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Julya Rabinowich ist eine österreichische Schriftstellerin, Dramatikerin, Kolumnistin, Malerin, Übersetzerin.

Julya Rabinowich ist eine österreichische Schriftstellerin, Dramatikerin, Kolumnistin, Malerin, Übersetzerin.
Foto: Michael Mazohl

Freibrief von Julya Rabinowich: Die Nachhal(l)tigen

Kolumne

Manches an Österreich kann man nicht verstehen. Manches an Österreich muss man fühlen. Dann kann man es immer noch nicht verstehen, schreibt Julya Rabinowich in ihrer neuen Kolumne.

Die Faszination für die Habsburger beispielsweise. Also: die Habsburger. Ein österreichisches Kulturprodukt der Sonderklasse. Starallüren, Drama, Skandale: alles vorhanden. Die Show lief wirklich, wirklich lange und füllte Bücher, Filme, Köpfe. Ein jahrhundertelanger Hype, von dem die weniger nachhaltigen Stars und Sternchen der modernen Zeiten nur zu träumen wagen. Und Austria war felix und liebte.

Und der Zuckerbäcker namens Zauner war gut gefüllt und füllte gut. Und man füllte und fühlte sich ein gleich auch ein bisschen kaiserlich, jede und jeder, der dort heutzutage seine Lotterloge einnahm und sich Kaisergugelhupf, Kaisersemmel, den fluffig landbedeckenden Kaiserschmarren und anderes ehemalig Elitäres zu Gemüte führte. Endlich Teil einer Dynastie! Wenn auch nur in kulinarischer Teilzeit, ja, eher Gleitzeit, denn so schnell man sich dort niedergelassen hat, so schnell rückten ganze Horden von weiteren Kaiserliebenden nach und die circa fünfzig Minuten Ruhm waren wieder vorüber, immerhin mindestens das Dreifache von Andy Warhol. Oh ja, auch die Verfasserin dieser Zeilen fand sich übrigens verlässlich im Zauner wieder. Österreich liebt eben Zuckerguss. Nicht nur beim Punschkrapferl!

Und die Habsburger waren nicht weniger als „the icing of the austrian cake“. So imperial betrachtet. Und nun, nach Maria Theresia und ihren Reformen, der Sisi, die einfach der weibliche Mick Jagger der Monarchiesüchtigen ist, Sterne im Haar und Star von Kopf bis Fuß, Stardust de luxe, nach Franz Josephs sinnlichen Sommern in Bad Ischl, nach all den Palästen und Roben und Bällen, den Intrigen, den Hierarchien, all den Geheimräten und den Geliebten fragt man sich: Warum bis heute so eine Anhänglichkeit von Sentimentalitäten aller Art, von inspirierter Kunst und Kultur bis hin zum Gebackenen?

Wer Stars nachhängt, will nur ein wenig den Traum mimikry der Berühmten und Mächtigeren träumen, aus unterschiedlichsten Gründen, von geschäftlichen bis solchen, die beispielsweise in „The Purple Rose of Cairo“ eine Hauptrolle spielen, der Tristesse des eigenen Seins, die Sisi mit etwas auf die von der Realität gesalzenen Wunden gehauchten Sternenstaub heilen soll. Wer nicht dazugehört, will wenigstens irgendwie dabei sein. Als kulturelle Teilhabe. Das führt mitunter zu erstaunlicher Mimikry unter Zugewanderten, die sich hier in felix Austria hemmungslos weitervermehren. Also, bevor hier virtuelle Wellen hochgehen, sei gleich an Ort und Stelle hochoffiziell festgehalten:

Gemeint ist in diesem Fall nur meine eigene Familie, an der nichts und niemand autochthon war, bevor meine Schwester mitten in das Wiener Leben hineingeboren wurde. Meine Schwester bediente sämtliche touristische Vorurteile historischen Autochthonen gegenüber, war blauäugig, goldlockig sowie mit einem sehr, sehr langen Gesicht ausgestattet und als sie mit ihren Erziehungsberechtigten an der Statue Maria Theresias zwischen den beiden Museumsgebäuden spielte, wurde sie nicht nur einmal von Touristen fotografiert, begleitet von entzückten Ausrufen, von denen einer besonders schön in Erinnerung blieb: „Das ist aber ein SO habsburgerisches Kind!“

Fake, Baby. Fake.

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