Zu Besuch im Bauch des Theaters in der Josefstadt: Maler Oliver Schott & Markus Schmidel

Fast alles, was man auf der Bühne sieht, ist in der Josefstadt von Hand gemacht. Höchste Zeit, vier dafür Zuständige und ihren Chef vor den Vorhang zu holen. Zu Besuch im Bauch des Theaters – wo es nach Farbe, Holz und edlen Stoffen riecht.

Die Letzten im Prozess der Bearbeitung eines Bühnenbilds sind die Maler. „Der Korpus stammt von den anderen Abteilungen, unsere Arbeit ist die oben liegende Fläche, die nichts von dem verraten soll, was sich darunter verbirgt“, erklärt Oliver Schott. Er ist neben Markus Schmidel, der als stellvertretender Malersaal-Leiter auch die Qualität des Endprodukts kontrolliert, und Bernard Antl für die künstlerische Gestaltung der Bühnenbilder verantwortlich.

„Wir sind alle Künstler“, so Markus Schmidel, der die Theaterräumlichkeiten gemeinsam mit Bernard Antl, mit dem er das Künstlerkollektiv „Die Schichtarbeiter“ bildet, auch als Atelier nutzt. Die beiden stellten schon im Leopold Museum aus. Oliver Schott stammt aus München und hat den Beruf des Theatermalers tatsächlich erlernt. Eine entsprechende Lehrausbildung gibt es in Österreich nicht.

Markus Schmidel kam aufgrund seines Talents ins Theater in der Josefstadt. „Ich kam direkt von der Aufnahmeprüfung an der Angewandten, wo ich abgelehnt wurde“, erinnert er sich schmunzelnd. „Ich bin dann mit meiner Arbeitsmappe hier reinmarschiert, der damalige Werkstättenleiter meinte nur: ‚Malen können S’, wann können S’ anfangen?‘ Das ist 17 Jahre her.“ 14 bis 16 Produktionen pro Jahr müssen bewältigt werden. Zudem sind auch die Maler im Lauf des Prozesses immer wieder mit Änderungswünschen konfrontiert.

„Unsere Lieblingsproduktionen sind die, bei denen wir ganz klassisch als Maler gefordert sind“, sagt Markus Schmidel. „Wo ganze Welten entstehen können“, ergänzt Oliver Schott, „das ist natürlich im Abnehmen begriffen, weil die Digitaltechnik auch etwas von unserem Aufgabenbereich frisst. Aber zum Glück ist es noch sehr oft so, dass ureigenste theatermalerische Techniken gewünscht werden, die eine Maschine niemals ersetzen kann.“ Ein schönes Bild zu malen sei die höchste Form der Arbeit.

Zu Besuch im Bauch des Theaters in der Josefstadt: Oliver Schott & Markus Schmidel
Foto: Philipp Horak

„Der Grundbau ist immer aus Holz“, führt Markus Schmidel aus. „Wenn nun ein Bühnenbildner zu uns kommt und meint, er benötige eine Wand, die 200 Jahre alt aussehen soll, mit verrostetem Eisen, Wasserflecken und vergilbter, abgefuckter Patina, dann machen wir das Neue alt.“ Da hätten sich die Bühnenbilder in den letzten Jahrzehnten auch stark gewandelt, fährt Oliver Schott fort. „Früher wollte man häufig Glanz und Gloria, heute braucht man auch verschlissene Innenräume und trostlose Betonwände. Das entspricht der Art, die Realität nicht in beschönigter Form abzubilden.“

Sowohl Oliver Schott als auch Markus Schmidel gehen gern ins Theater; es sei doch wichtig, nicht nur aus einem Elfenbeinturm heraus zu produzieren. Hat eigentlich jeder Maler seine eigenen Pinsel? „Ja“, antwortet Markus Schmidel, „es gibt Pinsel, die über Jahre eingearbeitet wurden und bereits die Schrift des Malers übernommen haben. Es wird nicht gern gesehen, wenn ein anderer diese dann benutzt.“ Für eine mittelgroße Produktion werden übrigens rund 40 Liter Farbe verbraucht. „Also gar nicht so viel“, finden die Herren Schott und Schmidel. Und wer sollte es denn besser wissen als die beiden Profis?