In der Kostümwerkstatt des „Jedermann“

Die Kostüme der diesjährigen Inszenierung des „Jedermann" sind zwischen Renaissance, Barock und dem 21. Jahrhundert angesiedelt. Lars Eidinger wünschte sich unter anderem einen Fatsuit.

von Redaktion, 15. Juli 2021

In der Kostümwerkstatt des „Jedermann“
Rund 6000 Stunden Arbeit stecken in den Kostümen des Jedermann. Foto: Matthias Horn

Ist die Frage nach der Besetzung der Buhlschaft beantwortet, bedeutet das noch lange nicht, dass damit alles gesagt und die Neugier der Menschen vollständig gestillt ist. Je näher die Salzburger Festspiele rücken, desto häufiger geht es nämlich darum, was die Buhlschaft, in diesem Jahr gespielt von Verena Altenberger, auf der Bühne tragen wird. Zur Gänze konnte diese Frage bei der Präsentation der diesjährigen Kostüme für den „Jedermann“ noch nicht beantwortet werden. Einen kleinen Hinweis ließ sich Kostümbildnerin Renate Martin jedoch entlocken: „Sie trägt einen Hosenanzug.“ Es sei der Schauspielerin wichtig gewesen, die Buhlschaft ins 21. Jahrhundert zu holen. „Sie sollte kein Mieder oder Ähnliches bekommen, die Frau einzuengen ist einfach nicht zeitgemäß“, ergänzt Martin.

Foto: SF/Anne Zeuner

Jedermann im Fatsuit

Jedermann Lars Eidinger wurde der von ihm gewünschte Fatsuit – als Inbegriff des reichen Mannes – auf den Leib geschneidert. Für Renate Martin ein sehr schlüssiger Wunsch. Im Sinne eines typischen Renaissance-Kostüms hat sie Rock, Schaube und Weste für den Schauspieler entworfen. Der unfertige Charakter des Kostüms sei daran besonders reizvoll, betont Kostüm-Direktor Jan Meier. Auf der Bühne verhalte es sich wie eine schwabbelige Haut. Ein weiteres Kostüm des Jedermann, eine goldene Hose, verbindet die siebziger Jahre mit der Renaissance. „Die Hose muss einiges auf der Bühne durchhalten“, erklärt Schauspiel-Leiterin Bettina Hering.

Foto: SF/Anne Zeuner

Der Teufel trägt Hufschuhe

Der Tod, gespielt von Edith Clever, tritt in Michael Sturmingers Inszenierung nicht nur in einem schwarzen, sondern auch in einem weißen Kostüm auf. Denn erst seit dem 18. Jahrhundert stellt man den Tod schwarz dar, erklärt Renate Martin. Insgesamt lag die Konzentration darauf, das Kostüm eher schlicht zu halten, es gleichzeitig aber mit einer gewissen Strenge zu versehen. „Edith Clever braucht keine Sense oder Skelett, um den Tod zu verkörpern“, bringt es die Kostümbildnerin auf den Punkt.

Foto: SF/Anne Zeuner

Burgtheater-Ensemblemitglied Mavie Hörbiger wird in Hofmannsthals Stück als Gott und als Teufel auftreten. In der Rolle des Gottes trägt sie eine fünf Kilo schwere graue Perücke mit 1,10 Meter langem Kunsthaar. Allein das Ausbürsten der Perücke nach dem Auftritt dauere eine ganze Stunde, sagt Jan Meier. Ihre Schuhe als Teufel sind echte Hufschuhe, ergänzt Renate Martin. Geht es nach der Kostümbildnerin sei der spannendste Moment bei einem solch außergewöhnlichen Teil immer die Anprobe. „Ich wusste, dass dieser Schuh für Mavie perfekt ist und sie kann auch toll mit ihm spielen.“

Rund 6000 bis 7000 Stunden Arbeit stecken in den Kostümen für den „Jedermann“. 90 Prozent der Kostüme sind direkte in Werkstätten in Salzburg entstanden, in Schneidereien, Weißnähereien, Färbereien, Kostümmalereien, bei Modisten und in Schuhmachereien. Dabei achtete man vor allem darauf, Stoffe zu verwenden, die eher transparent und leicht sind. „Und zwischen Renaissance, Barock und dem 21. Jahrhundert eingeordnet werden können“, sagt Renate Martin. Außerdem sind alle Kostüme genderfluid, lassen sich also weder als „typisch männlich“ noch als „typisch weiblich“ beschreiben.  

Foto: SF/Anne Zeuner

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