Zum Inhalt springen

Seit 2003 führt Gratzer, 60, das Rabenhof Theater.

Seit 2003 führt Gratzer, 60, das Rabenhof Theater.
Bild: Rabenhof/Ingo Pertramer

„Den Wurschtl kann kaner daschlogen!“ Ein Monolog von Thomas Gratzer

Rabenhof Theater

Der Leiter des Rabenhof Theaters sagt Danke: Dem Publikum, den Künstler*innen und Kulturpolitiker*innen. Und freut sich auf das treue, liebende, theaterverrückte Publikum dieses Landes.

Seit eineinhalb Jahren wende ich mich am Beginn der Vorstellungen im Rabenhoftheater mit folgender Botschaft ans Publikum: ‚Danke für Ihr Kommen in diesen für uns alle herausfordernden Zeiten. Danke für Ihre Treue zur Livekultur, danke für Ihre Liebe zum Theater – danke, liebes Publikum!‘ (Applaus, Abgang, Start der Show.) Der Dank gebührt natürlich auch den Künstler*innen, dem technischen Personal und den administrativen Mitarbeiter*innen aller Spielstätten dieses Landes für ihr Durchhalten. Die nervige Mühsal der tagtäglichen – wenn auch notwendigen – Testungen, der permanenten Spielplan-Adaptionen, Umbesetzungsproben, der Stress der Mitarbeiter*innen an den Kassen, in den Betriebsbüros und in den Dispo-Abteilungen.

Das tägliche Zittern, ob die geplanten Veranstaltungen überhaupt stattfinden können, ob der ‚Fetzn‘ hochgehen kann, damit das Publikum nicht enttäuscht wird und ein geschlossenes Haus vorfindet. Generell Verunsicherung und Erschöpfung in allen Bereichen. Und dann noch das allabendliche ‚Kontrollregime‘ in den Häusern, erhöhte Kosten, Mehraufwand, äußerst geringe Einnahmen.

In vielen anderen Bereichen der österreichischen Gesellschaft hat es bei weitem kein solches Verantwortungsbewusstsein gegeben wie in den Kulturstätten dieses Landes. Ja, wir waren alle ziemlich gut in den vergangenen zwei Jahren, die Künstler*innen wie die Mitarbeiter*innen: Wir haben Online-Sonderformate erfunden, waren im linearen TV präsent, haben Radioformate entwickelt, damit die Livekultur auch in den Lockdowns zwischen Netflix-Abos, Social-Media-Kanälen und tagtäglichen Horrormeldungen in den Nachrichtensendungen nicht in Vergessenheit gerät. Damit das Theater als Sehnsuchtsort und Energietankstelle in den Herzen und Hirnen des Publikums erhalten bleibt.

Danke aber auch – obwohl das in unserer Branche eher unüblich ist – den verantwortungsbewussten Kulturpolitiker*innen und den Kulturbeamt*innen, die für unsere Sache gekämpft haben und weiterkämpfen. Vor allem aber: ‚Danke, liebes Publikum! Es ist nicht selbstverständlich, sich mit einer FFP2-Maske ins Theater zu setzen, mit verschärften Einlasskontrollen, äußerst eingeschränkter Gastronomie, oft ohne Pause.‘ Es ist noch nicht vorbei, jetzt ist auch noch Krieg in Europa, auch nicht gerade ein Kassenknüller, aber man spürt zumindest schon ein wenig Licht am Ende des Tunnels, spürt eine Ahnung von einer möglichen echten ‚Normalität‘ – spürt bei Premieren und Vorstellungen ein enthusiastisches Feuer im Zuschauerraum.

Wir werden alle mit unserer Kreativität und mit unseren großartigen, wunderbaren Künstler*innen und Mitarbeiter*innen das treue, liebende, theaterverrückte Publikum dieses Landes wieder zurückgewinnen, und unsere Häuser werden wieder voll sein, denn, um ein legendäres Wienerlied aus den harten Nachkriegsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu zitieren: „Den Wurschtl kann kaner daschlogen“.

So wird der Mai: rabenhoftheater.at

  • Der Herr Karl 

Der Volksschauspieler und Kabarettstar Andreas Vitásek begibt sich in die ultimative Horror-Show der österreichischen Grauslichkeiten. Merz’/Qualtingers Klassiker österreichischer Theaterliteratur aktuell wie bei der Uraufführung! 18., 19. Mai 2022

Bild: Valerie Loudon
  • Thomas Bernhard Machine 

Christoph Grissemann hat eine Band gegründet und nimmt sich mit ihr den österreichischen Kultautor vor. Riecht nach Hit – ist es auch! 25. Mai 2022

Bild: Gregor Reumueller
  • Ludwig Hirsch: Happy End

Publikum und Kritik feierten gleichermaßen – nach den Erfolgsshows zu André Heller und Georg Danzer – auch diese musiktheatralische Revue über den schwärzesten aller Austropopper. 28. Mai 2022

Zur Person: Thomas Gratzer, 60

Seit 2003 führt Gratzer das Rabenhof Theater und machte es zu „der“ Wiener Volksbühne. Der gebürtige Kremser spielte selbst erfolgreich Theater (u. a. wurde er von Otto Schenk an die Josefstadt geholt). Gratzer gibt u. a. Grissemann & Stermann eine Theaterheimat im Rabenhof.

Redaktion
Autor
Mehr zum Thema
  • 4 Fragen an Roman Senkl
    In „Solaris“ wird der Psychologe Kris Kelvin auf einen Planeten geschickt, der Lebewesen...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Ringel, Ringel, Reigen
    Im „Reigen“ drückt Arthur Schnitzler dem Publikum die Lupe in die Hand und lässt es...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Erinnern statt Verdrängen
    Der Roman „Die letzten Tage“ beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der NS-Zeit rund um...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Steter Sehnsuchtsort
    Julia Stemberger spielt seit 2008 regelmäßig in Reichenau und wurde in dieser Zeit so etwas wie...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Entdeckungsreise ins Ich. Schauspielerei bedeutet für Johanna Mahaffy auch, möglichst viele Facetten der eigenen Persönlichkeit kennenzulernen.
    Zwischenwelt
    Es gibt kaum einen Zwischenraum, den Leo Tolstoi in seinem monumentalen Werk „Krieg und...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Glückliche Heimkehr
    Als Harras in Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ erlebte Stefan Jürgens nach vielen...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • 20 Jahre in 2 Stunden
    Alle einsteigen, bitte! Am 27. Juni blickt das Ensemble mit der Theaterrevue „Station...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Theater ohne Auffangnetz
    Stefan Zweigs Novelle „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“ ist eine Geschichte über den...
    Von Sarah Wetzlmayr
  • Theater ist ein One-Taker
    Kristina Sprenger über Theater im Sommer, gesellschaftliche Verantwortung und die Unsterblichkeit...
    Von Atha Athanasiadis
1 / 12