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Regisseur und Leiter des Volkstheaters in den Bezirken Calle Fuhr in der Factory.

Regisseur und Leiter des Volkstheaters in den Bezirken Calle Fuhr in der Factory.
Foto: Anna Breit

Plädoyer von: Calle Fuhr

Plädoyer

Solidarisch sein, da hat wahrscheinlich intuitiv erst mal niemand etwas gegen. Aber wie geht das? So im Alltag meine ich, aber auch darüber hinaus?

Diese Frage beschäftigt mich sehr. Denn wenn wir uns gerade in Wien umschauen, dann ist die akustisch präsenteste Solidargemeinschaft auf den sogenannten Corona-Demos zu sehen.

Dort versammeln sich Menschen, die teilweise mehr entzweit, als sie eigentlich eint, und dennoch haben sie kein Problem damit, sich gemeinsam gegen die politischen Entscheidungen in Bezug auf die Pandemie zu versammeln oder besser – zu solidarisieren.

Sehen wir einmal von der Furchtbarkeit dieser Veranstaltungen ab und gehen für den Moment davon aus, dass entgegen der Gleichung „Wer mit Nazis demonstriert, ist selbst ein Nazi“ dort einige Nicht-Faschisten kein Problem damit haben, mit ebensolchen die Innenstadt lahmzulegen.
Dann stellt sich doch die Frage: Warum können das die anderen 99 Prozent der Bevölkerung nicht so gut?

Also, ich meine jetzt nicht, mit Faschisten zu demonstrieren, sondern warum schaffen wir – die überwältigende Mehrheit dieses Landes – es so selten, Seit’ an Seit’ für unsere demokratischen und antifaschistischen Ideale einzustehen? Mein erster semi-intellektueller Reflex gibt mir als Grund ein fehlendes Feindbild. Und in der Tat ist das ja ein bereits vielbesprochener Komplex, dem sich besonders die Linke des 21. Jahrhunderts stellen muss. Gegen einen Neoliberalismus oder eine Klimakrise demonstriert es sich eben nicht so einfach wie gegen einen Mückstein. Doch ich will das so nicht hinnehmen.

Zur Person: Calle Fuhr

Geboren in Düsseldorf, lernt der 1994 geborene Calle Fuhr durch Regieassistenzen in Düsseldorf, Salzburg, Prag und Wien. Seit 2015 ­inszeniert er in Wien, Berlin, Basel und Luxemburg. Fuhr schreibt eigene Texte und unterrichtet an der Hochschule Ernst Busch in Berlin.

Wenn ein ganzes System das Problem ist, dann will ich dagegen demonstrieren können. Oder vielleicht eben gerade nicht dagegen – sondern dafür: für ein gutes Leben, für die Demokratie und für eine Zukunft, in der beides auch möglich ist.

Die Sehnsucht nach einem nachhaltigen Leben in Frieden, die muss doch reichen, um kurz zu vergessen, ob die Person neben mir all meine gesellschaftspolitischen Meinungen teilt, oder?

Oder braucht es tatsächlich dieses Feindbild?
Braucht es den Schaum vorm Mund?
Diesen Fragen stellt sich die Volkstheater-Produktion „Musketiere“, die ab jetzt durch die Häuser der Begegnung in den Bezirken tourt. Während wir uns all diesen Fragen rund um die Solidarität und wie sie funktionieren könnte stellen, reimen und singen wir und machen auch einige blöde Witze, weil sich politisches Theater und Unterhaltung nicht ausschließen sollen. Kommen Sie doch vorbei, ich selbst bin auch jeden Abend da, und wenn Sie Lust haben, trinken wir danach ein (Achtung!) Muske-Bier.

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