Zum Inhalt springen

Ferdinand Raimund (1790–1836) hat das Hobellied 1834 für das Stück „Der Verschwender“ geschrieben. Gesungen haben es viele: Marlene Dietrich, Hans Moser, Michael Heltau, Josef Meinrad, Peter Alexander ...

Ferdinand Raimund (1790–1836) hat das Hobellied 1834 für das Stück „Der Verschwender“ geschrieben. Gesungen haben es viele: Marlene Dietrich, Hans Moser, Michael Heltau, Josef Meinrad, Peter Alexander ...
Bild: Signal Photos/ Alamy Stock Photo

Ferdinand Raimund: ... und hobelt alle gleich!

Kann Theater die Welt retten? Ja. Wenn wir mehr auf die unsterblichen Texte unserer großen Dichter hören würden. Zum Beispiel: das Hobellied von Ferdinand Raimund.

Das Hobellied wäre da ein schönes Beispiel: Die Endlichkeit des Menschen ist ein Faktum, das wir alle gerne verdrängen, beiseiteschieben. Aber uns alle erwischt es. Früher oder später oder bald. Die Reichen, die Armen, die Blöden, die G’scheiten, die Angeber und die Ängstlichen.

Angenommen, wir würden uns früher wirklich bewusst sein, dass eh alles Leben endet: Würden wir dann auf Kriege verzichten? Auf Hass? Auf Mobbing? Auf das ganz alltägliche Deppatsein? Was wäre, wenn wir stattdessen mehr lieben? Mehr Empathie empfinden? Respektvoller sind? Einfach netter und achtsamer leben?

Wie sagte Opa so schön: „Wenn man schon denkt, dann kann man gleich positiv denken.“

Warum haben wir es also nicht schön miteinander? Sicher, man kann es auch schiach miteinander haben. Aber (auch) wegen des bevorstehenden Ablaufdatums – wozu?
Irgendwann endet alles, auch das Leben der (politischen) Horrorclowns. Die Frage ist: Würden sie den Raimund-Klassiker hören und verstehen, würde das was ändern? Vielleicht sollten wir mal das Weiße Haus und den Kreml damit beschallen.

Falls wer demnächst in die Gegend kommt: Nutzt’s nix, so schadt’s nix.

Da streiten sich die Leut herum

Oft um den Wert des Glücks.

Der eine heißt den andern dumm,

Am End weiß keiner nix

 

Da ist der allerärmste Mann

Dem andern noch zu reich.

Das Schicksal setzt den Hobel an

Und hobelt alle gleich.

Die Jugend will stets mit Gewalt

In allem glücklich sein;

Doch wird man nur ein bisserl alt,

Da schickt man sich schon drein.

Oft zankt mein Weib mit mir, o Graus!

Das bringt mich nicht in Wut.

Da klopf ich meinen Hobel aus

Und denk: Du brummst mir gut.

 

Zeigt sich der Tod einst mit Verlaub

Und zupft mich: „Brüderl, kumm!“

Da stell ich mich im Anfang taub

Und schau mich gar nicht um.

 

Doch sagt er: „Lieber Valentin,

Mach keine Umständ, geh!“,

Da leg ich meinen Hobel hin

Und sag der Welt ade.

Atha Athanasiadis
Atha Athanasiadis
Autor
Mehr zum Thema
  • GRAFENEGG FESTIVAL
    Große Stimmen: Angel Blue
    Neben den international wichtigsten Orchestern und namhaftesten Solist*innen der Instrumentalkunst,...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Julya Rabinowich ist eine österreichische Schriftstellerin, Dramatikerin, Kolumnistin, Malerin, Übersetzerin.
    Kolumne
    Die alte Frau und das Mehr
    Diese Kolumne sollten Sie nicht lesen, wenn Sie unter 18 Jahre alt sind. Es geht um Granny-Sex. Das...
    Von Redaktion
  • GRAFENEGG FESTIVAL
    Exzellenz der Zukunft
    Wer in Grafenegg zuhört, hört nicht nur das Jetzt, sondern auch das, was kommt. Die...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • GRAFENEGG FESTIVAL
    Große Stimmen
    Neben den international wichtigsten Orchestern und namhaftesten Solist*innen der Instrumentalkunst,...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • GRAFENEGG FESTIVAL
    Das Wunder Wolkenturm
    Mit dem Wolkenturm in Grafenegg wurde Kultur völlig neu definiert – aber nicht nur das, sondern...
    Von Redaktion
  • GRAFENEGG FESTIVAL
    Sommer im Takt
    Die Tonkünstler sind seit zwanzig Jahren das Residenzorchester beim Grafenegg Festival. Ein...
    Von Redaktion
  • GRAFENEGG FESTIVAL
    Ein Echo der Musik
    Mitten in Niederösterreich öffnet Ende Mai ein neuer Konzertsaal seine Türen – und er...
    Von Redaktion
  • GRAFENEGG FESTIVAL
    Zu früh ist eine Sünde
    Weltpianist Rudolf Buchbinder hat aus einer tollkühnen Kulturvision ein international...
    Von Atha Athanasiadis
  • Kultur in Zahlen
    Kultur in Zahlen: Marilyn Monroe
    Schauspielerin, Sängerin, Sexsymbol. Am 1. Juni vor hundert Jahren erblickte Norma Jeane Baker in...
    Von Klaus Peter Vollmann
1 / 12