Ildebrando D’Arcangelo – Eindruck durch Ausdruck

Der italienische Bariton ist bei den Salzburger Festspielen ein gern gehörter Gast. Heuer erfreut er seine Fangemeinde als Basilio in Gioachino Rossinis Opernkomödie „Il Barbiere di Siviglia“.

Ein Name wie eine Arie. Und nicht einmal der Fantasie eines Managers geschuldet, sondern seinen Eltern zu verdanken. 1969 in Pescara / Italien geboren und mit einer prächtigen Basso- cantabile-Stimme ausgestattet, studierte er ab 1985 Gesang, gewann vier Jahre später den renommierten Opernwettbewerb Toti Dal Monte – ein Erfolg, den er zwei Jahre später wiederholen konnte – und startete in eine bis heute anhaltende internationale Karriere.

Rund um den Erdball

Diese führte ihn an die bedeutendsten Opernhäuser der Welt – darunter das Royal Opera House, Covent Garden, die Pariser Operá, die Mailänder Scala, die Staatsoper Wien, die Metropolitan Opera in New York, das Teatro Real in Madrid oder die Berliner Staatsoper.

Er arbeitete mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Riccardo Muti, John Eliot Gardiner, Nikolaus Harnoncourt und Antonio Pappano. Und er sang so gut wie alle großen Partien seines Fachs: Von Mozarts „Figaro“, als der er 1996 bei den Salzburger Festspielen debütierte, über den Leporello und die Titelfigur in „Don Giovanni“, die er beide ebenfalls in Salzburg verkörperte, bis hin zu Graf Almaviva in „Le nozze di Figaro“, Escamillo in „Carmen“, Méphistophélès in „Faust und natürlich den Sarastro in „Die Zauberflöte“. „Ildebrando D’Arcangelos dunkler Bariton ist ideal für den Figaro, und auch äußerlich entspricht er der Figur“, schrieb The Guardian. „Ildebrando D’Arcangelo ist absolut überwältigend als Leporello – charmant, witzig, sexy, aber unverkennbar im Einklang mit seinen Gefühlen, wie es sein Herr nie sein könnte. Welch ein Unterschied, wenn ein italienischer Muttersprachler die Partie singt“, lobte The Independent. Immer wieder hervorgehoben wird die psychologische Tiefe, mit der er seine Rollen gestaltet; von seinem außerordentlichen Können zeugen auch zahlreiche DVD-Aufnahmen.

Entfesselte Atmosphäre

Bei den heurigen Salzburger Festspielen ist Ildebrando D’Arcangelo als Basilio in „Il Barbiere di Siviglia“ zu erleben. Eine Figur von zweifelhaftem Ruf, Musiklehrer der von Graf Almaviva angebeteten Rosina, intriganter Heuchler und geldgieriger Ränkeschmied. Dass der Barbier am 20. Februar 1816, kurz vor dem Höhepunkt des Faschings, im Teatro Argentina in Rom uraufgeführt wurde, ist kein Zufall. Vielmehr war die Oper, von Gioachino Rossini mit nur 23 Jahren komponiert, ein Auftragswerk, das ob seiner Parodien, Verkleidungen, Inszenierungen, Vortäuschungen und entfesselten Atmosphäre ursprünglich als musikalischer Beitrag zum Karneval gedacht war. Für Giuseppe Verdi war Rossinis Barbiere „aufgrund der Fülle echter musikalischer Ideen, der komischen Verve und der Wahrhaftigkeit der Deklamation die schönste Opera buffa ist, die es gibt“. 

Regie in Salzburg führt Rolando Villazón, Cecilia Bartoli singt Rosina, und der aus Uruguay stammende Tenor Edgardo Rocha gibt Graf Almaviva.

Ildebrando D’Arcangelo, der 2014 mit dem beruflichen Ehrentitel Kammersänger ausgezeichnet wurde, zieht es im Herbst weiter nach Hamburg, wo er im November Méphistophélès in Charles Gounods „Faust“ verkörpern wird.

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