Es bedarf keines kleinen oder großen Latinums, um dahinterzukommen, dass der im Opernkontext häufig auftauchende Begriff „Koloratur“ etwas mit Farbe oder Färbung zu tun hat. Tatsächlich bedeutet Koloratur, dass die Stimme durch Läufe, Triller und größere Sprünge so verziert wird, dass eine neue Klangfarbe entsteht. Diese stattet beispielsweise Opernarien mit einem besonderen Charme oder Liebreiz aus, sodass das Publikum auf emotionaler Ebene ergriffen und bewegt wird. Koloraturen können auch Jubel, Freude, Leid, Schmerz oder Aggressionen ausdrücken. Kurz: Sie kommen zum Einsatz, wenn der reine Gesang als emotionales Ausdrucksmittel nicht mehr ausreicht. Ein Beispiel ist die weltberühmte Arie der Königin der Nacht aus der Oper „Die Zauberflöte“ von W. A. Mozart.

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Eine besondere Herausforderung für die Sänger*innen ist es, die Koloratur im Legato, sozusagen in einem Guss, zu interpretieren. Es sei denn, eine Koloratur ist in Staccato-Form notiert. In diesem Fall steht jeder einzelne Ton für sich selbst und ist jeweils nur von kurzer Dauer, also kurz gehalten, anstatt gebunden.

Welchen Fehler würden Sie noch einmal machen, Frau Bartoli?

Schnell erklärt: Was bedeutet eigentlich Belcanto?

Wer sich ein wenig für Oper interessiert, kommt an dem Begriff „Belcanto“ nicht vorbei. Was hinter der Stilrichtung steckt, deren typische Charakteristika sich vor allem im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert entfalteten, haben wir hier zusammengefasst. Weiterlesen...

Die Geschichte

Koloraturen gehören seit dem Mittelalter zur Kompositionstechnik, wobei der erste Höhepunkt im 16. und 17. Jahrhundert stattfand. Davor waren sie vor allem Bestandteil der reinen Improvisationskunst, die bis ins 19. Jahrhundert fortbestand. Die Koloratur war außerdem wichtiger Bestandteil der Opernmusik von Claudio Monteverdi bis Giuseppe Verdi und gehörte im 18. Jahrhundert besonders zur Opera seria. Eine wichtige Rolle bei dieser Entwicklung spielten sowohl berühmte Kastraten wie Farinelli oder Carestini, als auch Primadonnen, wie unter anderem Faustina Bordoni.

In den frühromantischen Opern des sogenannten Belcanto in Italien zwischen 1810 und ca. 1850, vor allem bei Gioachino Rossini, erlebte der Koloraturgesang einen letzten großen Höhepunkt und wurde in Sachen Virtuosität bis an die Grenze des Möglichen getrieben – nun auch in der Opera buffa. Da unter anderem schon bei Rossinis jüngeren Kollegen Bellini und Donizetti Dramatik eine immer größere Rolle spielte, wurden die Koloraturen nach und nach weniger und auch einfacher. Während bis etwa 1830 in der italienischen Oper noch alle Stimmlagen Koloraturen sangen, verschwanden diese zunächst aus den Männerstimmen, bis in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur noch Koloratursoprane übrig blieben.

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Der Koloratursopran

Typischerweise wird zwischen lyrischem Koloratursopran und dramatischem Koloratursopran unterschieden. Lyrische Koloratursoprane zeichnen sich durch leichte, agile Stimmen mit hohem Tonumfang aus. Berühmte Rollen sind unter anderem: Amina aus Bellinis „La sonnambula“, Lucia aus Donizettis „Lucia di Lammermoor“, Zerbinetta aus Richard Strauss' „Ariadne auf Naxos“ und Gilda aus Verdis „Rigoletto“.

Dramatische Koloratursoprane haben meist schwere, kraftvolle Stimmen mit hohem Tonumfang, besitzen aber gleichzeitig die Fähigkeit für agile Koloraturen. Die meisten Partien für diesen Stimmtyp liegen nicht so hoch wie beim lyrischen Koloratursopran. Bekannte Rollen sind unter anderem Lulu aus Alban Bergs „Lulu“, Konstanze aus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ und Fiordiligi aus Mozarts „Così fan tutte“.