Fünf unter 35: Junge Theaterregisseurinnen im Kurzporträt

Neue Probleme verlangen nach neuen Blickwinkeln. Auch zeitlosen Themen tun Neuinterpretationen gut. Die Bühne stellt Frauen vor, deren Ideen wir bemerkenswert finden.

von Sarah Wetzlmayr, 17. September 2020

Fünf unter 35: Junge Theaterregisseurinnen im Kurzporträt
2019 wurde Christina Gegenbauer der Kulturpreis des Landes Niederösterreich in der Sparte Darstellende Kunst verliehen. Foto: Matthias Köstler

Mit Listen ist das ja so eine Sache. Sie verlangen vehement nach Ordnung und Struktur, nach der Festlegung von Anfangs- und Endpunkten. Was einfach klingt, kann schon mal in unendliche Grübelei ausarten. Und mit Unendlichkeit haben Listen, so viel ist bekannt, ja ganz und gar nichts am Hut. Für diese Auflistung haben wir uns jedenfalls dazu entschieden, den Faktor Alter als ordnungsstiftendes Kriterium heranzuziehen.

Es handelt es sich bei allen jungen Theaterregisseurinnen, die in dieser Liste versammelt wurden, um bemerkenswerte Talente und Persönlichkeiten, die wir weiterhin gut im Blick behalten werden.

Elsa-Sophie Jach

Elsa-Sophie Jach studierte Regie an der Hamburger Theaterakademie und Szenisches Schreiben an der UdK Berlin. Ihre Inszenierung „Die dritte Republik“, die sie gemeinsam mit dem Autor Thomas Köck am Thalia Thea-ter Hamburg erarbeitete, wurde 2019 zum Festival Radikal Jung ans Volkstheater München eingeladen.

Im gleichen Jahr folgte „Sechs Koffer“ von Maxim Biller am Thalia Theater Hamburg, „Sommer“ von Sean Keller am Schauspielhaus Wien und „Mitwisser“ von Enis Maci am Theater Bamberg. In Kollaboration mit dem Autor Thomas Köck entstanden bereits mehrere Inszenierungen. Unter anderem das hochgelobte „Die Zukunft reicht uns nicht (Klagt, Kinder, Klagt!)“.

Elsa Sophie Jach hat mit Autor Thomas Köck bereits mehrere Inszenierungen realisiert. Foto: Thomas Leidig

Anna Marboe

Nach ihrem Schulabschluss und mehreren kürzeren wie längeren Auslandsaufenthalten studierte die gebürtige Wienerin Regie am Max Reinhardt Seminar, wo sie unter anderem „Das Missverständnis“ von Albert Camus inszenierte. Im April 2019 schloss sie ihr Studium mit dem Stück „ich habe dich gegoogelt und du bist unwichtig aber deshalb musst du nicht weinen“ ab.

Dass Anna Marboe im Regiefach gelandet ist, war eher Zufall. Erst als sie sich für die Aufnahmeprüfung am Max Reinhardt Seminar anmelden wollte, entdeckte sie, dass es nicht unbedingt Schauspiel sein muss. Nach ihrem Studium inszenierte sie unter anderem am Schauspielhaus Wien und am Volkstheater. Am Regieberuf fasziniert Anna Marboe vor allem das Erfinden neuer Welten und die Freiheit, die das Erschaffen verschiedener paralleler Universen mit sich bringt. Neben dem Regieberuf widmet sich die junge Künstlerin auch ihrer Musikkarriere.

Anna Marboe hat am Max Reinhardt Seminar studiert.

Anta Helena Recke

Die in München geborene und aufgewachsene Regisseurin Anta Helena Recke hat deutsche und senegalesische Vorfahren und gilt als eine der spannendsten Akteurinnen einer neuen Generation an Theateregisseuren und -regisseurinnen.

Für Aufmerksamkeit sorgte vor allem ihre erste Regiearbeit: In den Münchner Kammerspielen inszenierte sie das Stück „Mittelreich“, das auf einem Roman von Josef Bierbichler basiert, mit einem ausschließlich schwarzen Ensemble. In der hauptsächlich von älteren, weißen Männern bevölkerten europäischen Theaterwelt immer noch ein absolutes Novum. Danach brachte Anta Helena Recke das Stück „Die Kränkungen der Menschheit“ auf die Bühne der Münchner Kammerspiele.

Wenn sie inszeniert, möchte die junge Regisseurinnen den Zusehern möglichst viele Freiräume lassen. „Meine Stücke sind so angelegt, dass die Zuschauern daraus machen können, was sie wollen. Sie können auf ganz verschiedene Weisen gelesen werden“, erklärte sie unlängst gegenüber der „taz“.

Anta Helena Recke brachte unter anderem „Die Kränkungen der Menschheit“ auf die Bühne der Münchner Kammerspiele. Foto: Meklit Tsige

Christina Gegenbauer

Christina Gegenbauer hat als Regieassistentin gerarbeitet, bevor sie im vergangenen Jahr mit dem Stück „Waisen“ von Dennis Kelly ihr Regiedebüt am Burgtheater ablieferte. 2019 wurde ihr der Kulturpreis des Landes Niederösterreich in der Sparte Darstellende Kunst verliehen. Dass Christina Gegenbauer damit erst den Grundstein einer erfolgreichen Regiekarriere gelegt hat, kann am vollen Terminkalender der gebürtigen Niederösterreicherin abgelesen werden. Noch dieses Jahr inszeniert sie „Ichglaubeaneineneinzigengott.hass“ am Landestheater Coburg, 2021 „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert am Theater Hof und „Die Verwandlung“ nach Franz Kafka am Tiroler Landestheater Innsbruck.

Sophia Stürmer

Sophia Stürmer kann ein abgeschlossenes Regiestudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt und bereits mehrere erfolgreiche Inszenierungen vorweisen.

Während ihres Studiums entwickelte sie eine große Leidenschaft für Sound und Musik, die sie immer wieder in ihre Regiearbeiten einfließen lässt. So auch bei ihrer Abschlussarbeit, einer Inszenierung des Stücks „Die Nashörner“ von Eugene Ionesco, mit der sie 2018 zum Körber Studio nach Hamburg eingeladen wurde. Ins Zentrum ihrer Inszenierung rückte Sophie Stürmer die Themen Exhibitionismus und weibliche Lust. Am Staatstheater Wiesbaden inszenierte die junge Regisseurin die Uraufführung von Laura Naumanns „Ich warte schon seit …“.

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