Der Sturm von Shakespeare

Shakespeare mal anders: „Der Sturm" ist weniger Historiendrama und vielmehr Romanze. Doch wovon handelt Shakespeares spätes Stück?

Inhalt

Prospero, Herzog von Mailand und Zauberer, vernachlässigt seine Herrscherpflichten aufgrund der Zauberei und wird von seinem Bruder, Antonio, vom Thron gestoßen. Prospero und seine Tochter Miranda können fliehen und stranden auf einer Insel, deren Herrscher Prospero wird. Ihm unterstehen der Luftgeist Ariel und der Sohn einer Hexe, Caliban.

Als der König von Neapel und seine Flotte, auch Antonio ist dabei, an der Insel vorbeikommen, sorgt Ariel dafür, dass sie stranden. Ferdinand, der sich auch auf der Flotte befindet, und Miranda verlieben sich. Derweil wird schon wieder ein neuer Komplott gegen Prospero geschmiedet, um den Königsbruder Sebastian zum Herrscher der Insel zu machen.

Dies misslingt aber. Antonio und Prospero söhnen sich aus und Letzterer will als Herzog nach Mailand zurückkehren, wofür er allerdings der Zauberei abschwören muss. Ob er wirklich von der Insel gelangen kann und die Abmachung eingehalten wird, verrät Shakespeare nicht.

Ein Stück in einer Minute: Der Sturm von Shakespeare
Prospero entfesselt mit Ariels Hilfe einen Sturm, der sie kentern und stranden lässt. Foto: Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Werkgeschichte

Im Gegensatz zu seinen anderen Stücken kann hier keine eindeutige historische oder literarische Vorlage genannt werden. Shakespeare nimmt jedoch Bezug auf für das elisabethanische Theater typische Romanzen- und Dramenmotive, wie den Schiffbruch, Zauberei, Liebesvereinigung und Versöhnung.

Das Motiv, dass Prospero seine Tochter mit dem Sohn eines Feindes vermählt, hat seinen Ursprung vermutlich in der Volkssage. In diesem Punkt finden sich einige Parallelen Shakespeares zu Jakob Ayrers Drama Die schöne Sidea (1605) oder zwei spanischen Romanzenerzählungen aus der Sammlung Espejo de Principes y Caballeros von Diego Orunes (1562). Ein Bericht über einen Schiffbruch aus den Bermuda Pamphlets diente ihm vermutlich als weitere Quelle, sowie Ovids Metamorphosen bzw. die Rede der Zauberin Medea darin.

Ein Stück in einer Minute: Der Sturm von Shakespeare
Linn Reusse in der Inszenierung von Jan Bosse bei den Bregenzer Festspielen. Foto: Armin Smailovic

Aufführungsgeschichte

Auf 1611 wird die erste Aufführung datiert.

2016 feierte Der Sturm Premiere im Zuge der Salzburger Festspiele, die Aufführung fand auf der Perner-Insel in Hallein statt. 2012 war im Stadttheater Klagenfurt eine Inszenierung anhand der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel zu sehen. Das Burgtheater hat das Stück in der Saison 2021/22 in sein Repertoire aufgenommen, Regie führt Thorleifur Örn Anarsson.

Es gibt einige Verfilmungen des Stücks, 1980 unter gleichnamigem Titel, 1991 unter Prosperos Bücher und 2010 unter dem Titel The Tempest – Der Sturm.

Prominente Interpret*innen

In der Verfilmung von 2010 gab es ein regelrechtes Staraufgebot: Helen Mirren wird als Prospera eingesetzt, Felicity Jones spielt ihre Tochter, Alfred Molina den Königsbruder und auch Russel Brand und Alan Cumming sind mit von der Partie.

Magazin-Cover
BÜHNE-Abo

10 Ausgaben jährlich nur
€ 44,90

Hier bestellen