Moderne Kunst neu inszeniert
Anna Viebrock ist vielfach ausgezeichnete Bühnenbildnerin, Regisseurin und Gestalterin von Ausstellungsräumen. Die Eingangsebene des Mumok hat sie in ein begehbares Bühnenbild verwandelt.
Im Theater hätte gerade die Endprobenphase begonnen. Etwas mehr als eine Woche vor der großen Wiedereröffnung des Mumok nach der Umbauphase unter neuer Leitung streift Bühnenbildnerin Anna Viebrock durch die von ihr gestaltete Eingangsebene. Die von ihr bestellten Stühle fehlen noch, so die 74-jährige Künstlerin. Und auch die rund 200 Werke aus der Sammlung des Museums hängen noch nicht an den ihnen zugeordneten Plätzen. Es mag die jahrelange Erfahrung im nicht unbedingt für seine Vorhersehbarkeit bekannten Theaterbetrieb sein, die sie trotz der herannahenden Eröffnung so gelassen wirken lässt.
Bei ihrem labyrinthisch anmutenden Grundriss hätte sie sich an ihrem Bühnenbild für die 2004/05 in San Francisco und Stuttgart gezeigte Oper „Doktor Faust“ orientiert, sagt Viebrock. „Das muss man jedoch nicht wissen, wenn man hierherkommt“, setzt sie mit klaren Worten nach. Auch im buchstäblichen Sinne seien die Besucher*innen nämlich dazu eingeladen, den Räumen auf unterschiedlichen Wegen und aus verschiedenen Blickwinkeln zu begegnen, sagt die Künstlerin, die sich ab Herbst wieder verstärkt dem Theater widmen wird. „Man muss selbst für sich entscheiden, wie man durch die Räume geht, wo man anfängt und wie schnell man sie durchwandert. Im besten Fall verliert man sich in ihnen und weiß zwischendurch nicht mehr, wo man sich gerade befindet.“
Dass ihr durchschreitbares Bühnenbild nicht vorgibt, wie es durchschritten werden möchte, führe auch dazu, dass die Besucher*innen sowohl betrachten als auch betrachtet werden, hält Anna Viebrock fest. „Es ist einerseits eine Bühne für die Kunstwerke, andererseits aber auch eine für die Menschen, die ins Museum kommen.“ Ausgehend von Kate Milletts Installation „Terminal Piece“ setzt sich die gesamte Eröffnungsausstellung, die sich über insgesamt fünf Ebenen erstreckt, mit dem Thema Betrachter*innenschaft auseinander. Anna Viebrocks Räume können als Prolog dazu verstanden werden. Bei der Frage, wie man ihre Arbeit im Mumok nun benennen soll, muss sie schmunzeln. „Ich weiß es selbst nicht. Ist es ein Bühnenbild oder eine Installation? Ich habe der Kunstvermittlung hier im Haus geraten, einfach die Besucher*innen dazu zu befragen. Ich denke, es ist zunächst einmal eine Erfahrung.“
Die Ausstellung Terminal Piece ist bis 7. Februar 2027 im Mumok zu sehen. Am 12. September findet um 17 Uhr ein Gespräch zwischen Anna Viebrock und Jan Philipp Gloger, Künstlerischer Direktor des Volkstheaters, statt.