Zum Inhalt springen

„Am Ende Licht" ist Lilja Rupprechts erste Arbeit am Burgtheater.

„Am Ende Licht" ist Lilja Rupprechts erste Arbeit am Burgtheater.
Foto: Moritz Grewenig

Theater als Empathiemaschine

Burgtheater

„Am Ende Licht“ ist Lilja Rupprechts erste Regiearbeit am Burgtheater. Das von Simon Stephens geschriebene Stück beschäftigt sich mit den grundsätzlichen Fragen des Menschseins. Niemals verurteilend, sondern stets von einem Feuerwerk aus Hoffnungsfunken begleitet.

„Für mich ist Theater eine Empathie­maschine“, schreibt der britische Dramatiker Simon Stephens im Vorwort zu seinem Stück „Am Ende Licht“. Der ständig wachsenden Bedeutung von Misstrauen und Spott im politischen und gesellschaftlichen Diskurs möchte er Freundlichkeit, Menschlichkeit und Güte entgegensetzen. „Aus einer Liebe den Menschen gegenüber“ entwickelt auch die in Hamburg geborene Regisseurin Lilja Rupprecht ihre Inszenierungen. „Sprechen und Spielen als der Versuch, sich ins Leben zu bringen, zu kämpfen, zu leben, zu überleben, zu verändern, wirksam zu sein, zu bearbeiten und auch zu scheitern.“ Ab 24. Februar ist ihre Inszenierung von „Am Ende Licht“ im Akademietheater zu sehen.

Die Ähnlichkeit der Herangehensweisen könnte auch einer der Gründe dafür gewesen sein, warum der gemeinsame Weg der Stückfindung in diesem Fall ein sehr leichter und schöner war. „Das ist nicht immer so“, ergänzt Lilja Rupprecht lachend. „Vor allem dann nicht, wenn man sich gerade erst kennenlernt.“ „Am Ende Licht“ ist ihre erste Arbeit am Burgtheater. 

Ein gemeinsamer Sprachraum

In seinem Stück zeichnet Simon Stephens mit klaren, einfachen Worten das Porträt einer Familie. Ausgangspunkt ist der plötzliche Tod einer Frau namens Christine. Während sie vor einem Supermarktregal zusammenbricht, gehen ihre Kinder und ihr Ehemann alltäglichen Beschäftigungen nach. Fast schon collagenartig führt der in London lebende Autor die Gespräche der einzelnen Protagonist*innen auf einer Ebene zusammen. „Durch die Gleichzeitigkeit der Szenen entsteht ein gemeinsamer Sprachraum, in dem nicht immer klar ist, wer sich mit wem unterhält. Aus vielen einzelnen Gesprächsfetzen entwickelt sich ein gemeinsames Sprachgewebe über die Alltäglichkeiten des Seins, gerahmt von Leben und Tod“, beschreibt Lilja Rupprecht die formalen Besonderheiten des Textes.

Zur Person: Lilja Rupprecht

Die gebürtige Hamburgerin war von 2005 bis 2009 Regieassistentin am Thalia Theater Hamburg.
Ab 2009 studierte sie Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin.
Seither inszeniert sie u. a. am Deutschen Theater Berlin, an der Schaubühne Berlin, am Volkstheater München, am Schauspiel Frankfurt, am Staatstheater Hannover und am Schauspiel Köln. 


Die Probebühne als Labor

Geht es nach der Regisseurin, schwingen in diesem Ansatz noch ganz andere Fragestellungen mit: Wer sind wir? Wie sind wir dazu geworden? Was davon ist der individuelle Kern, was Erziehung und transgenerationale Muster? Wo finden wir Halt und Geborgenheit? 

„Schließlich beziehen wir uns ständig auf jemand anderen, auch wenn wir die Person vielleicht gar nicht kennen“, fügt sie daran anknüpfend hinzu.

Es ist ein surrealer Raum, durch den sich die Figuren in Lilja Rupprechts Inszenierung bewegen und auszuloten versuchen, wie Menschsein funktioniert. „Im Grunde beschreibt Simon Stephens die Geschichte von uns allen“, bringt sie es auf den Punkt. Die Art und Weise, wie er das tut, ist von ebenjener Fürsorglichkeit und Versöhnlichkeit geprägt, die er im Vorwort zum Stück beschreibt. 

Foto: Moritz Grewenig

Auch die gemeinsame Arbeit an einem Stück sollte in einem möglichst offenen und angstfreien Raum stattfinden, ist Lilja Rupprecht überzeugt. Nur wenn sich alle Beteiligten eingeladen fühlen, ihre Fantasien preiszugeben und Dinge auszuprobieren, entsteht jener Labor­charakter, den sich die Regisseurin wünscht. Dadurch ergibt sich eine weitere Verbindung zum Stück. „Auch hier begegnen wir Menschen, die sich ausprobieren, um ihre Identität zu erforschen und zu dem zu werden, was sie sind.“

Zu den Spielterminen von „Am Ende Licht" im Burgtheater

Sarah Wetzlmayr
Sarah Wetzlmayr
Autor
Mehr zum Thema
  • Festspiele Reichenau
    Ein frischer Wind
    Die bröckelnde Dekadenz des Südbahnhotels Semmering macht das einstige Grandhotel zu einer...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Theater der Jugend
    Wo Gras wächst, ist Hoffnung
    Es summt und brummt auf der ins Renaissancetheater gezimmerten Wiese. Regisseur Peter Lund und sein...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Wiener Staatsoper
    Wenn das Licht mitdenkt
    Es ist die Mischung aus Tradition und Innovation, aus Handwerk und Hightech, die die Oper lebendig...
    Von Atha Athanasiadis
  • Theater in der Josefstadt
    Die Bühne. Ein Leben.
    Marianne Nentwich gehört dem Ensemble des Theaters in der Josefstadt seit 62 Jahren an. Nun...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Volkstheater
    In neuem Licht
    Die Musicbanda Franui und der Circa Contemporary Circus laden an zwei Abenden dazu ein, die...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Burgtheater
    4 Fragen an Roman Senkl
    In „Solaris“ wird der Psychologe Kris Kelvin auf einen Planeten geschickt, der Lebewesen...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Festspiele Reichenau
    Ringel, Ringel, Reigen
    Im „Reigen“ drückt Arthur Schnitzler dem Publikum die Lupe in die Hand und lässt es...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Festspiele Reichenau
    Erinnern statt Verdrängen
    Der Roman „Die letzten Tage“ beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der NS-Zeit rund um...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Festspiele Reichenau
    Kleiner Prinz, große Magie
    Antoine de Saint-Exupérys Erzählung „Der kleine Prinz“ ist eine Aufforderung, die...
    Von Sarah Wetzlmayr
1 / 12