„Into the Light“. Der Abstieg in das Kellergewölbe der wahrscheinlich berühmtesten – jedenfalls aber von fantastischen Mythen umrankten – Diskothek Österreichs, in der einst Sade, Prince oder der/die wahrhaft göttliche Divine auftraten, weckt Erinnerungen, die es hirnphysiologisch eigentlich nie wieder an die Oberfläche des Bewusstseins hätten schaffen dürfen.

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Auch Falco spielt darin eine Rolle, denn er war hier zu Gast und konnte an der Bar aus nächster Nähe begutachtet werden. Und zwar mit der für die späten 1980er-Jahre üblichen – und für Stars seines Schlags angenehmen – Attitüde des demonstrativen Desinteresses.

Von Letzterem kann am Tag der Stück- und Cast-Präsentation von „Rock Me Amadeus – Das Falco-Musical“ freilich nicht die Rede sein. Mit großer Spannung waren Einzelheiten zur Eigenproduktion der Vereinigten Bühnen Wien erwartet worden. Und diese Erwartungen wurden von Intendant Christian Struppeck, der das Stück schrieb, Regisseur Andreas Gergen, Hauptdarsteller Moritz Mausser, den Starproduzenten Rob & Ferdi Bolland sowie der gesamten hochkarätigen Besetzung auch nicht enttäuscht.

Christian Struppeck Falco
Christian Struppeck Der Musical-Intendant griff auch für „Rock Me Amadeus“ selber zur Feder und zeigt den Weltstar aus Wien von seiner sensiblen Seite.

Foto: Andreas Jakwerth

Hans versus Falco

„Der Unterschied zu anderen Falco-Projekten ist der, dass wir biografisch agieren. Wir erzählen seine Geschichte, die sehr spannend ist, und haben uns dafür intensiv mit vielen seiner Weggefährten auseinandergesetzt. Mich als Autor haben seine Konflikte interessiert, wie er mit dem raschen Ruhm zurechtkam, der schnell zum Albtraum wurde. Denn was als Spaß begonnen hatte, war plötzlich zum Business geworden, in dem er liefern musste. Er war eine Kunstfigur, die immer zu funktionieren hatte – ein Druck, den die Person Hans Hölzel nicht aushielt. Die Konsequenzen daraus sind bekannt“, so Christian Struppeck. „Was ich gelernt habe, ist, dass er privat ganz anders war als sein öffentliches Bild, hochintelligent, sensibel, perfektionistisch, ein außergewöhnlicher Texter.“

Die Zuschauer dürfen ab Oktober eine moderne Pop-Show erwarten, für die vorwiegend auf das bewährte „I Am From Austria“-Team zurückgegriffen wurde. Neben Arrangeur Michael Reed ist auch Regisseur Andreas Gergen wieder mit an Bord. „Wir arbeiten seit zwei Jahren an ‚Rock Me Amadeus‘. Dabei mussten wir viele Entscheidungen treffen, welche Situationen aus seinem Leben erzählt werden und welche seiner Hits zu Gehör kommen sollen“, erklärt Andreas Gergen das Dilemma der musikalischen und lebensgeschichtlichen Fülle. „Ich denke aber, dass wir ein breites Spektrum geschaffen haben, um das Phänomen ‚Falco‘ nachvollziehbar zu machen.“

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Falco Musical
Ferdi & Rob Bolland Sie waren als Produzenten und Autoren für Falcos größte Erfolge verantwortlich und steuerten für das Musical auch neue Songs bei.

Foto: Imago / Bruno Press

Ein Psychogramm

Er bezeichnet das Stück als Psychogramm, es sei ein Schauspiel mit Musik. „Natürlich wird es auch große Showelemente mit starken musikalischen Nummern geben, aber die Geschichte und die Psychologie der Figuren stehen im Vordergrund. Wir haben ein Bühnenkonzept gewählt, in dem wir zwischen konkreten Spielorten und abstrakten psychologischen Zwischenräumen wechseln können – bis hin zu einem Blick in Falcos Kopf. Wir wollen ihn und was ihn getrieben hat verstehen.“

Zu diesem Verständnis können freilich auch Rob und Ferdi Bolland beitragen, die neben dem Titeltrack viele weitere Falco-Hits geschrieben und produziert haben. Für das Stück haben die niederländischen Brüder zudem neue Originalsongs im Stil des Wiener Weltstars kreiert.

„Ich habe das Gefühl, dass dieses Musical mit viel Liebe für die Person Hans Hölzel gemacht wurde, und das sieht man“, streut Rob Bolland dem Kreativteam Rosen. „Wir kennen viele Leute aus diesem Team schon lange“, attestiert sein Bruder Ferdi, „und es macht Spaß, denn offensichtlich haben wir alle eine tolle gemeinsame Vergangenheit mit Falco, mit Hansi. Du machst also ein Musical über einen Freund von dir. Das ist eine großartige Erfahrung.“

Er war eine Kunstfigur, die immer zu funktionieren hatte – ein Druck, den die Person Hans Hölzel nicht aushielt.

Christian Struppeck, Intendant & Autor

Plötzlich im Rampenlicht

Die Besetzung der ambitionierten Neuproduktion, die am 7. Oktober im Ronacher ihre Uraufführung erleben wird, ist namhaft.

Die Routiniers Andreas Lichtenberger, Alex Melcher, Franz Frickel und Tania Golden sind ebenso dabei wie Katharina Gorgi und Martin Enenkel – beide nicht nur aus der Volksoper bekannt – oder der junge Allrounder Simon Stockinger.

Die Titelrolle verkörpert der Newcomer Moritz Mausser, der bereits bei den Workshops zur Produktion Falco spielte und bei den eigentlichen Auditions schließlich in der Rolle für die Weltpremiere des Stücks engagiert wurde.

„Als ich die Zusage bekommen habe, war das eine Minute lang ein Schock, dann eine Minute lang pure Freude, ehe sich mein Arbeitssinn eingeschaltet und nachgefragt hat, wie ich das denn schaffen soll“, erinnert er sich amüsiert.

Er habe sich eine regelrechte Falco-Infusion, bestehend aus Biografie, Interviews, Videos und Playlists, verpasst, „um diesem großen Geist gerecht zu werden. Mir ist es wichtig, einen Zugang zu finden, um etwas Wahrhaftiges über Hans und Falco erzählen zu können. Eigentlich handelt es sich um eine Doppelrolle, ergänzt um eine dritte sprachliche Ebene, wenn er als Privatperson zu sich selbst spricht.“ Tonalität ist ein großes Thema. „Ich habe versucht, einen Zugang zu finden, der sehr Falco ist und sehr Moritz, weil ich ihn auf keinen Fall imitieren möchte!“

Falco Musical
Andreas Gergen Der erfolgreiche Musiktheater-Profi inszenierte schon den VBW-Hit „I Am From Austria“ und wird nun den Falken zum Fliegen bringen.

Foto: Andrea Peller