Regisseur Felix Hafner: Plan B? Gibt es nicht!

Mit der Inszenierung von „Herkunft“, einer Bearbeitung des bekannten Romans von Saša Stanišić, konnte Regisseur Felix Hafner ein Herzensprojekt verwirklichen.

von Sarah Wetzlmayr, 11. November 2020

Regisseur Felix Hafner: Plan B? Gibt es nicht!
Felix Hafner war mit 24 Jahren der jüngste Regisseur am Wiener Volkstheater. Auf der Hauptbühne inszeniert er Molières „Der Menschenfeind“. Ein Jahr später gewann der heute 28-Jährige den Nestroypreis. Foto: Emanuel Megersa

Felix Hafner steckt gerade mitten in den Vorbereitungen für sein neues Stück, eine Bearbeitung des Romans „Herkunft“ von Saša Stanišić, als wir uns an einem warmen Augusttag mit ihm zum Gespräch in einem Schanigarten treffen. Er wirkt ein wenig aufgekratzt und begründet das damit, dass er bis gerade eben an der Bühnenfassung des Textes gearbeitet hat. Ein „Herzensprojekt“, wie er betont.

Kein Welpenschutz mehr

Mit 28 ist der ursprünglich aus Voitsberg in der Steiermark stammende Regisseur im perfekten Alter, um bei jeder Gelegenheit mit dem Etikett „Jungregisseur“ versehen zu werden. Was so manch anderen Regisseur vielleicht stören würde, der schon mehrere große Produktionen und einen Nestroypreis in der Tasche hat, ist Felix Hafner eher egal. „Ich weiß eh, dass es aufhören wird“, sagt er lachend. „Wenn ich in zwei Jahren 30 bin, kann schließlich niemand mehr ‚Jungregisseur‘ zu mir sagen.“ Welpenschutz gibt es für ihn auf jeden Fall mittlerweile keinen mehr. „Obwohl das am Anfang schon recht angenehm war, weil man aufgrund des Alters für manche Sachen nicht ganz so scharf kritisiert wurde“, sagt Hafner.

Verändert hat sich auch seine Arbeitsweise, die Auswahl der Stoffe und die Form, die er in seinen Inszenierungen sucht. „Arbeiten wie ‚Schöne neue Welt“, das ich in München inszeniert habe, waren in dieser Hinsicht sehr wichtig für mich, weil ich da sehr große Stoffe mit einem sehr jungen Team und vielen choreografischen Elementen erarbeiten konnte. Dadurch hat sich für mich sehr viel Neues aufgetan“, erklärt er.

Felix Hafner möchte sich thematisch in kein Eck drängen lassen. Obwohl er sehr erfolgreich Komödien inszeniert hat, sucht er weiter nach neuen Erzählformen. Foto: Emanuel Megersa

Nestroypreis und Emanzipation

Von seiner Anfangszeit, die ihm zwar einen Nestroy für seine Inszenierung von „Der Menschenfeind“ eingebracht, ihn gleichzeitig aber auch ins Eck des „Komödienregisseurs“ gedrängt hat, wollte sich Felix Hafner nach und nach distanzieren. „Ich hatte das Gefühl, dass ich da in etwas reingekommen bin, wo es vor allem ums Funktionieren geht. Eine Komödie muss funktionieren und als Regisseur bist du dafür verantwortlich, dass sie dieses Versprechen einlöst.“

Romanbearbeitungen, große Stoffe und vielschichtige Projekte sind jene Dinge, die ihn momentan reizen. „Die ersten Inszenierungen haben natürlich vieles in Gang gesetzt, das darf man nicht außer Acht lassen. Trotzdem waren die beiden Jahre danach für mich sehr wichtig, um mich davon zu emanzipieren“, fügt er abschließend hinzu.

„In einem Jahr kommt mir ein Stoff unglaublich dringlich vor, den ich im darauffolgenden Jahr plötzlich gar nicht mehr so wichtig finde.“

Wenn er mit Texten arbeitet, muss es nicht Liebe auf den ersten Blick sein. „Es gibt Stoffe, die ich beim ersten Lesen nicht mochte, bei denen sich in der Reibung damit aber viel ergeben hat“, fasst Hafner seine Herangehensweise zusammen. Und fügt noch hinzu, dass irgendeine Form von Verbindung aber auf jeden Fall gegeben sein muss, „sonst sind die sechs Wochen, die dann folgen, nur schwer auszuhalten.“

Bei der Frage nach dem einen Text, den er auf jeden Fall noch machen möchte, muss Felix Hafner abwinken: „Diesen Text gibt es nicht. Den kann es gar nicht geben, weil das je nach Zeitpunkt und Lebensphase immer wechselt. In einem Jahr kommt mir ein Stoff unglaublich dringlich vor, den ich im darauffolgenden Jahr plötzlich gar nicht mehr so wichtig finde.“

Felix Hafner und die Suche nach neuen Erzählungen

Dazu kommt, dass es dem jungen Regisseur immer wichtiger wird, sich auch von klassischen Theaterstoffen zu entfernen, um andere Dinge zu erzählen, die in dieser Form vielleicht noch nie erzählt wurden. Eine große Rolle schreibt Felix Hafner bei der Auswahl der Texte außerdem der Sprache zu. Es ist vor allem sein musikalischer Zugang zu Texten, der hier zum Tragen kommt. „Wenn durch die Sprache eines Textes, meine Fantasie in Gang kommt, finde ich das immer großartig. Deshalb arbeite ich zum Beispiel gerne mit Autorinnen und Autoren wie Thomas Artzt oder Teresa Dopler zusammen“, erklärt er.

Wenn man Felix Hafner über seine Arbeit sprechen hört, wird relativ schnell klar, dass es für ihn keinen Plan B gibt. Und im sehr unwahrscheinlichen Fall, dass es doch einmal notwendig wird, sich in einer anderen Branche umzuschauen? „Taxitänzer“, antwortet Hafner lachend. „Das ist auf jeden Fall die Antwort, die ich immer parat habe, wenn mir diese Frage gestellt wird.“

Termine von „Herkunft“ in einer Inszenierung von Felix Hafner

„Herkunft“ feierte am 22. Oktober im Münchner Volkstheater Premiere. Laut Spielplan wird es am 2. Dezember das nächste Mal zu sehen sein.

Münchner Volkstheater

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