7 Stücke für heiße Sommertage

Schnee, Eis, erfrischende Seen und kühle Meeresbrisen gehören zu jenen Dingen, nach denen sich der schwitzende, von Tropennächten gezeichnete Körper verzehrt. Auch im Theater kommen diese Themen vor. Obwohl den Stücktiteln in dieser Hinsicht nicht immer zu trauen ist.

Winterreise von Elfriede Jelinek

Schon das erste Stück dieser Liste zeigt, wie wenig ihr eigentlich zu trauen ist. Denn natürlich ist Elfriede Jelineks „Winterreise“ kein klassisches Winterstück, wie etwa jene, die man sich am Weihnachtstag anschaut, um die Zeit bis zum Christkind zu überbrücken. „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh‘ ich wieder aus“: Diese ersten Worte von Schuberts Liederzyklus klingen auch zu Beginn von Jelineks Text an. Wie der Wanderer in Schuberts Liedern irrt auch hier ein lyrisches Ich rastlos durch die Welt. Es geht um Einsamkeit, um innere Emigration, um das Fremdsein und -bleiben in der Welt. Die „Winterreise“ zählt zu den meistgespielten Stücken der Autorin. Für Stefan Bachmanns Burgtheater-Inszenierung fertigte Olaf Altmann eine beeindruckende Skipiste ohne Schnee an.

Fräulein Smillas Gespür für Schnee von Peter Høeg

Ihrer Heimat Grönland fühlt sich Fräulein Smilla nicht mehr verwurzelt und auch in der Stadt, in der sie jetzt lebt, bleibt sie eine Fremde. 2007 brachte Armin Petras den Besteller um die Hobby-Ermittlerin – geschrieben von Peter Høeg – im Hamburger Thalia Theater auf die Bühne. „Eines kann man unter anderem vom Schnee lernen: dass man die großen Kräfte und Katastrophen immer im Kleinformat im Alltag wiederfindet“, heißt es in der Romanvorlage. 

Die Frau vom Meer von Henrik Ibsen

Ellida Wangel lebt als Frau eines Arztes in einem kleinen norwegischen Dorf. Sie träumt davon, frei im Meer zu leben, wie eine Robbe. Täglich schwimmt sie im Fjord, aber ihre Sehnsucht nach dem Meer kann dadurch nicht gestillt werden. Henrik Ibsen schrieb „Die Frau vom Meer“ im Jahr 1888 als seine ganz persönliche Variante der Sage von der Robbenfrau, die an Land fast zugrunde geht, bis sie schließlich doch wieder in die Freiheit flieht. Wenn man möchte, kann man das Stück als Plädoyer gegen das Frauenbild zur Zeit Ibsens lesen.

Die Räuber von Friedrich Schiller

Winter, Schnee und Eis sucht man in Schillers 1782 uraufgeführtem Stück zwar vergeblich, dafür begegnet einem eine große Ladung emotionaler Kälte. Verkörpert wird diese vor allem von Karl Moor, dessen Neid auf seinen Bruder Franz nach einiger Zeit in blinden Hass umschlägt. Er geht sogar so weit, dass er alles „was mich einschränkt, dass ich nicht Herr bin“ ausrotten will. Am 13. Januar 1782 wurde das Stück am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt und löste einen Skandal aus.

pool (no water) von Mark Ravenhill

Schon der Titel des 2006 uraufgeführten Stückes des britischen Dramatikers Mark Ravenhill lässt vermuten, dass die erhoffte Abkühlung leider nicht eintritt. Ganz im Gegenteil, denn Ravenhills Figur, Mitglied einer Künstlergruppe, landet nicht im erfrischenden Nass, sondern in einem leeren Pool – und wird daraufhin selbst zum Kunstobjekt. Zu seinem Stück ließ sich Ravenhill von der amerikanischen Fotografin Nan Goldin inspirieren, die beim Fotografieren einmal selbst in einen leeren Pool fiel.

Für immer ganz oben von David Foster Wallace

Das Schwimmbad spielt in der 2008 veröffentlichten Kurzgeschichte von David Foster Wallace, die vom Gedankenstrom eines Jungen an seinem 13. Geburtstag handelt, eigentlich eine Nebenrolle. In der Inszenierung des Münchner Volkstheaters im Jahr 2016 sah die Sache etwas anders aus: Abdullah Kenan Karaca inszenierte die Coming of Age-Geschichte im Volksbad in München. Zu Beginn stand der Hauptdarsteller auf einer Empore über dem Schwimmbecken, während unten der Münchner Knabenchor planschte.

Das weiße Dorf von Teresa Dopler

Ein Kreuzfahrtschiff wird in Teresa Doplers Dialogstück „Das weiße Dorf“ zum Schauplatz des Aufeinandertreffens eines ehemaligen Liebespaares. Im Gespräch miteinander schippern sie durch ihr bisheriges Leben und schleifen dabei so lange Ecken und Kanten weg, bis ihre Oberfläche jener einer Teflon-Pfanne ähnelt. Die Wogen gehen zwar nicht hoch, doch der dahinplätschernde Dialog nimmt mit der Zeit immer beklemmendere Formen an.

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