Fronten waren total verhärtet. Niemand hat miteinander geredet. Mir war es wichtig, auf die Menschen zuzugehen, unsere Pläne zu kommunizieren, denn es gab viele Falschmeldungen. Und das ist mir zum Glück gelungen. In weiterer Folge ging es dann darum, einen neuen Spielort in die Wiener Kulturlandschaft zu pflanzen und langfristig zu verorten.
Wie würden Sie Ihre Tätigkeit jemandem, der gerade vom Mond kommt, beschreiben?
Mein Job ist etwas Wunderschönes, weil ich vielen Menschen ermöglichen darf, ihre kreativen Ideen in die künstlerische Realität umzusetzen. Ansonsten muss man hier einfach Humor haben. Denn jeder Tag birgt neue Situationen.
Sie waren in einem früheren Leben Musicaldarstellerin. Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages wieder auf der Bühne zu stehen?
Nein. Ich habe den Schritt weg von der aktiven Karriere sehrbewusst gesetzt, weil ich den Ansprüchen, die ich an mich selbst gestellt habe, nicht gerecht wurde. Justus Neumann sagte einesTages zu mir, ich sei die geborene Produzentin. Und ich dachte, wenn er das glaubt, probiere ich es. Für mich war das richtiggehend erleichternd, nicht mehr spielen zu müssen.
Von 2006 bis 2009 haben Sie auch die Bad Hersfelder Festspiele geleitet. Seit heuer sind Sie dort erneut Intendantin. Wie geht sich das neben der MuTh-Direktion aus?
Mit einem funktionierenden Team – sowohl hier als auch in Bad Hersfeld –, in das man großes Vertrauen hat. Vieles kann man online lösen, aber von Mai bis August muss ich dort präsent sein. Das ist erfreulicherweise jene Zeit, wo hier etwas weniger los ist. Ich hatte eigentlich immer zwei Jobs und habe davor auch schon parallel einen Konzertsaal in der Schweiz aufgebaut. Ich würde von mir behaupten, sehr gut organisiert zu sein. Multitasking ist Elke Hesse (lacht).