Was ist für Sie der Zauber von „Jolanthe und der Nussknacker“?

Was macht dieses Ballett so zauberhaft? Wir haben bei Choreograf und Regisseurin in der Volksoper nachgefragt.

Andrey ­Kaydanovskiy:

Lottes Grundidee war, dass das blinde Mädchen Jolanthe sich die Welt, die sie umgibt, wie im ‚Nussknacker‘ vorstellt. Um dem Stück für mich eine Logik zu geben, dachte ich mir, dass Jolanthe als Gutenachtgeschichte zum Einschlafen ‚Der Nussknacker‘ vorgelesen wird, so wie ich meinen Kindern abends Märchen vorlese. Es könnte ihr Lieblingsbuch sein, und so prägen die Bilder und Beschreibungen ihre Imagination, werden zu ihrer Wirklichkeit.

Es ist eine Welt, in die sie vor der Realität flüchtet. Als sie schließlich geheilt wird und die Welt in ihrer Unperfektheit sieht, gelingt es ihr, ihre Vorstellungskraft zu bewahren. Mir ist dieser Gedanke persönlich sehr nahe. Für mich ist die Bühne ein Ort, wo ich der Realität entgehen kann, wo wir unseren Emotionen freien Lauf lassen können. Wir können schreien, weinen, sterben, Dinge tun, die wir abseits der Bühne nicht zeigen können, weil sie nicht der Norm entsprechen. So gesehen ist die Bühne meine Nussknackerwelt.“

Andrey ­Kaydanovskiy ist Tänzer und der Choreograf von  „­Jolanthe und der Nussknacker“.

Lotte de Beer:

„Letztendlich geht es bei ‚Jolanthe‘ um jene Phase im Leben, in der man sich entscheiden muss: Bleibe ich immer eine blinde Prinzessin – oder öffne ich die Augen und beginne die Welt zu sehen, wie sie ist: in all ihrer Hässlichkeit und all ihrer Schönheit. ‚Jolanthe‘ ist meine Lieblingsoper, und ich wollte sie schon immer inszenieren. Da die Oper sehr kurz ist, stellt sich die Frage, mit welchem Werk man sie kombiniert.

Figurine aus „Jolanthe und der Nussknacker“
Familienstück. Hier die gezeichnete Vorlage (Jorine van Beek) für die Kostüme – das Stück holt gleichsam Erwachsene wie Kinder ab. Eine Empfehlung. Foto: Andreas Jakwerth, Figurine: Jorine van Beek

Bei der Premiere in Paris hat Tschaikowski bereits einen Doppelabend mit dem ‚Nussknacker‘ gemacht – diesem Stück, in dem es um die Kindheit geht, die Zeit, die von der Fantasie des Moments geprägt ist, in der das Leben noch so schön und gut ist und voller Überraschungen steckt. Wir haben beschlossen, die beiden Stücke zu einem Abend zu verweben, zu einer poetischen Coming-of-Age-Story. Wichtig ist auch, dass wir als Volksoper eine echte Koproduktion mit dem Staatsballett machen. Es gibt ja viele Vernunftbeziehungen, aber ich möchte, dass daraus eine Liebesbeziehung wird. Das Publikum merkt, wenn man Liebe nur spielt oder wenn wirklich etwas zusammenfließt.“

Lotte de Beer ist die neue ­Intendantin der  Volksoper, sie führt bei ­„Jolanthe und der Nuss­knacker“ Regie.

Zu den Spielterminen von „Jolanthe und der Nussknacker“ in der Volksoper Wien!

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