Ein Stück in einer Minute: Das Himmelszelt von Lucy Kirkwood

„Das Himmelszelt" von Lucy Kirkwood berichtet von einer Angeklagten, die wegen Mordes vor Gericht steht. Doch der Gegenstand der Untersuchung wird schon bald ein anderer sein: ihr eigener Körper.

Inhalt

13. März 1759: Der Komet Halley fliegt knapp neben der Erde vorbei. Zum gleichen Zeitpunkt befindet sich Sally Poppy vor Gericht und wird des Mordes an einem Mädchen angeklagt. Als sie zum Tode verurteilt werden soll, behauptet sie, schwanger zu sein, was sie vor einem Todesurteil bewahren würde. Doch wie soll in einem solch frühen Stadium der Schwangerschaft herausgefunden werden, ob die Angeklagte die Wahrheit sagt?

Zwölf Frauen werden von ihren häuslichen Arbeiten weggeholt, um als Geschworene über das Schicksal von Sally zu entscheiden. Was folgt, ist ein Rechtsstreit, der auf grausame und beschämende Weise auf dem Körper der Angeklagten ausgetragen wird.

Werkgeschichte

„Ich wollte schon immer ein Theaterstück über Hausarbeit schreiben. Aber es sollte auch richtig spannend werden“, verriet Kirkwood in einem Interview. Sie verlegte die Handlung ins 18. Jahrhundert, einer Zeit, in der man eine Schwangerschaft im frühen Stadium nur sehr schwer feststellen konnte.

Kirkwood lehnt sich an das Genre des Gerichtsaal-Dramas an, verknüpft dies aber mit körperlichen und weiblichen Themen, mit Geheimnissen und Traumata wie Vergewaltigung, Fehlgeburt oder Unfruchtbarkeit. Das Stück lässt fast ausschließlich weibliche Rollen auftreten.

Aufführungsgeschichte

Die Uraufführung von Kirkwoods Stück fand im Jänner 2020 im National Theatre in London statt.

Die deutsche Erstaufführung folgte im September 2020 im Burgtheater in Wien. Dort wird es nach der Lockdown-Unterbrechung auch wieder zu sehen sein. Regie führt Tina Lanik, die deutsche Übersetzung stammt von Corinna Brocher. Marie-Luise Stockinger spielt die Hauptrolle der Angeklagten Sally Poppy.

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