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Der Regisseur Calle Fuhr über seine neue Inszenierung über René Benko: „Alles, was auf die Bühne kommt, ist wahr. Wir können alles belegen.“

Der Regisseur Calle Fuhr über seine neue Inszenierung über René Benko: „Alles, was auf die Bühne kommt, ist wahr. Wir können alles belegen.“
Foto: Antoine de Saint Phalle

Calle Fuhr: „Benko-Bashing wäre zu einfach“

Volkstheater Wien

In Kooperation mit „Dossier“ bringt Calle Fuhr den „Aufstieg und Fall des Herrn René Benko“ ins Volkstheater. Der Regisseur über die Kunst, aktuelles Tagesgeschehen in eine Bühnenfassung zu gießen, und welche Frage er Benko stellen würde.

Wer regelmäßig Medien konsumiert, weiß:

René Benko ist Thema. Es ist beinahe unmöglich, am Frühstückstisch in der Zeitung oder beim Nachhauseweg während des Handy-Scrollens in der Straßenbahn nicht über seinen Namen zu stolpern. Wenn Sie diesen Namen nicht mehr lesen können, lesen Sie am besten nicht weiter. Für alle jedoch, die sich gerne dem komplexen Thema nähern würden, aber nicht wissen, wie, haben wir die Lösung: Ab 16. März 2024 ist der „Aufstieg und Fall des Herrn René Benko“ am Volkstheater Wien zu sehen.

Theater meets Journalismus

Der deutsche Regisseur Calle Fuhr („Die Redaktion“, „Heldenplätze“) bringt gemeinsam mit „Dossier“ erneut ein Recherchetheater auf die Bühne. Diesmal über niemand Geringeren als René Benko. Im Interview mit der BÜHNE, das uns Calle Fuhr einen Tag vor Probenstart gibt, betont er, wie wichtig ihm ein niederschwelliger Zugang zum Thema ist. Somit können auch Personen, die davor keine Berührungspunkte mit Benko hatten, der Handlung folgen. Diejenigen, die den umstrittenen Immobilienmogul schon länger in den Medien verfolgen, werden allerdings einen neuen Blickwinkel auf die Handlung bekommen, verspricht Fuhr.

„Wir werden es nicht schaffen, die ganze Causa Benko an einem Abend zu erzählen. Deshalb betrachten wir die Geschichte neu und geben exklusive Einblicke.“ Journalistische Hilfe bekommt Calle Fuhr von der Rechercheplattform „Dossier“, die alle Fakten checkt.

Phänomen & System

„Uns interessiert nicht René Benko als Phänomen oder als ‚Wunderwuzzi‘, sondern das System um ihn. Wo hat er gelernt, welche Leute hat er um sich geschart und warum? Ich habe keine Lust, neunzig Minuten Benko-Bashing zu betreiben, das finde ich fad und zu einfach. Der Mann hat gewiefte Entscheidungen getroffen, die man moralisch hinterfragen kann, die aber geschäftlich streckenweise wirklich klug waren. Und ich finde, das sollte man auch anerkennen“, so Fuhr.

Ob er Klagen fürchtet? Der Regisseur schüttelt den Kopf. „Alles, was auf die Bühne kommt, ist wahr. Wir können alles belegen.“

Mit der Planung des Stücks hat Fuhr bereits letzten Herbst begonnen. Dass das Thema in den darauffolgenden Monaten medial auf die heutige Größe anschwellen würde, hätte der Regisseur nicht erwartet. „Ich sitze fast täglich vor dem Benko-Signa-Pressespiegel und versuche, jede neue Information aus den Artikeln zu ziehen. Um darüber erzählen zu können, muss ich ein Experte darin werden.“

Spielt Benko selbst mit?

Was würde er den Protagonisten des Stücks fragen, wenn er die Möglichkeit dazu hätte? Fuhr überlegt, es entsteht eine längere Pause. „Ob er sich selbst wirklich geglaubt hat. Hat er geglaubt, dass sein so risikoreiches und aggressives Geschäftsmodell für immer funktioniert? Hat er sich wirklich als Retter der Innenstädte gesehen? Was davon war für ihn wahr?“ Was Benko selbst vom Stück hält, kann Calle Fuhr noch nicht sagen. „Aber wir werden ihn auf jeden Fall fragen, ob er mitwirken will.“

Die Anfragen der BÜHNE an René Benko und Signa zum Stück blieben übrigens unbeantwortet: Zurück kamen lediglich automatische E-Mails, die den Abgang der ehemaligen Mitarbeiter*innen bestätigten. Ob Calle Fuhr sich einen großen Gerechtigkeitssinn zuschreiben würde, fragen wir. „Ich würde eher sagen, ich habe einen großen Ungerechtigkeitssinn. Es gibt Menschen, die machen es sich im Schatten zu gemütlich. Und hier kann ich einen kleinen Teil dazu beitragen, diese Menschen ins Rampenlicht zu ziehen.“ Dabei ist ihm wichtig, sich nicht hinter Anonymität zu verstecken, sondern die Dinge – oder Menschen – beim Namen zu nennen. „Wenn einmal die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge verwischt, wird alles, was wahr ist, schwächer.“

Wer also bei der nächsten Zeitungslektüre mehr wissen will – ab März haben Sie die Möglichkeit dazu.

Zur Person: Calle Fuhr

Geboren in Düsseldorf, lernt der 1994 geborene Calle Fuhr durch Regieassistenzen in Düsseldorf, Salzburg, Prag und Wien. Seit 2015 ­inszeniert er in Wien, Berlin, Basel und Luxemburg. Fuhr schreibt eigene Texte und unterrichtet an der Hochschule Ernst Busch in Berlin.

Hier zu den Spielterminen von Aufstieg und Fall
des Herrn René Benko
im Volkstheater!

Bernadette Sarman
Bernadette Sarman
Autor
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