Arthur Klemt: Immer schon ein Spielkind

Mit dem Burgtheater vor der Nase begann Arthur Klemts ungewöhnliche Schauspielkarriere. In der Spielzeit 2019/20 wechselte er die Perspektive.

„Nicht die Bohne, die Bühne!“, lautet der erste Satz bei unserem Zusammentreffen mit Arthur Klemt vor dem Seiteneingang des Burgtheaters. Schnell ist klar: Die der Willkür verpflichtete Autokorrektur hatte wieder einmal ihre Finger im Spiel. Dass der ursprünglich aus Kärnten stammende Schauspieler trotz dieses Missverständnisses zum Interview gekommen ist, ist seiner Offenheit und seiner, wie er hervorhebt, riesengroßen Neugierde geschuldet. Diese Neugierde brachte Klemt, der seit der Spielzeit 2019/20 zum Ensemble des Burgtheaters gehört, schon an die ungewöhnlichsten Orte und sorgt auch dafür, dass er in seinem Job auch neuen Herangehensweisen und Impulsen stets offen begegnet. 

So zum Beispiel bei der Produktion „(OB)SESSIONS“, die Star-Choreografin Saar Magal gerade mit einigen Tänzer:innen und Ensemblemitgliedern des Burgtheaters erarbeitet. „Wir konzentrieren uns stark auf das Erschaffen von Bildern und Atmosphären“, so Klemt. Auf thematischer Ebene beschäftigt sich die Uraufführung mit der Unterdrückung weiblicher Sexualität und Feminismus. „Es ist eine intellektuelle Auseinandersetzung mit diesen Themen, die auf sehr körperliche Weise stattfindet“, bringt es der Schauspieler auf den Punkt. Dass in der Probenarbeit der Improvisation sehr viel Platz eingeräumt wurde, kommt Arthur Klemt sehr entgegen. „Ich war schon immer ein Spielkind“, betont er lachend. 

Foto: Karolina Miernik

Einmal um die ganze Welt

Wie er das genau meint, wird klarer, wenn man sich den Weg ansieht, den Arthur Klemt bisher zurückgelegt hat. Zur besseren Veranschaulichung deutet er auf den hinter uns liegenden Rathausplatz. „Auf diesem Platz bin ich früher gestanden und habe als Akrobat meine Kunststücke gezeigt. Um dort zu sein, wo ich jetzt bin, hätte ich also eigentlich nur über die Straße gehen müssen. Aber ich bin lieber um die ganze Welt gegangen“, sagt er schmunzelnd. Unter anderem mit der international agierenden Straßentheatergruppe „Teatro Tascabile di Bergamo“, mit der Arthur Klemt eines Tages zufällig in Kontakt kam. Eher aus Gründen der Vernunft landete der Schauspieler schließlich als festes Ensemblemitglied am Landestheater Coburg. Und blieb dort so lange, bis der damalige Oberspielleiter mit folgendem Satz an ihn herantrat: „Arthur, was du so machst, kannst du an ganz kleinen oder an ganz großen Theatern machen, aber nicht hier.“ 

Mit gefletschten Zähnen

Zuletzt war Arthur Klemt fast zehn Jahre lang Ensemblemitglied am Münchner Residenztheater. Mit Martin Kušej, mit dem er 1989 zum ersten Mal zusammengearbeitet hat, wechselte er ans Burgtheater, wo er bisher unter anderem in „Faust“, „Don Karlos“, „Des Kaisers neue Kleider“ und „Die Jagdgesellschaft“ zu sehen war. Nach Wien ist Arthur Klemt, wie er offen erzählt, mit gefletschten Zähnen und ordentlich Bauchweh zurückgekommen.„Eigentlich war ich immer gerne fremd an den verschiedenen Orten, weil damit ein frischer Blick einhergeht. Plötzlich war ich zurück in diesem Land, und es war alles sehr vertraut.“ 

Immer wieder neu anzufangen ist für den Schauspieler Teil des Berufs. Einerseits hat ihn das, wie er erklärt, viel gekostet, andererseits steckt in jedem Neubeginn immer auch die Möglichkeit, Altlasten abzuwerfen. „Nur manche Dinge lassen einen einfach nicht los, die kleben einem am Schuh wie Hundedreck“, ergänzt er lachend. Der Optimismus, den Arthur Klemt in sich trägt und den er auch ausstrahlt, hat ihm schon über die eine oder andere damit verbundene Hürde hinweggeholfen. Schlechte Laune? Fehlanzeige. Oder eben: Nicht die Bohne!

Zur Person: Arthur Klemt

Vor seiner Tätigkeit als Schauspieler trat der gebürtige Klagenfurter als Akrobat in ganz Europa auf. Seine Theaterengagements führten ihn zuletzt ans Münchner Residenztheater, von wo aus er ­schließlich ans Wiener Burgtheater wechselte. 

(OB)SESSIONS im Burgtheater – Termine und Tickets