Wiener Volkstheater: Der Weg zum Erfolg ist oft eine Baustelle

Die ersten Bilder aus der Baustelle des Volkstheaters: Es wird ein Juwel mit neuer Technik, besserer Akustik und so besucherfreundlich wie nie zuvor.

von Atha Athanasiadis, 5. November 2020

Wiener Volkstheater: Der Weg zum Erfolg ist oft eine Baustelle
Neo-Direktor Kay Voges im Verpackungsmaterial, in das die Sitze des Theaters eingepackt waren. Voges soll das Volkstheater wieder zu einer der führenden Bühnen des deutschsprachigen Raums machen. In Dortmund hat er das schon geschafft. Foto: Philipp Horak

Es sind Blicke, die man sonst nur von stolzen Vätern auf der Geburtenstation kennt. Die doppelten K(C)ays – Cay Urbanek, 49, und Kay Voges, 48 – stehen mitten in der größten Baustelle eines Theaters in Österreich und beobachten, wie Arbeiter ganz langsam und sorgfältig die roten Tapeten an den Seitenwänden des Zuschauerraums anbringen. Sie sind nicht nur nach historischen Vorlagen gestaltet, sondern werden auch die Akustik ­im Wiener Volkstheater erheblich verbessern. 

Bild 1: Das Volkstheater von außen: Noch steht ein Holzgerüst davor. Die Fassade ist aber bereits neu gestrichen und ­renoviert. Bild 2: Ein Arbeiter verspachtelt die letzten Flächen an der Fassade. Dort, wo Sie jetzt noch Kabel sehen, werden bald die neuen Schau­kästen montiert. Bild 3: Arbeiter bringen die neue Wand­bespannung an. Sie soll die Akustik massiv verbessern und ist nach historischen Vorlagen ­gestaltet. Bild 4: Die gesamte historische Stuckatur des Hauses wird in akribischer Handarbeit neu vergoldet. Die Planen dienen als Schutz gegen den Arbeitsstaub. Bild 5: Die Statue im neuen Eingangsbereich des Theaters ist mit Plastik vor dem Baustaub geschützt. ­Direkt neben ihr entstehen gerade eine neue, barrierefreie Zentralgarderobe und ein neuer ­Kassabereich. Bild 6: Hier wird das erste Mal die neue Bühnentechnik ­ausprobiert. Neu ist auch der Seiteneingang, mit dem in Zukunft Bühnenbilder schneller ins Theater gelangen. Bild 7: Hinter dieser Tür entsteht das neue Café (das ehemalige Kartenbüro links am Haus). Es wird den ganzen Tag geöffnet sein. Gemeinsam mit der Roten Bar im 1. Stock ist es auch getrennt vom Haus bespielbar und kann auch gemietet werden.

Generalsanierung um 27 Millionen Euro

„Unser Ziel war und ist es, die Situation für Publikum, Schauspieler und Technik massiv zu verbessern“, sagt Cay Urbanek, Kaufmännischer Direktor des Wiener Volkstheaters. Er trägt Anzug und Krawatte und ist das Mastermind hinter dem Umbau des 1889 nach Entwürfen von Hermann Helmer und Ferdinand Fellner erbauten Theaters an der 2er‑Linie in Wien-Neubau.

27 Millionen Euro wird die Generalsanierung kosten, die das Haus zum „modernsten Theater Europas“ machen wird, wie Cay Urbanek sagt. Ein enger finanzieller Rahmen. So bekam etwa eine kleine Lampenmanufaktur in Niederösterreich den Zuschlag für den Nachbau der historischen Kandelaber, „weil die Wiener Anbieter einfach viel zu teuer waren“. 

Erste Premiere im Volkstheater im Jänner

Während Urbanek erklärt, setzt sich der andere Kay – Neodirektor Kay Voges – in einen Berg von Verpackungsmaterial und sieht stolz auf die Bühne. Hier werden gerade die neuen Seilzüge für die Kulissen ausprobiert. Im November wird er seinen neuen Spielplan präsentieren, die erste Premiere wird im Jänner ­gefeiert. „Wir nutzen die Zeit, um in Workshops Schauspieler und Technik auf die neuen Gegebenheiten einzuspielen und dadurch auch ein neues Miteinander entstehen zu lassen“, erzählt Voges.

Cay Urbanek ist der kaufmännische Direktor des Wiener Volkstheaters.
Foto: Philipp Horak

Die Neuerungen im Detail

  • Einrichtung einer Zentralgarde­robe in der Parterrefläche hinter der Tribüne unterhalb des Balkons. 
  • Die Räume des derzeitigen Kartenbüros und die Garderobe im Parterre links werden zu einem Café, das während der Vorstellungen als Pausenfoyer genutzt werden soll, zusammengefasst. Das Café ist ganztägig geöffnet.
  • Die neue, barrierefreie Tageskassa wird im Erdgeschoß an der Seite zur Neustiftgasse eingerichtet.
  • Ein neuer Personenaufzug verbindet Erdgeschoß, 1. Stock und Untergeschoß. 
  • Die Rote Bar wird eigenständig bespielbar: Unabhängig vom Theaterbetrieb können das Foyer im Erdgeschoß und die Rote Bar im 1. Stock zusammen oder getrennt genutzt werden.
  • Die gesamte Belüftung und alle Sanitäreinrichtungen werden erneuert.
  • Das Theater bekommt eine neue Seitenbühne Richtung Burggasse. Dafür werden Fenster im Erdgeschoß durch eine Portalkonstruktion ersetzt. Ein Vordach dient als Witterungsschutz. 
  • Vollautomation des Schnürbodens, Sanierung bzw. Neubau der zwei Bühnenversenkungen und der Sicherheitseinrichtungen, Neugestaltung der elektronischen Steuerung sowie Modernisierung von Bühnenbeleuchtung, Audio-, Video- und Inspizientenanlage.
  • Neuer Bühneneingang am Nord­westeck des Hauses. Der auf dieser Ebene barrierefreie Eingang von der Straße mit Zugang zum Bühnenaufzug ermöglicht den Zugang zum Bühnentrakt mit dem Rollstuhl und anderen Gehhilfen. Windfang und Portiersloge bilden ein Foyer, von dem aus auch ein großer gemeinsamer Pausenraum zu erreichen ist.

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