Karoline und Kasimir: Aus der Not(iz) geboren

„Karoline und Kasimir“ ist nicht einfach eine umgedrehte Version des bekannten Volksstücks von Ödön von Horváth. Aber was ist es dann? Ein Stück über die scheinbare Unmöglichkeit, ein Stück zu machen. Und noch sehr viel mehr.

„Wir hören bestimmt nicht damit auf, unsere Träume nach draußen, ins Universum zu schicken“, erklärt Kelly Copper und spricht dabei keinesfalls über liebevoll verzierte Wunschzettelchen, die vom Rauch der eigens für diesen Anlass gekauften Lieblingsräucherstäbchen in die Wiener Nachtluft gepustet werden. Die gebürtige Amerikanerin hat 2004 gemeinsam mit dem Künstler Pavol Liska das Nestroy-prämierte Theater- und Performancekollektiv Nature Theater of Oklahoma gegründet und ist seither damit beschäftigt, künstlerische Visionen in Theaterprojekte zu verwandeln. 

Nicht nur in Wien, wo sie am Volkstheater gerade „Karoline und Kasimir“ proben, sondern überall dort, wo ihre Träume auf fruchtbaren Boden stoßen. Das Bild der in der Atmosphäre herumwabernden Theaterträume passt auch deshalb so gut, weil sich Kelly Copper und Pavol Liska dem Unmöglichen verschrieben haben. Etwaige Hürden verwandeln sie in kreativen Spielraum. 

Spielerischer Zugang

Hindernisse ergaben sich bei der an Horváths Volksstück angelehnten Stückentwicklung im Volkstheater vor allem durch krankheitsbedingte Ausfälle im Ensemble. „Auch diese Dinge möchten wir kreativ nutzen und sie als Material für unsere Arbeit sehen, anstatt daran zu verzweifeln. Schließlich ist das die Realität, mit der wir es gerade alle zu tun haben, und wir möchten diese Tatsachen nicht verstecken, sondern spielerisch damit umgehen“, erklärt Pavol Liska. 

Mit diesem spielerischen Zugang fühlen sich die beiden am Volkstheater gut aufgehoben. „Weil wir das Gefühl haben, dass es hier wirklich um die Kunst geht und man sehr bemüht ist, uns mit allem auszustatten, was wir für unsere kreative Arbeit brauchen“, fügt Kelly Copper hinzu. Das sei aber eigentlich gar nicht so viel, merken die beiden fröhlich an. 

Weil sie es von ihren Arbeiten in den USA gewöhnt sind, dass künstlerische Probleme nur selten mit Geld gelöst werden, wollten sie auch bei dieser Produktion auf bereits Vorhandenes zurückgreifen. Lachend beschreiben sie, wie sich deshalb plötzlich der gesamte Fundus des Volkstheaters auf der Probebühne auftürmte. 

Archäologische Vorarbeit

Wenngleich der Titel es nahelegt, ist „Karoline und Kasimir“ nicht einfach eine moderne Überschreibung des bekannten Volksstücks. Der Tod Horváths spielt darin ebenso eine Rolle wie sein Roman­fragment „Adieu, Europa“ und das Filmepos „Out 1: Noli me tangere“. Es ist ein Projekt, das über seine eigene Entstehung spricht, bringt es Kelly Copper auf den Punkt. 

Ihre Recherchearbeit führte Copper und Liska unter anderem ins Literaturarchiv, wo sie anhand von Notizbüchern einen Eindruck davon bekamen, wie Horváth seine Geschichten entwickelte. Das Wesen des Notizhaften möchten sie auch auf die Bühne bringen – mit all der „Unordentlichkeit und Unentschlossenheit, die eine solche Ansammlung ausmacht“, sagt Pavol Liska. Und weil auf Notizzetteln ja manchmal auch Träume landen, die nach draußen geschickt werden müssen, passt das ja umso besser.

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