Wie Theater den Klimawandel begreifbar machen kann

Das Stück „Zoes sonderbare Reise durch die Zeit" beschäftigt sich mit der Zukunft unseres Planeten. Wir haben mit Fridays for Future-Aktivistin Magdalena Frauenberger über die Bedeutung von Theater in diesem Zusammenhang gesprochen.

Ab 13. November ist im Akademietheater das Familienstück „Zoes sonderbare Reise durch die Zeit“ zu sehen, das sich mit der Zukunft unseres Planeten beschäftigt. Im Stück, das Regisseurin und Puppenspielerin Sue Buckmaster gemeinsam mit dem Ensemble entwickelt hat, dreht sich alles um eine Plastik-Insel, auf der eine junge Frau namens Zoe plötzlich landet. Gespielt wird Zoe von Burgtheater-Ensemblemitglied Safira Robens. Das Stück ist für alle ab sechs Jahren geeignet und soll auch dazu beitragen, dass ältere und jüngere Generationen miteinander über den Klimawandel und seine Folgen sprechen. Wie wichtig es ist, diese Lücke zwischen den Generationen zu schließen, weiß auch Fridays for Future-Aktivistin Magdalena Frauenberger. Künstlerischen Ausdrucksformen wie dem Theater weist sie in diesem Zusammenhang einen wichtigen Stellenwert zu.

BÜHNE: Wie hat sich Fridays for Future in Wien und unter den nicht gerade einfachen Umständen der Corona-Pandemie entwickelt?

Magdalena Frauenberger: Die Großstreiks zu Beginn waren einfach unglaublich. Da war so eine Kraft dahinter, man hat gespürt, dass sich wirklich etwas tut. Natürlich gab es auch Stimmen, die meinten, dass die Kinder lieber in die Schule gehen sollten, anstatt auf der Straße zu demonstrieren. Trotzdem haben in sehr kurzer Zeit viele Menschen verstanden, dass es ein wichtiges Thema ist.

Durch die Pandemie waren wir natürlich mit einigen Herausforderungen konfrontiert, aber zu diesem Zeitpunkt wussten viele Menschen schon, worum es Fridays for Future geht. Beim letzten großen Weltklimastreik haben wir gesehen, dass diese Kraft immer noch da ist. Insgesamt würde ich schon sagen, dass Fridays for Future eine gern gesehene Bewegung geworden ist. Wir werden zu Podiumsdiskussionen eingeladen und es entstehen fortlaufend neue Allianzen, erst kürzlich CEOs for Future zum Beispiel.

Das klingt auch ein bisschen nach einer Überwindung der Generationenlücke. Ist das so?

Der Generationenkonflikt ist schon immer noch ein großes Thema. Das liegt vor allem daran, dass die junge Generation von der Klimakrise am meisten betroffen sein wird, aber nicht am politischen Hebel sitzt, um wirklich Schritte zu setzen und die Weichen stellen zu können.

Teele Uustani, Maximilian Tröbinger, Safira Robens, Dorothee Hartinger, Wolfram Rupperti in „Zoes sonderbare Reise durch Zeit". Foto: Susanne Hassler-Smith

Kannst Du das ein bisschen genauer erklären?

Es gibt durchaus Politiker*innen, die sich der Problematik zwar bewusst sind, das Thema aber noch nicht emotional verstanden haben, weil sie die Zukunftsängste nicht auf jene Weise spüren, wie das bei jungen Menschen der Fall ist. Deshalb sind jüngere Menschen auch eher gewillt, kräftige Taten zu setzen. Was die Entscheidungskraft angeht, habe ich leider nicht das Gefühl, dass die Politik uns junge Menschen tatsächlich miteinbeziehen möchte. Man hört uns zwar gerne an, kommt zu Gesprächen mit uns und hört uns zu, aber wenn es um konkrete Entscheidungen geht, habe ich nicht den Eindruck, dass wir wirklich eine Rolle spielen. Und das bringt auch den Konflikt mit sich, dass sich auch manche jungen Menschen fragen, was das Ganze bringt. Das ist natürlich sehr schade und ein Problem, das man angehen muss.

Welche Rolle können Kunst und Kultur in diesem Zusammenhang spielen?

Eine sehr wichtige, weil das Thema dadurch auf einer emotionalen Ebene verhandelt wird. Man kann sich eher damit identifizieren, wenn man auf der Bühne jemanden sieht, der über diese Dinge spricht. Viele Menschen haben das Thema schon rational verstanden, sind sich aber der Auswirkungen trotzdem nicht bewusst. Wobei es natürlich auch wichtig ist, die Fakten auf den Tisch zu legen. Aber ich habe unter anderem bei mir selbst bemerkt, dass, sobald man etwas auch emotional verstanden hat, man eher bereit ist, etwas zu verändern und auf die Straße zu gehen.

Also würdest Du insgesamt eine positive Bilanz ziehen?

Uns jungen Menschen wird definitiv mehr Gehör geschenkt als früher. Das hat mit Sicherheit auch damit zu tun, dass Fridays for Future eine weltweite Bewegung geworden ist. Wir haben es geschafft, die Menschen zuerst zu entsetzen, dann haben wir sie dazu gebracht, dass sie genauer hinschauen. Insgesamt würde ich mir wünschen, dass man uns nicht nur gerne zuhört, sondern uns auch zutraut, Entscheidungen zu treffen. Oder unsere Arbeit zumindest mehr in die Entscheidungsprozesse einfließen lässt als das bisher der Fall war.

Habt ihr euch als Bewegung bestimmte Ziele für die Zukunft gesetzt?

Wir müssen uns an die Umstände anpassen und aktuelle Entwicklungen beobachten. Insgesamt muss unser Ziel sein, dass wir nicht lockerlassen. Das könnte jetzt so ein Moment sein, in dem sich viele Menschen denken, dass wir aufgrund der aktuellen Situation Ruhe geben. Doch das ist mit Sicherheit nicht der Fall!

Ein anderer schöner Effekt ist, dass durch Fridays for Future auch innerhalb der Familien mehr über das Thema diskutiert wird. Ich habe erst vor kurzem mit meinem Großvater über den Klimastreik gesprochen. Es ist schön zu beobachten, dass Fridays for Future das Thema auf den Familientisch gebracht hat.

Wie viel Platz nimmt Fridays for Future in Deinem Leben ein?

Am Anfang hatte ich gar nicht so richtig am Schirm, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt. Aber es ist schön, sich mit Menschen unterhalten zu können, die das gleiche Problem sehen. Dann macht man es gerne. Die Gemeinschaft spornt einen einerseits an, fängt einen aber auch auf, wenn es einem einmal nicht so gut geht.

Zur Person: Magdalena Frauenberger

studiert Publizistik und Politikwissenschaft in Wien und engagiert sich seit etwas weniger als einem Jahr bei Fridays for Future Austria. Die 21-Jährige ist auch schauspielerisch aktiv. Sie wirkte bereits bei Theaterproduktionen wie auch in Filmen und Fernsehserien mit. 

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