Zum Inhalt springen

In der Mitte des Klanges: Anja Bihlmaier dirigiert zur Zeit an der Wiener Volksoper die Zauberflöte.

In der Mitte des Klanges: Anja Bihlmaier dirigiert zur Zeit an der Wiener Volksoper die Zauberflöte.
Foto: Nikolaj Lund

„Manche möchten schneller sterben oder länger lieben“

Volksoper Wien

Anja Bihlmaier gilt als eine der bedeutendsten Dirigentinnen ihrer Generation. Wie magische, musikalische Momente ihre Technik zu dirigieren ändern können und wie man sich als Frau im Klassikbetrieb durchsetzt, erzählte sie der BÜHNE.

Wie funktioniert dirigieren? Worauf kommt es im Zusammenspiel mit den Musikerinnen und Musikern an? Und warum gibt es auch heute noch viel weniger Dirigentinnen als Dirigenten? Im Moment gibt es kaum eine bessere Gesprächspartnerin zu diesen Fragen als Anja Bihlmaier. Sie ist eine der bedeutendsten deutschen Dirigentinnen ihrer Generation. Sowohl im Bereich Oper als auch in der nationalen und internationalen sinfonischen Konzertlandschaft feierte sie in den vergangenen Jahren große Erfolge. Ab Sommer 2021 ist sie Chefdirigentin des Residentie Orkest Den Haag. Seit August 2020 ist sie erste Gastdirigentin der Sinfonia Lahti, Finnland.

Zur Zeit dirigiert sie Mozarts Zauberflöte an der Wiener Volksoper. Die BÜHNE traf die 42-Jährigen in einer Probenpause und sprach mit ihr über Mozarts Magie, Proben, die sich wie ein Date anfühlen, Dirigentinnen-Quoten und die körperlichen und mentalen Strapazen des Dirigierens.

Sie haben in den vergangenen Jahren mit wahnsinnig vielen Orchestern und Sängern zusammengearbeitet. Wie ist das, wenn man als Dirigentin das erste Mal die Musikerinnen und Musiker tritt?

Anja Bihlmaier: Es ist wie ein Date. Da ist Vorfreude, man ist gespannt. Aber man bekommt meistens schon nach ein paar Minuten gemeinsamen Musizierens ein Gefühl füreinander. Für mich ist das immer sehr beglückend.

Aber ein Date kann ja auch schief gehen?

Anja Bihlmaier: Ja, schon. Aber ich habe glücklicherweise erst einen schwierigen Moment erlebt. Das war in Sizilien und dort fehlte mir die Disziplin im Orchester. Das war auch das einzige Mal, bei dem ich den Eindruck habe, dass die Musiker nicht daran gewöhnt waren, von einer Frau dirigiert zu werden. Und es war auch das erste und hoffentlich letzte Mal, dass ich eine Probe abgebrochen habe.

Julia Schilly
Autor
Mehr zum Thema
  • Volksoper
    Queer Twist
    Im Juni feiert die LGBTQIA+ Community Lebensfreude und Widerstand. Und in der Volksoper wirft...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • GRAFENEGG FESTIVAL
    Große Stimmen: Piotr Beczała
    Der Ausnahme-Tenor Piotr Beczała wird am 16. August in Grafenegg auftreten. Ein BÜHNE-Gespräch.
    Von Atha Athanasiadis
  • GRAFENEGG FESTIVAL
    Große Stimmen: Asmik Grigorian
    Sie hat die Opernwelt im Eiltempo erobert. Asmik Grigorian ist der Rockstar unter den großen...
    Von Atha Athanasiadis
  • Kammeroper
    Szenen zweier Ehen
    Brandbeschleuniger Eifersucht. In den Einaktern „Lady Magnesia“ und „Zweimal Alexander“...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Wiener Staatsoper
    Was ist für Sie schön?
    Sie ist erst 26 und bereits nah dran am Gipfel der Opernwelt: Die aserbaidschanische...
    Von Atha Athanasiadis
  • Wiener Staatsoper
    Opernperle
    George Bizets Frühwerk „Die Perlenfischer“ ist ein musikalisches Meisterwerk voll großer...
    Von Atha Athanasiadis
  • MusikTheater an der Wien
    Unbefugte Eifersucht
    Geistreicher Schachzug. Regisseur Vasily Barkhatov verlegt Verdis „Stiffelio“ zu den Amish...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • Volksoper
    Clemenza 4.0
    Die Milde als Machtmittel in einem System aus Korruption und Mord. Die Volksoper lässt ihr...
    Von Klaus Peter Vollmann
  • "Manon" in der Wiener Staatsoper.
    Wiener Staatsoper
    Stück in einer Minute: Manon
    Ein Leben in Luxus wünscht sich die junge Manon – und genau das wird ihr zum Verhängnis. Das...
    Von Theresa Steininger
1 / 12