Ein Stück in einer Minute: Richard Wagners Parsifal

Richard Wagners Parsifal wird wegen des religiösen Charakters gerne zur Osterzeit aufgeführt. Die BÜHNE hat die Handlung des letzten musikdramatischen Werks des Komponisten zusammengefasst.

von Redaktion, 16. April 2021

Ein Stück in einer Minute: Richard Wagners Parsifal
Jonas Kaufmann als Parsifal und Elīna Garanča als Kundry auf der Bühne der Wiener Staatsoper. Foto: Michael Pöhn/Wiener Staatsoper

Parsifal ist das letzte musikdramatische Werk des deutschen Komponisten Richard Wagner. Er selbst bezeichnete den Dreiakter als Bühnenweihfestspiel. Eine Neuinszenierung feiert am Sonntag, 11. April, in der Wiener Staatsoper Premiere. Radio Ö1 sendet die Aufzeichnung am 17. April ab 19.30 Uhr.

Inhalt

Die Handlung beruht auf dem Versroman Parzival des mittelhochdeutschen Dichters Wolfram von Eschenbach und spielt rund um und auf Burg der Gralshüter „Montsalvat“, Klingsors Zauberschloss und Garten; frühes Mittelalter.

Vorgeschichte

Der Gralskönig Amfortas hat im Kampf gegen den abtrünnigen Ritter Klingsor den heiligen Speer verloren, als er sich von der dämonischen Kundry verführen ließ. Zudem hat Klingsor Amfortas eine niemals heilende Wunde zugefügt. Kundry versucht ihre Schuld wiedergutzumachen, daher versorgt sie Amfortas mit heilenden Kräutern.

Erster Akt

Amfortas befindet sich im Wald bei der Gralsburg. Gralsritter Gurnemanz und seine Knappen bereiten das Bad für den verwundeten König vor. Kundry erscheint und bringt Heilkräuter. Amfortas befindet sich in einem schlechten Zustand, hat aber noch eine Chance: Seine Wunde kann durch eine Berührung mit dem heiligen Speer geheilt werden. Der Haken: Nur ein „reiner Tor“ kann seinen heiligen Speer zurückholen.

Im ersten Akt erscheint schließlich ein fremder Jüngling, der einen Schwan mit einem Bogen erlegt. Der junge Mann weiß nicht, wo er herkommt und wie er heißt. Nur, dass seine Mutter Herzeleide heißt, weiß er noch. Kundry kennt seine Herkunft und teilt ihm mit, dass seine Mutter bereits tot ist.

Gurnemanz hält den Jüngling für den Tor, der den Speer zurückbringen könnte. Daher führt er ihn zur Gralsburg. Dabei kommt ein geheimnisvoller Gral ins Spiel, der bei einer Versammlung der Bruderschaft der Gralsritter enthüllt wird. Er soll eine Schale mit dem Blut des Erlöses enthalten. Der Jüngling erfüllt die Aufgabe schließlich so, wie es Gurnemanz gehofft hat, und dieser jagt ihn weg.

Zweiter Akt

Im zweiten Akt taucht Klingsor wieder auf. Er befielht Kundry, den Jüngling zu verführen und zu vernichten. Kundry spricht ihn zum ersten Mal mit seinem richtigen Namen an: Parsifal. Bei dem Kuss zwischen Kundry und Parsifal erwacht der Jüngling: Vor seinem inneren Auge sieht er den kranken Amfortas und realisiert, welche Aufgabe auf ihn wartet. Kundry kann Parsifal nicht mehr verführen und ruft Klingsor herbei. Dieser wirft den heiligen Speer nach Parsifal, der diesen jedoch ergreifen und damit das Kreuzzeichen schlagen kann. Dadurch versinkt Klingsors falsches Reich.

Klingsor sieht den von langer Wanderschaft kommenden Jüngling herannahen. Auf sein Geheiß erwacht Kundry mit einem furchtbaren Schrei aus todesähnlichem Schlaf. Klingsor zwingt sie, den Jüngling zu umgarnen und zu vernichten. Ein zauberhafter Garten entsteht; verführerische Mädchen umdrängen den staunenden Jüngling. Dann erscheint Kundry, die ihn mit seinem richtigen Namen Parsifal anspricht und vom Sterben seiner Mutter erzählt. „Du weißt, wo du mich wiederfinden kannst“, sagt Parsifal zu Kundry und macht sich auf den Rückweg zur Gralsburg.

Dritter Akt

Parsifal kehrt mit Amfortas heiligem Speer zurück. Kundry bietet demütig an, nur noch zu dienen. Gurnemanz begrüßt Parsifal als neuen Gralskönig. Als erste Amtshandlung tauft Parsifal Kundry. Gurnemanz preist die Bedeutung des Karfreitagswunders. Die Natur erleuchtet in neuer Schönheit.

In der Gralsburg fleht Amfortas die Gralsritter bereits an, ihm den Tod zu geben. Da betritt Parsifal die Szene und heilt mit dem Speer seine Wunden. Als neuer Gralskönig enthüllt Parsifal zudem die heilige Schale. Während sie in einem hellen Licht erstrahlt, wird Kundry durch den Tod erlöst.

Aufführungen

Richard Wagner wünschte, dass der Parsifal nur in Bayreuth aufgeführt werden sollte. Die erste szenische Aufführung außerhalb Bayreuths (bereits nach Wagners Tod) fand am 24. Dezember 1903 an der Metropolitan Opera in New York ohne Genehmigung von Cosima Wagner statt. Die Witwe setzte durch, dass Dirigent Alfred Hertz deswegen nicht mehr auf deutschen Bühnen dirigieren konnte. 1913 lief der Urheberrechtsschutz für Parsifal aus. Cosima Wagner bemühte sich erfolglos um eine Fristverlängerung. Ab 1914 wurde das Werk in zahlreichen europäischen Häusern aufgeführt.

In einer Neuinszenierung des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov kommt Parsifal am Sonntag, 11. April 2021 zur Premiere an der Wiener Staatsoper. Es dirigiert Musikdirektor Philippe Jordan, der das Werk zum ersten Mal im Haus am Ring leitet. Als Parsifal ist Jonas Kaufmann zu erleben, der in dieser Spielzeit u. a. bereits in der Titelpartie der Don Carlos-Wiederaufnahme zu sehen war. Elina Garanca gibt als Kundry ihr lange erwartetes internationales Rollendebüt.

Parsifal und Religion

Aufgrund des religiös-aufgeladenen Charakters wurde lange Zeit überhaupt nicht geklatscht. Noch heute wird teilweise nach Ende des ersten Akts darauf verzichtet. Von Richard Wagner gab es dazu jedoch keine Vorgabe. Traditionell wird der Parsifal in der Osterzeit gespielt. In der Wiener Staatsoper hätte die Oper eigentlich am Gründonnerstag aufgeführt werden sollen. Aufgrund von Covid-19 kam es aber zu Verschiebungen.

Ausstrahlung der Staatsopern-Inszenierung

Die Gesamtaufzeichnung der Premierenproduktion ist am 18. April ab 14.00 Uhr europaweit auf ARTE Concert kostenlos verfügbar und dort für mindestens 30 Tage abrufbar.

Radio Ö1 sendet die Aufzeichnung am 17. April 2021 ab 19.30 Uhr

Auf ORF 2 gibt es am Wochenende einen Parsifal-Schwerpunkt:
Die Sondersendung „Der Fall Parsifal“ (17. April 2021, 22.00 Uhr)
Die „Matinee am Sonntag“ (18. April 2021, 9.05 Uhr) zeigt Portraits der Protagonisten und Weltstars Jonas Kaufmann und Elina Garanca.
Eine umfassende Berichterstattung im „Kulturmontag“ (12. April 2021, 22.30 Uhr)

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