Was das Musical Cats uns über Katzen lehrt

Mögen Katzen Musicals? Was halten die Couchtiger vom Superhit "Memory"? Und was können wir in Cats über Katzen lernen? Eine Katzenverhaltensexpertin antwortet.

von nk, 29. September 2020

Was das Musical Cats uns über Katzen lehrt
Ene Katze blickt missmutig. Katzen haben so ihre Eigenheiten - und das Musical Cats hat diese gut dokumentiert.

Die Liebe zum Musical hat für „Cats“-Fans und -Darsteller oftmals vierbeinige Konsequenzen: In Städten, in denen das Stück am Spielplan steht, wächst mit den Spieltagen auch die Anzahl an Katzenbesitzern. (Und bevor Sie das jetzt googeln: Nein, das ist nicht statistisch belegt. Zumindest nicht offiziell. Aber wir kennen da den Cousin einer Freundin, die mit einem „Mr. Mistoffeles“ ausgegangen ist – und die schwört hoch und heilig. Außerdem hat die Schwester von R. auch gerade eine Katze adoptiert. Es ist einfach so.) Nach monatelanger Spielpause ist Andrew Lloyd Webbers Meisterwerk seit 24. September wieder im Wiener Ronacher zu sehen.

Aber: Wie gut ist man als „Cats“-Fan auf die Haltung einer Katze vorbereitet? Wir haben mit der österreichischen Katzenflüsterin und Katzenverhaltensexpertin Petra Ott gesprochen und die felinen Inhalte der Show auf ihren Wahrheitsgehalt abgeklopft.

Frau Ott, der Name der Katze spielt in „Cats“ eine große Rolle. Wir lernen, dass jede Katze drei Namen trägt. Wie relevant ist ein Katzenname wirklich?

Sehr relevant! Es gibt natürlich Katzen, die nicht auf ihren Namen horchen, weil sie eher die Diven sind. Die kommen irgendwann – bloß nicht, wenn man sie ruft. Aber es gibt Katzen, die immer auf ihren Namen hören. Da ist es auch ganz wichtig, welchen Namen wir der Katze geben. Und welche Emotion damit transportiert wird.

Wie soll der Name denn beschaffen sein? Sollte er eher kurz sein oder sind Namen wie Munkustrap, Coricopat und Bombalurina tatsächlich geeignet?

Je weniger Silben, desto besser. Schön ist, wenn Katzennamen auf einem „i“ enden. Weniger gut ist ein „s“ am Schluss.

Davon gibt es einige in Cats: Admetus, Gus, Tumblebrutus …

Aber ein scharfer Laut wie „s“ klingt für manche Katzen wie ein Fauchen. Der Name sollte melodisch sein. Und wenn er kurz ist, ist das für die Katze (und die Besitzer) auf jeden Fall einfacher.

Der Rum Tum Tugger gilt im Stück als schwieriges Tier:
„Hast du gerade keine Zeit, will ich unbedingt zu dir /
Doch nimmst du dir für mich Zeit, bleib ich lieber auf Distanz.“
– beobachtet man so ein Verhalten öfters bei Katzen?

Total! Das ist eine Charaktersache. Es gibt einfach Katzen, die nur kuscheln kommen, wenn sie es wollen, dann darf man sie hinter den Ohren streicheln – und wenn sie fertig sind mit dieser Schmuseattacke, dann gehen sie wieder ihres Weges. Eben genau wie Rum Tum Tugger.

„Allergiker sind sehr höflich“

Katzenverhaltensexpertin Ott erklärt, wie es zu ungewollter Zuneigung von Katzen kommen kann.

Aber dieses „Ich will nur dann, wenn du nicht willst“ – das erinnert schon sehr daran, dass Katzen justament zu Menschen mit Katzenallergie gehen, oder?

Katzen gehen gerne zu Menschen mit Katzenallergie, weil Allergiker sehr höflich zu ihnen sind. Sie schauen die Katze nicht direkt an, sie drehen sich eher weg. In der Verhaltensbiologie ist das aber eine Körpersprache, die die Katze einlädt zu kommen.

Apropos Körpersprache: Im Cats-Film stupsen Katzen zur Begrüßung ihre Nasen aneinander, auf der Bühne reiben sie ihre Köpfe an der Schulter der anderen. Was bedeutet das?

Beides kommt in der Katzensprache vor. Aber es kommt immer auf den Kontext an. Es kann ein liebevolles „Hallo“ sein, es kann aber auch dominant territorial sein. Da gibt’s eine 50/50 Chance…

Der dicke Kater Bustopher Jones gilt mit 11 Kilo (25 Pfund) im Stück als Schwergewicht. Wieviel sollte eine gesunde Katze auf die Waage bringen?

In Cats gibt es ja viele unterschiedliche Rassen… für eine Hauskatze ist das viel. Da gibt es Mädchen mit 3,5 Kilogramm. Aber dann gibt es Maine-Coones, die haben zwölf Kilogramm oder 14 Kilogramm und sind normalgewichtig. Das kommt wirklich auf die Größe und Rasse an.

„Katzen lieben Musik. Und Katzen lieben Musicals.“

Katzenverhaltensexpertin Ott über kulturellen Katzengeschmack

„Den leeren Worten traut sie nicht, bevor man ihr von Freundschaft spricht, will sie zuerst Beweise sehen, wenn geht in Form von Sahnecreme“ – Darf ich eine Katze wirklich mit Schlagobers füttern?

Ein bissi! Aber nicht zu viel. Sahnecreme mögen sie, weil Sahne fett ist. Katzen ernähren sich von tierischem Eiweiß und tierischen Fetten. Sahne liefert viel davon, darum sprechen Katzen gut darauf an. Wenn das ein Leckerli ist, also einmal an einem Sonntag über den Sahne-Deckel lecken lassen als liebevolles Ritual – dann ist das super. Zuviel führt zu Durchfall.

Mögen Katzen überhaupt Musik?

Oh mein Gott! Katzen lieben Musik. Und Katzen lieben Musicals: Schöne hohe Töne, langgezogene Balladen – das ist sehr beruhigend für Katzen.

Also freut sich meine Katze, wenn ich ihr „Memory“ vorspiele?

So ist es. Oder Sie singen es ihr vor! Wenn Katzenhalter anfangen mit ihren Katzen zu singen, ist das perfekt. Und „Memory“ eignet sich gut.

Danke für das Gespräch!

Cats-Facts

Weltweit haben bisher mehr als 73 Millionen Menschen in 30 Ländern und 16 Sprachen dieses Musical gesehen. Die deutschsprachige Erstaufführung fand 1983 direkt nach London und New York in Wien statt und lief sieben Jahre lang ohne Unterbrechung.

Aktuelle Vorstellungen von Cats im Wiener Ronacher