Ein Stück in einer Minute: Die Hermannsschlacht von Heinrich von Kleist

Vom erfolglosen Drama zum gefeierten Kriegsepos: Im Zentrum von Kleists Stück steht der mythische Held Hermann, der bei seinem strategischen Vorgehen auch nicht vor persönlichen Opfern zurückschreckt.

Inhalt

Hermann, der Fürst der Cherusker, wird sowohl vom römischen Feldherrn Varus als auch vom Suebenfürst Marbod umstellt. Er erweist sich als geschickter Kriegsstratege und scheut auch nicht davor, für seine Angelegenheiten Frau und Kinder zu benutzen. So nutzt er das Interesse des römischen Legaten Ventidius an seiner Frau Thusnelda aus, um sich scheinbar geschlagen zu geben und auch Thusneldas Hass auf ihn zu schüren. Derweil geht er einen Pakt mit Marbod ein, für den er sogar das Leben seiner Kinder als Pfand setzt.

Als die Römer einfallen, lockt Hermann sie in den Teutoburger Wald, wo sie herumirren und so auch geschlagen werden können. Die Fürsten bestimmen Hermann nun zum König und man will sogar nach Rom aufbrechen.

Werkgeschichte

Kleists Drama entstand nach der Niederlage gegen Frankreich 1807 und bevor die Befreiungskriege begannen. Kleist orientierte sich an der historischen Gestalt des Arminius wie auch an dem damit verbundenen Hermann-Mythos. Arminius war ein cheruskischer Fürst, der den Römern ungefähr 9 nach Chr. in der sogenannten Varusschlacht eine verheerende Niederlage bescherte. Daraus entstand in Deutschland die Figur von Hermann, dem Cherusker.

Aufführungsgeschichte

Die Aufführung der Hermannsschlacht entpuppte sich als schwierig. 1809 lehnte das Burgtheater Wien nach einer Niederlage Österreichs gegen Frankreich eine Uraufführung ab. In Preußen wurde das Stück zunächst nur in Druckform verbreitet. Erst 1839 kam es zur Uraufführung in Pyrmont durch das Detmolder Hoftheater. Erneut aufgeführt wurde das Stück erst wieder 1860 in Breslau, danach auch in anderen deutschen Städten, doch weitestgehend erfolglos. Erst die Inszenierungen des Berliner Schauspielhauses und des Meininger Hoftheaters 1875 verhalfen dem Stück zum Durchbruch.

Ab dem 100-jährigen Jubiliäum zum Ende der Befreiungskriege 1912 galt das Stück als patriotisches Drama. Im Nationalsozialismus wurde das Stück überaus häufig gespielt.

Als wichtige Inszenierung gilt jene unter der Regie von Claus Peymann 1982 am Schauspielhaus Bochum. Eine neue Inszenierung von Martin Kusej ist ab 19. Dezember wieder im Burgtheater zu sehen.

Prominente Interpreten

In Peymanns international anerkannter Inszenierung der Herrmannsschlacht spielen die beiden Größen Gert Voss und Kirsten Dene Hermann und Thusnelda. In Martin Kušejs Inszenierung sind unter anderem Markus Scheumann und Bibiana Beglau zu sehen.

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