Das Burgtheater zeigt Richard II. in Bregenz

Es ist ein Glück im Unglück, dass in Vorarlberg vor Publikum gespielt werden darf. Für das Burgtheater ist es außerdem eine Chance, Richard II. endlich zeigen zu können. Und zwar als Vorpremiere.

von Sarah Wetzlmayr, 16. April 2021

Das Burgtheater zeigt Richard II. in Bregenz
Sarah Viktoria Frick als Henry Bolingbroke. Foto: Marcella Ruiz-Cruz

Am 17. und 18. April gastiert das Burgtheater-Ensemble mit William Shakespeares Richard II. in der Regie von Johan Simons im ausverkauften Festspielhaus in Bregenz. Es ist die Vorpremiere eines Stückes, von dem man hofft, es nach mehrmaligen Verschiebungen auch bald in Wien zeigen zu können. Nun aber erstmal in Bregenz, weil dort, im Gegensatz zum Rest Österreichs, Vorstellungen vor Publikum stattfinden können. Außerdem möchten Festspiel-Intendantin Elisabeth Sobotka und Burgtheater-Direktor Martin Kušej damit den Startpunkt für eine längerfristige Kooperation setzen.

Als Bundestheater habe des Burgtheater das klare Ziel, auch immer wieder außerhalb Wiens erlebbar zu sein, betont Burgtheater-Direktor Martin Kušej. „Natürlich hoffen wir, dass wir im Mai, Juni auch in Wien wieder ins Theater einladen können. Um Richard II. allen zugänglich zu machen, werden wir ansonsten ein besonderes Streaming aus dem Burgtheater zeigen“, so Kušej.

„Partykönig“ Richard II.

Etwas mehr als 30 Personen umfasst die Burgtheater-Truppe, die sich für die Voraufführung von Richard II. auf den Weg nach Vorarlberg gemacht hat. Auch Johan Simons wird anwesend sein und die Proben vor Ort selbst leiten. In seiner Inszenierung des selten gespielten Stückes liegt der Fokus unter anderem auf Shakespeares Frauenbild. So übernimmt Sarah Viktoria Frick die Rolle Henry Bolingbrokes und Stacyian Jackson bekommt als Königin Isabel deutlich mehr Text.

Weiterhin bedeutsam ist natürlich auch die Rolle des „Partykönigs“ Richard II., der bereits im Alter von zehn Jahren auf den Thron klettern musste. „Richard II. weiß überhaupt nicht, wie es ist, kein König zu sein. Das ist sein Problem. Er hat sich nicht als eigenständiger Mensch entwickelt, sondern als König. Und wenn ihm am Ende gesagt wird, dass er nicht mehr König ist, dauert es sehr lang, bis er das versteht; schließlich bleibt ihm nichts als aufzugeben“, fasst Johan Simons im APA-Interview die Psyche seines Protagonisten zusammen.

Leichtigkeit mit Tiefe

Besetzt hat er die Rolle mit Jan Bülow, der seit der Spielzeit 2019/20 zum Ensemble des Burgtheaters gehört. Vor seinem Engagement am Burgtheater sorgte er vor allem mit seiner Verkörperung Udo Lindenbergs im Spielfilm „Lindenberg! Mach dein Ding“ für Aufsehen. „Jan Bülow hat eine Leichtigkeit, unter der eine Tiefe steckt, die er selbst mitbringt”, sagt Simons. An den Stücken Shakespeares findet Jan Bülow besonders schön, dass man sie in alle mög­lichen Richtungen auslegen kann. „Man hat das Gefühl, dass im Soziotop des königlichen Hofes das Schicksal der Welt entschieden wird. Des­wegen ­ergibt sich daraus auch so ein guter Theater­stoff. Auf das Publikum wirkt es bestenfalls so, das in diesen vier Wänden die Welt untergeht. Und wenn das Theater zusammenkracht, ist alles vorbei“, erklärt der Schauspieler im BÜHNE-Interview.

Johan Simons bleibt in seiner Inszenierung zwar nahe an der Übersetzung von Thomas Brasch, hat ganze Textteile aber Richards Ehefrau, Königin Isabel, in den Mund gelegt. „Shakespeares Text bildet das damalige Frauenbild ab. Das finde ich nicht heutig. Und deswegen haben wir Stacyian mehr Text gegeben, damit sie mehr als Antreiberin Richards wirkt, damit sie eine größere politische Funktion bekommt”, so Johan Simons im APA-Interview.

Jan Bülow (Richard II.) und Sarah Viktoria Frick (Henry Bolingbroke) in Johan Simons Inszenierung von Shakespeares Richard II. am Burgtheater. Foto: Marcella Ruiz-Cruz

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Probeneinblicke und ein Interview mit Jan Bülow finden Sie auf der Website des Burgtheater