Zu Besuch im Bauch des Theaters in der Josefstadt: Schneiderin Linda Sterf

Damenschneidermeisterin Linda Sterf macht von der Unterwäsche über Röcke und Blusen bis hin zu Jacken und Mänteln alles.

„Am Theater hat man die meisten Möglichkeiten.“ Also war es für die Absolventin der Modeschule Herbststraße, ihres Zeichens Damenschneidermeisterin, gar keine Frage, sich eine Alternative zu überlegen. Seit 2013 arbeitet sie am Theater in der Josefstadt und ist bis heute von der Vielfältigkeit ihres Berufs begeistert.

Linda Sterf näht maschinell, drapiert Kleidungsstücke an der Puppe, bügelt und lernt, wie sie sagt, nie aus. Schließlich sei die Aneignung historischen Wissens enorm wichtig, gelte es doch, Kostüme aus unterschiedlichen Epochen zu realisieren. Auch müsse man mit unterschiedlichen Körperformen, Materialien und speziellen Wünschen umgehen können.

„Ich mache von der Unterwäsche über Röcke und Blusen bis hin zu Jacken und Mänteln alles“, erklärt sie. „Wenn es um historische Kostüme geht, kommen auch Mieder dazu, für die man mit Fischbein oder Stahlbändern arbeitet.“

Neun Personen werken emsig in der Schneiderei, vier in der Damen- und fünf in der Herrenabteilung. Wenn nötig, helfe man sich auch gegenseitig aus. Manch- mal müssten gekaufte Kleidungsstücke oder solche aus dem Fundus auch nur geändert werden. Neben geschichtsträchtigen Kleidern mache auch die Fertigung moderner Kostüme großen Spaß. „Wie zum Beispiel für ‚Der ideale Mann‘. Das ist etwas ganz anderes als Alltagskleidung, beinahe schon Haute Couture. Oft kombinieren wir auch Designerkleidung mit von uns gestalteten Stücken, um den Bühneneffekt zusätzlich zu steigern.“

Entscheidungen der Kostümbildner – und deren Abänderungen – beeinflussen ihre Tätigkeit maßgeblich. „An einem Unterbau für die Röcke bei ‚Der König stirbt‘ habe ich 30 Stunden gearbeitet.“ Nur damit man sich die Relationen vorstellen kann.

Magazin-Cover
BÜHNE-Abo

10 Ausgaben jährlich nur
€ 44,90

Hier bestellen