Mein Theatersommer: Johanna Mahaffy

Mit einem Ausblick auf die Berge genießt Johanna Mahaffy ihren Theatersommer in Reichenau. Im Interview hat sie uns erzählt, dass es in den Proben manchmal auch hitzig zuging.

Wie geht es dir und wo erwischen wir dich gerade?

Es kann einem nicht schlecht gehen bei solch einem Ausblick auf die Berge und ins Grüne. Ich sitze hier gerade auf der Terrasse einer gemieteten Wohnung in Reichenau und schätze den Ausgleich und die Entspannung in der Natur.

Wie ist es, bei diesen Temperaturen zu proben?

It’s hot. Das Theater ist zum Glück klimatisiert und es ist angenehm, zu proben. Aber auch hier wurde in den Endproben hitzig diskutiert, geprobt und geforscht. So wie es sich auch gehört.

Wie sehen deine Strategien für einen kühlen Kopf aus?

Bewegung! Ich bin hier immer mit meinem Rad unterwegs, gehe wandern oder schwimmen, um die Gedanken etwas loszulassen.
Und oft erfährt man danach einen idealen Zustand für das Spielen. Auch Musik machen ist eine schöne Tätigkeit, um dem Stress zu entgehen. Wir haben ein Keyboard, eine Gitarre, ein Mikrofon usw. nach Reichenau mitgenommen und wer weiß, vielleicht entsteht hier noch der nächste Hit …

Wie schaut ein typischer Theatersommer bei dir aus?

Tatsächlich ist es mein erster Theatersommer im Rahmen eines Theaterfestivals, also habe ich keine anderen Referenzen, wie so ein typischer Sommer aussehen könnte. Was sich über diesen bisher sagen lässt: Es ist ein schönes Zusammenkommen von Freund*innen, Kolleg*innen und inspirierenden Menschen. Es hat etwas sehr Familiäres, wenn die Arbeit im Theater mit den Kolleg*innen nicht nach dem Applaus endet, sondern danach noch gegessen, getrunken, philosophiert und gefeiert wird.

Mein Theatersommer: Johanna Mahaffy
Seit September 2021 ist Johanna Mahaffy Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt und seit 2020 auch als Gast am Burgtheater engagiert. Foto: Lalo Jodlbauer

Bleibt da noch Zeit für Freizeit?

Auf jeden Fall! Aber die Arbeitszeit hier ist mir genauso bedeutend und freudebringend wie meine Freizeit, denn ich habe Glück, mit einem so tollen Ensemble spielen zu dürfen und in diesem Stück mit einer mir sehr lieb gewonnen Figur beizutragen.

Wir würdest du die Atmosphäre in Reichenau beschreiben?

Feierlich, frei, aufregend und auch entspannt. Manchmal überkommt mich auch so eine leichte Melancholie, wenn ich in der Natur bin an einem freien Tag. Beim Spielen legt sich das alles und dann weiß ich wieder, warum ich hier bin.

Welche neue Begegnung hat dich besonders überrascht / begeistert?

Einige Begegnungen haben mich bereichert und jede von ihnen schätze ich. Sei es ein Gespräch unter dem Sternenhimmel im Marienhof oder eine gewonnene Freundschaft durch die Probenzeit.

Wie reagiert das Publikum im Sommer? Anders als sonst?

Ich habe das Gefühl, dass die Leute hier etwas entspannter und wohlwollender gestimmt sind, wahrscheinlich auch durch den Sommer und die damit einhergehende größere Leichtigkeit. Dieses Publikum kommt selbstverständlich, um unterhalten und inspiriert zu werden, aber dabei verspüre ich als Schauspielerin keinen Druck, Erwartungen zu befriedigen oder geprüft zu werden. Es ist womöglich ein gemeinsames Interesse von Spielenden und Publikum einen schönen Abend zu genießen.

Gibt es etwas, das du uns über deine Rolle erzählen möchtest?

Mascha ist auf den ersten Blick wohl keine glücklich lebende Figur und so dachte ich zunächst, eine undankbare Rolle zu spielen, weil ich auf keinen Fall eine ausschließlich leidende Frau verkörpern will. Doch wie Knipper-Tschechowa sagte: „Um Tschechow zu spielen, muss man die menschliche Kreatur so lieben, wie Tschechow sie geliebt hat, mit all ihren Schwächen und Fehlern.“ Und genau das habe ich versucht – Mascha in ihrem Unglück zu verstehen, ihre Anwältin zu sein und sie mit all ihren Fehlern und Entscheidungen zu lieben. Letztendlich ist Mascha in meinen Augen so wie du und ich, nur mit einem anderen Schicksal. Tragisch, aber auch toll daran ist, dass sie ihr Schicksal einsieht, einen Umgang damit findet und ihren Fehlern ehrlich begegnet.

Dein Lese-, Musik- oder Podcast-Tipp für den Sommer?

Das Buch „Was bedeutet das alles“ von Thomas Nagel,
das Album „Hoy Como Aye“ der Band Hermanos Gutiérrez und (cringe moment) der Song „Say it right“ von Nelly Furtado.

Zu den Spielterminen von „Die Möwe“ bei den Festspielen Reichenau!

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