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Zur Person: Christoph Wagner-Trenkwitz ist Dramaturg, Musikwissenschafter, Buchautor und legendärer Opernball-Kommentator. Er war Intendant in Haag und ist seit 2009 Chefdramaturg an der Volksoper in Wien. Für die Bühne schreibt er monatlich eine Kolumne.

Zur Person: Christoph Wagner-Trenkwitz ist Dramaturg, Musikwissenschafter, Buchautor und legendärer Opernball-Kommentator. Er war Intendant in Haag und ist seit 2009 Chefdramaturg an der Volksoper in Wien. Für die Bühne schreibt er monatlich eine Kolumne.
Foto: Peter Strobl

Christoph Wagner-Trenkwitz: Vom Gurgeln zu Schiller und wieder zurück

Kolumne von Christoph Wagner-Trenkwitz

Finden Sie nicht auch, dass „Alles gurgelt“ ein ganz mieses Saisonmotto fürs (Musik-)Theater darstellt?


Spiel: Schlag nach bei Schiller

Also vorwärts in die Klassikervergangenheit, da ging man einander immerhin noch gegenseitig an die Gurgel. Alfred Polgar riet: „... besteht Unsicherheit über die Herkunft eines Zitats, sich immer für Schiller zu entscheiden, [...] da kein zweiter deutscher Dichter so gern und emsig Zitate geschrieben hat wie Schiller“. Polgar, seines Sprachadels wegen auch „Marquis Prosa“ genannt, hat behauptet, dass „heutzutage“ (was ja auch schon fast ein Jahrhundert her ist) so richtig revolutionäre Wuchteln kaum mehr geschossen werden können.


Satz: Im Monarchenbüro

„Geben Sie Gedankenfreiheit!“,ruft Posa seinem König im dritten Akt von Schillers „Don Karlos“ (man schrieb ihn mit K, weil die Verwechslung mit dem bösen Disney-Kater noch ausgeschlossen war) zu. Heute sind die Chefbüros laut Polgar weiträumig, und bis der Untertan beim Schreibtisch des Gottsöbersten angekommen ist, verschrumpelt ihm der Schlachtruf zum subalternen Murmeln.

Aber was will der Marquis eigentlich? Sind die Gedanken nicht ohnehin frei, wie das zeitgleich mit dem Schillerdrama entstandene Volkslied kündet? Aber Vorsicht, der Text tönt nur am Anfang aufrührerisch: „Ich denke, was ich will und was mich beglücket ...“

Sieg: „Positiv“ war früher

Scheinbar biedermeierlich defensiv geht es weiter: „... doch alles in der Still’ und wie es sich schicket“. Heute kennen die Medien keine Stille und ist die Presse so frei, dass wir den Fake vor lauter News nicht sehen. Einstmals wirkten Zensoren, die „menschgewordenen Bleistifte oder bleistiftgewordenen Menschen“, wie Nestroy sie nannte. Man suchte sich also seine Freiheitsluckerln und war ansonsten bemüht, „positiv“ zu denken. Seit das gute lateinische Wörtchen testhalber in Misskredit gekommen ist, orientieren wir uns neu; nunmehr ist Denken bei uns „nicht nachgewiesen“. Und das ist doch auch eine Art von Gedanken- Freiheit ...

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