Wozu braucht es das Opernstudio, Herr Kraus?

Das neue Opernstudio der Wiener Staatsoper ist ein für die Nachwuchsarbeit an einem großen Repertoirehaus ein äußerst wichtiges Projekt, um die sängerische Exzellenz zu fördern und zu erhalten.

Die jungen Menschen, mit denen wir arbeiten, sind bereits fertig ausgebildete Sänger*innen. Wir versuchen, ihnen einen Rucksack zu schnüren, der ihnen erlaubt, einen möglichst lange Karriere zu machen, indem wir ihnen im Studio eine vielfältige künstlerische Unterstützung geben.

Am Anfang einer Karriere ist man als junger Sänger ja noch etwas orientierungslos, und der Weg zwischen einem Gesangsabschluss und dem Weg auf die Bühne eines großes Hauses ist nicht immer leicht. Es gab jetzt viele Jahre kein Opernstudio in Wien. Es wurden zwar junge Sänger*innen engagiert, im Opernalltag dann aber mehr oder weniger sich selbst überlassen.

Zur Person: Michael Kraus

Als Bariton sang der geborene Wiener an vielen großen Opernhäusern der Welt. Seit 2020 leitet er das neu gegründete Opernstudio der Wiener Staatsoper. 1.003 haben sich beworben, 13 Sänger*innen wurden genommen.

Unter der Direktion Roščić wurde das Opernstudio neu aufgestellt. Ausgesucht wurden unsere jungen Sänger*innen nach drei Kriterien: Talent, Intelligenz und Disziplin. Es waren exakt 1.003 Bewerbungen, ich habe mir auch alle genau angehört. In der Endrunde waren es 25, und davon wollten wir nur 10 nehmen – haben dann aber 13 genommen.

Ich sage immer: Ich bin – als Sänger – wie ein alter Tischler, der mit jungen Tischlern arbeitet. Wir wollen die jungen Menschen langsam in den laufenden Betrieb integrieren, und das funktioniert mittlerweile schon ganz gut. Das Ziel ist, dass sie nicht nur kleine Rollen singen, sondern jede und jeder von ihnen sich am Ende der zwei Jahre in einer mittleren Rolle beweisen konnte.

Wozu braucht es das Opernstudio, Herr Kraus?
Foto: Peter Mayr

Für künstlerische Fragen und Probleme bin ich im Studio die Hauptansprechperson. Aber ich hole mir selbstverständlich andere Expert*innen dazu. Wenn man in einem Haus wie der Wiener Staatsoper arbeitet, dann hat man den Vorteil, dass permanent die interessantesten Menschen der Branche ein und aus gehen, und die spreche ich an und frage sie, ob sie nicht Lust haben, ihr großes Wissen, ihre Erfahrungen an unsere Sänger*innen weiterzugeben– und die meisten wollen.
Wir sind jetzt langsam in der Finalrunde des ersten Opernstudios, und ich kann jetzt schon verraten, dass es ein starkes Interesse gibt, einige Mitglieder ins Ensemble der Wiener Staatsoper zu übernehmen. Das ist ein großes Zeichen der Wertschätzung für das Studio.