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Annemarie Lauretta als Kaiserin Elisabeth Christine. Nienke Latten spielt Kaiserin Maria Theresia. Annemieke van Dam verkörpert Madame Fuchs. (v.l.n.r.)

Annemarie Lauretta als Kaiserin Elisabeth Christine. Nienke Latten spielt Kaiserin Maria Theresia. Annemieke van Dam verkörpert Madame Fuchs. (v.l.n.r.)
Foto: Deen van Meer

Female Factor

Musical

Drei Holländerinnen sind die weiblichen Stars in „Maria Theresia – das Musical“. Im Interview erzählen Nienke Latten, Annemieke van Dam und Annemarie Lauretta, worin ihr Erfolg begründet liegt, was es mit dem niederländischen Frohsinn auf sich hat, warum wir alle M.T. sind – und welche Königin sie gern spielen würden.

Geweldige Zangeressen. Das bedeutet, aus dem Niederländischen übersetzt, „großartige Sängerinnen“ und umfasst die künstlerische Bandbreite von Nienke Latten, Annemieke van Dam und Annemarie Lauretta allerdings nur bruchstückhaft. Denn auch Schauspiel und Tanz zählen zum Ausdrucksrepertoire der Darstellerinnen, die sich längst in die A-Liga gespielt haben. Aktuell sind alle drei in „Maria Theresia – Das Musical“ im Dauereinsatz – und werden das auch in der kommenden Spielzeit sein, denn die musiktheatralische Biografie der Habsburger Monarchin wurde aufgrund des enormen Erfolgs verlängert.

„Wir alle sind M.T.“ heißt ein mitreißender Song, der sich längst zum inoffiziellen Motto des Musicals entwickelt hat. In welcher Hinsicht trifft diese Aussage auch auf sie persönlich zu? „Maria Theresia verkörpert so viele bewundernswerte Eigenschaften: Sie stand für Gleichberechtigung, arbeitete unermüdlich, setzte sich für Chancengleichheit in der Bildung ein und bewirkte in ihrer Zeit vieles, das bis heute nachhallt“, findet Nienke Latten, der es eine große Ehre ist, sie jeden Abend auf der Bühne zum Leben erwecken zu dürfen. „Ich entdecke in ihr viele Parallelen zu meinen eigenen Überzeugungen und fühle mich ihr in vielerlei Hinsicht verbunden. Wenn M.T. außerdem für ,gemeinsam sind wir stark‘ steht und dafür, dass niemand alles alleine tragen muss, dann liegt genau darin die kraftvolle Botschaft des Songs.“

Annemieke van Dam interpretiert den Titel auch als Empowerment-Message. „Ich bin All-in-M.T.! Für mich heißt das, dass Frauen einander unterstützen und helfen, um im Leben weiterzukommen. Eine Frau sein zu lassen und zu stärken, so wie sie ist. Keine Konkurrenz, kein negatives Urteil, sondern Respekt und Liebe.“

Nienke Latten.
Foto: Andreas Jakwerth
Nienke Latten.

Annemarie Lauretta wiederum findet einen ganz persönlichen Zugang. „Ihr Durchhaltevermögen kenne ich gut. Gerade in unserem Beruf braucht man viel Leidenschaft, Disziplin und auch eine gewisse Stärke, wenn es einmal schwierig wird. Gleichzeitig finde ich spannend, dass Maria Theresia trotz ihrer Macht auch sehr menschlich gezeigt wird – mit Zweifeln, Emotionen und dem Wunsch, allem gerecht zu werden. Das macht sie für mich so greifbar.“ Das besondere Miteinander im Team übertrage sich auch auf den Zuschauerraum, so die Darstellerin der Kaiserin-Mutter.

„Wir geben als Ensemble jeden einzelnen Abend 100 Prozent auf der Bühne und erzählen diese Geschichte mit großer Leidenschaft, Hingabe und Herzblut“, ergänzt Nienke Latten. „Beeindruckende Geschichte trifft auf packende Beats und Melodien – samt Hammerkostümen und faszinierendem Bühnenbild“, fasst Annemieke van Dam die Gründe für den anhaltenden Zuspruch des Publikums zusammen.

Dass der weibliche Anteil am Erfolg des Bühnengeschehens rein holländisch ausfällt, sehen alle drei vor allem in den Ausbildungsmöglichkeiten, die es in den Niederlanden gibt, begründet. Mit Genen habe das jedenfalls nichts zu tun. Eher schon mit moderner Gesangstechnik, Fleiß, Leidenschaft, Professionalität, Flexibilität.

Es ist ein komisches Vorurteil, dass Holländer*innen immer happy und fröhlich sind.

– Annemieke van Dam, Musicaldarstellerin

MENTALITÄT UND CANNABIS

Das Leben in Wien genießen Nienke Latten, Annemarie Lauretta und Annemieke van Dam – die sich schon vor Jahren ganz hier niedergelassen hat – jedenfalls in vollen Zügen. Überschneiden sich das niederländische und das österreichische Weltbild auch in manchen Punkten?

Nienke Latten antwortet diplomatisch. „Ich finde, jede Mentalität hat ihre ganz eigenen, schönen Seiten. Für mich steht weniger der Vergleich im Vordergrund als vielmehr der gegenseitige Respekt. Jeder Mensch bringt seine eigene Stärke, Persönlichkeit und Kultur mit und gerade diese Vielfalt empfinde ich als große Bereicherung.“

Annemieke van Dam lacht. „Puh … nicht bei vielen Dingen. Vielleicht gibt es deswegen so viele Holländerinnen in Wien! Ich bin auch echt schon eine Weile aus den Niederlanden weg, deshalb weiß ich gar nicht, ob meine Meinung den heutigen Lebensstil in Holland gut repräsentiert.“

Annemarie Lauretta wiederum findet, dass Holländer und Österreicher in vielen Dingen ziemlich unterschiedlich seien „Und genau das macht es spannend. Niederländer sind oft direkter und spontaner, während Österreicher manchmal etwas diplomatischer und zurückhaltender wirken. Aber ich glaube, dass beide Kulturen einen starken Sinn für Humor teilen und das Leben genießen – ausgezeichnetes Essen, Gespräche, Kultur und natürlich auch ein gutes Glas Wein.“

Liegt die sprichwörtliche niederländische Heiterkeit vielleicht daran, dass Cannabis ebendort schon 1976 legalisiert wurde? „Ich glaube, unser Frohsinn hat eher mit unserer offenen Mentalität, Bodenständigkeit und Lebensfreude zu tun“, lacht Nienke Latten.

Annemarie Lauretta.
Foto: Andreas Jakwerth
Annemarie Lauretta.

Und auch Annemarie Lauretta vermutet den Grund amüsiert woanders. „Die niederländische Mentalität war schon fröhlich und pragmatisch, bevor Cannabis legalisiert wurde. In den Niederlanden versucht man oft eher, gesellschaftliche Probleme realistisch und pragmatisch zu lösen. Aber ob das wirklich für gute Laune sorgt, weiß ich nicht. Vielleicht sind es doch eher gutes Essen und schönes Wetter im Urlaub.“

Annemieke van Dam hat eine andere, sehr klare Meinung dazu. „Es ist tatsächlich ein komisches Vorurteil, dass die Holländer*innen immer happy und fröhlich sind. Das stimmt so gar nicht. Es ist unsere Höflichkeit, den Leuten mit einem Lächeln zu begegnen. Auch wenn es uns nicht gut geht, wollen wir unser Gegenüber nicht belasten. Cannabis ist in unserer Kultur durchaus nicht selbstverständlich und sollte keinesfalls verherrlicht werden. Ich lehne jede Art von Drogen ab und halte es für eine glatte Lüge, Cannabis als nicht schädlich zu bezeichnen. Auch legalisiert bleiben Drogen mit einer weitreichenden kriminellen Struktur verbunden, die tief in gesellschaftliche und kulturelle Bereiche hineinwirkt.“

Annemieke van Dam.
Foto: Andreas Jakwerth
Annemieke van Dam.

BEATRIX UND URLAUB

Österreichische Hoheiten haben alle drei bereits im Repertoire. Indes haben die Niederlande mit Beatrix und Máxima sowohl eine amtierende als auch eine ehemalige Königin zu bieten. Welche wäre als Rolle interessanter? „Beide Frauen sind auf ihre ganz eigene Weise beeindruckend“, findet Nienke Latten. „Máxima fasziniert mich durch ihre moderne Ausstrahlung und ihre Herzlichkeit, aber auch Beatrix hat eine enorme Stärke und Würde. Die Entscheidung fiele mir also schwer.“

Nicht so Annemarie Lauretta und Annemieke van Dam, die beide unisono Beatrix nennen. „Ich finde sie unglaublich faszinierend, weil sie gleichzeitig sehr kontrolliert und sehr emotional wirkt. Hinter dieser starken, königlichen Ausstrahlung spürt man auch eine gewisse Tiefe und Verletzlichkeit. Und genau solche Figuren machen auf der Bühne besonders viel Spaß“, meint Annemarie Lauretta.

„Beatrix, weil argentinisches Blut habe ich gar nicht in mir. Obwohl mein Temperament eher in diese Richtung geht“, erklärt Annemieke van Dam schmunzelnd ihre Wahl.

Ab Ende Juni macht das Musical Urlaub. Maria Theresia verbrachte den Sommer meist in Schönbrunn. Welche Ferienpläne haben die Sängerinnen? „Erst einmal stehen Erholung, Zeit mit Familie und Freunden sowie ein wenig Auftanken im Vordergrund“, erzählt Nienke Latten. Des Weiteren werde sie ihren Freund Aeneas Hollweg, der in Amstetten spiele, unterstützen und selbst für eine Konzerttour nach China fliegen.

Annemarie Lauretta freut sich darauf, abzuschalten und ihre Batterien aufzuladen. „Ich möchte Zeit mit Familie und Freunden in den Niederlanden verbringen, Sonne tanken und all die Dinge genießen, für die während einer laufenden Produktion oft zu wenig Zeit bleibt.“ Und Annemieke van Dam? „Familie, Garten, Essen, Holland, Schwimmen, Essen, Kuscheln … und Essen nicht zu vergessen.“

Darum geht‘s

Maria Theresia gilt als Ikone des modernen Staatswesens und ist für zahlreiche Reformen verantwortlich, die noch heute unser Leben prägen. Das Musical zeigt auch den Menschen hinter der Herrscherin: die Mutter, Ehefrau, Tochter und Freundin – ihre Kraft, aber auch ihre Zweifel

Hier geht es zu den Spielterminen von "Maria Theresia - Das Musical" im Ronacher!

Seilerstätte 9
1010 Wien
Österreich

Erschienen in
Bühne 06/2026

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Klaus Peter Vollmann
Klaus Peter Vollmann
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