Andy Hallwaxx, wie macht man eigentlich Oper für Kinder?

Schauspieler und Regisseur Andy Hallwaxx erklärte der BÜHNE am Beispiel des „Barbier von Sevilla“, wie man es vermeidet, Kinder zu langweilen.

von Atha Athanasiadis, 8. Januar 2021

Andy Hallwaxx, wie macht man eigentlich Oper für Kinder?
Andy Hallwaxx im mittlerweile geschlossenen Foyer des Bellaria Kinos in Wien-Neubau. Foto: Lalo Lucia Jodlbauer

Er ist im Burgenland geboren, hat Friseur gelernt und flog einen Tag nach seiner Meisterprüfung nach Amerika. Dort wurde Andy Hallwaxx Statist an der New Yorker Metropolitan Opera und wusste „ab diesem Zeitpunkt, dass das mein Leben ist“. Wieder in Wien, spielte er kurz dar­auf über 2.500 Vorstellungen am MOKI-­Kindertheater. Er wurde Ensemble­mitglied am Volkstheater, spielte in Berlin und Dresden und gründete seine eigene Kompanie. Er wurde Regisseur und gilt neben Werner Sobotka als einer der erfolgreichsten Operetten- und Komödienregisseure des Landes. Dazu spielt er Oper für Kinder. Jetzt hat ihn Bogdan Roščić an die Wiener Staatsoper geholt – als Erzähler in Gioachino Rossinis „Il barbiere di Siviglia“.

In rund einer Stunde (ohne Pause) wird die Geschichte des ebenso listigen wie großmäuligen Barbiers Figaro erzählt, der den ältlichen Dr. Bartolo auszutricksen und das Liebespaar Almaviva und Rosina zusammenzubringen versucht. Die Premiere wurde aufgrund der Corona-Maßnahmen verschoben. Die BÜHNE hat Multitalent Andy Hallwaxx dennoch zu einem pandemiesicheren Interviewspaziergang im Wiener Stadtpark getroffen und mit ihm über das Stück und Oper für Kinder gesprochen. 

Andy Hallwaxx im Wiener Stadtpark. Pandemie-bedingt wurde das BÜHNE-Interview im Freien geführt. Foto: Nicole Schneeberger

Worin sind sich der Beruf des Friseurs und der des Regisseurs ähnlich?

Waschen, legen, föhnen muss man auch auf die Bühne umlegen können. Es muss praktisch sein, weil sonst wird man nicht fertig. Beim Theater treffen viele Charaktere zusammen. Ich versuche alle zu verstehen, aber trotzdem zwinge ich ihnen dann am Ende meine Frisur auf. (Lacht.) Aber das muss man mit viel Gespür machen.

Wie wird der „Kinder-Barbier“?

Ich durfte den Text selber schreiben. Das Original ist ja in Reimform, und in dieser Form kann man nicht direkt mit dem Publikum kommunizieren – was ich aber tun werde. Dazu sieht man die Kulisse von Sevilla als Bühnenbild, und hinter jedem Buchstaben verbirgt sich ein Spielort; zwischen den Szenen fang ich an zu erzählen. Das Tollste: Die Oper findet auf der großen Bühne statt. Allein dieser Raum ist ja schon ein Erlebnis für sich.

Wie würden Sie einem Kind erzählen, warum es sich das Stück anschauen soll?

Es ist super, weil es Spaß machen wird. (Lacht.) Kinder finden Oper vom Start weg ein wenig komisch, weil dort alles gesungen wird. Wenn man ihnen aber eine Geschichte erzählt und es ihnen erklärt, dann sehe ich, wie nicht nur die Augen der Kinder groß werden, sondern auch die der Erwachsenen. Man glaubt ja, dass man den Inhalt vom „Barbier“ kennt, aber wenn man schnell fragt, weiß das niemand. Es wird in Deutsch gesungen, das hilft. Und meine Figur ist dazu da, Klarheit in die Handlung zu bringen. 

Sie inszenieren sonst selber. Wie ist das, wenn Sie plötzlich jemanden vor sich haben, der sagt, wo es langgeht? 

Ich hatte Angst davor, weil ich in den vergangenen Jahren immer nur als Regisseur gearbeitet und mich auch in meinen ­Solostücken selber ­inszeniert habe. Dieses Mal bin ich sowohl Autor als auch Darsteller – und ­dazwischen liegt jetzt ein Regis­seur. Aber die Angst war ­unbegründet. Ich habe ja bereits mit Sergio Morabito, dem Drama­turgen, sehr eng den Text ­erarbeitet und auch den Regis­seur kennengelernt. Ein wunderbarer Mensch.

Wie schreibt man für Kinder?

Wie für Erwachsene – nur ohne ordinär zu werden. Ich habe schon „La Traviata“ für Kinder gemacht. Da habe ich ihnen gesagt, die Hauptdarstellerin ist eine Lebedame, und die stirbt am Schluss. Kinder nehmen das. Man kann Kindern sehr viel zumuten, wenn man den richtigen Ton trifft.

Wie spielt man für Kinder?

Man muss immer dranbleiben. Spannung nachlassen geht gar nicht. Man darf sie in keinster Form langweilen, da kann man dabei auch sehr leise Töne anschlagen – aber immer mit Spannung. Bei Erwachsenen sollte man das auch machen, aber im ­Gegensatz zu Kindern bleiben die halt ruhig am Sessel sitzen – aber oftmals nicht weil sie gefesselt sind, sondern aus Höflichkeit. Kinder sind aber nicht höflich, was das Theater ­betrifft. Dafür belohnen sie einen mit mehr Begeisterung, wenn ihnen etwas ­gefällt.  Und das macht es so wunderbar, für sie zu spielen.

Sie haben als Friseur begonnen, stehen jetzt auf der Bühne der Staatsoper. Wohin geht die Reise?

Keine Ahnung, ich mache keine Pläne. Ich bin immer positiv, denn ich weiß, dass ich fahre. Der Rest ist Überraschung.

Zur Person: Andy Hallwaxx

Eigentlich hätte er den Friseursalon seiner ­Großeltern im Burgenland übernehmen sollen – stattdessen wurde er einer der erfolgreichsten Komödien- und Operetten­regisseure. Nebenbei spielt er im Musikverein Stücke für ­Kinder. Hallwaxx feierte heuer sein 21-jähriges ­Jubiläum als Kindertheatermacher.

Aktualisierungen zu „Der Barbier für Kinder“ finden Sie hier.

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