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Christian Gerhaher als Wozzeck

Christian Gerhaher als Wozzeck
Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Woyzeck/Wozzeck von Georg Büchner und Alban Berg

Wiener Staatsoper
Ein Stück in einer Minute

Aus dem ersten Sozialdrama der Neuzeit wurde auch eine Oper, die sich vor allem durch das y unterscheidet. Warum, lesen Sie hier in einer kurzen Zusammenfassung.


Inhalt

Der einfache Soldat Franz Woyzeck/Wozzeck rasiert seinen Hauptmann, um sich ein Zubrot zu verdienen. Er wird von diesem aber schlecht behandelt und beleidigt - und dafür gescholten, dass er ein uneheliches Kind hat. Auch ist es der Hauptmann, der Woy/zzecks Aufmerksamkeit darauf bringt, dass seine Geliebte und Kindsmutter Marie ihn betrügen könnte. Tatsächlich hat sie die Militärkapelle vor dem Fenster vorbeiziehen gesehen und sich in den Tambourmajor verschaut. Auch diesem gefällt sie, er macht ihr Geschenke wie Ohrringe. Diese sieht Woy/zzeck - und der Verdacht der Untreue Maries macht ihn wütend.

Um Geld zu verdienen und Marie zurückzuerobern, hatte er sich auch einem Arzt und dessen wissenschaftlichen Experimenten zur Verfügung gestellt. Das hat ihn jedoch so geschwächt, dass er im Kampf dem Tambourmajor unterliegt, nachdem er diesen mit Marie beim Tanz beobachtet hat. In seinem Inneren hört er Stimmen, die ihm raten, Marie zu töten. Tatsächlich ersticht er Marie auf dem Waldweg beim Teich, obwohl er sie liebt.


Werkgeschichte

Inspiration für "Woyzeck" war für Georg Büchner die wahre Geschichte des Johann C. Woyzeck, der 1821 in Leipzig seine Geliebte erstach und dafür 1824 hingerichtet wurde. Die Frage blieb offen, ob der Täter zurechnungsfähig war. Eine Schizophrenie wurde vermutet, er wurde dennoch in einem Gutachten für schuldfähig erklärt. Das Stück kann als Kritik an diesem verstanden werden. Der Unterschied "Woyzeck"/"Wozzeck" ergab sich wahrscheinlich aus einem Lesefehler des Herausgebers Karl Emil Franzos im schwer entzifferbaren Manuskript Büchners.

Büchner machte erstmals einen Mann aus armen Kreisen zur Hauptfigur. Und auch das Experiment des Arztes soll in "Erbsbrei-Experimenten" eines Gießener Wissenschaftlers, dessen Probanden an Halluzinationen litten, sein reales Vorbild gehabt haben. Mit der Niederschrift begann Büchner im Sommer/Herbst 1836. Als er Anfang 1837 starb, ließ er das Werk als Fragment zurück. Die Szenenabfolge ist nicht festgelegt. Mit "Woyzeck" schrieb Büchner das erste Sozialdrama der Neuzeit, das wiederum großen Einfluss auf Gerhart Hauptmann und Frank Wedekind haben sollte.

Aufführungsgeschichte

"Woyzeck" wurde am 8. November 1913 am Residenztheater in München uraufgeführt, dies soll auch auf Betreiben von Hugo von Hofmannsthal passiert sein. Zum wahren Durchbruch verhalf dem Stück Max Reinhardts Inszenierung in Berlin im Jahr 1921.

1914 soll Alban Berg Büchners Schauspiel gesehen haben. Er nahm es sich zum Vorbild für seine Oper "Wozzeck". An dieser arbeitete er bereits während seiner eigenen Soldatenzeit 1915-18 und vollendete sie 1921. Einige Teile davon wurden 1924 auf dem Tonkünstlerfest in Frankfurt aufgeführt. Die szenische Uraufführung fand am 14. Dezember 1925 in Berlin an der Staatsoper statt. Die Aufnahme war geteilt, manche waren begeistert, andere lehnten die Oper radikal ab. In den letzten Jahrzehnten hat das Werk einen festen Platz im Repertoire bekommen.


Zum Autor

Georg Büchner lebte von 1813 bis 1837, erst in Hessen-Darmstadt, später in Straßburg und Zürich. Er war der Sohn eines Arztes und bezog aus den Ärztezeitungen wohl auch die eine oder andere Anregung für seine Theaterstücke. Er studierte erst Naturwissenschaften, später auch Medizin. Nicht lange, nachdem er Privatdozent an der Universität Zürich geworden war, starb er an Typhus. Er wurde nur 23 Jahre alt, von ihm stammen auch "Dantons Tod" und "Leonce und Lena". Seine literarische Leistung wurde erst lange Zeit nach seinem Tod anerkannt. Er nahm naturalistische und expressionistische Formen vorweg. Nach ihm ist der renommierte Georg-Büchner-Preis für Literatur benannt.

Zu den Spielterminen von „Wozzeck“ in der Wiener Staatsoper

Theresa Steininger
Autor
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