Ein Stück in einer Minute: Falstaff von Giuseppe Verdi

Verdis letztes ist auch sein lustigstes Werk – wobei die Titelfigur in „Falstaff“ ganz schön durch den Kakao gezogen wird.

Inhalt

„Hamsterbacke“ oder gar „Eingebildeter Fettwanst“ – die Spitznamen, die Sir Falstaff gegeben werden, sind nicht gerade schmeichelhaft. Dieser dicke Ritter ist ein eingebildeter Schnösel, der sich trotz seiner Leibesfülle für unwiderstehlich hält. Gerade ist er in finanzielle Nöte geraten, doch er verspricht sich Hilfe, indem er zwei Frauen Liebesbriefe schreibt – auf dass sie ihm Zugang zum Vermögen ihrer Männer verschaffen sollen. Aber nicht alleine, dass seine Diener ihn an Ford, den einen Ehemann, verraten. Auch die Damen bemerken den doppelten Liebesbrief und beschließen, Falstaff eine Falle zu stellen, um ihn zum Narren zu halten.

Prompt lassen die Damen, Alice und Meg, Falstaff in Alices Haus bestellen. Dort erscheint auch der verkleidete Ford, der als „Signor Fontana“ vorspiegelt, ebenfalls in Alice verliebt zu sein. Sollte es Falstaff gelingen, Alice zu verführen, könne er wohl auch bei ihr punkten. In Wahrheit will Ford seine Frau so der Untreue überführen. Als Falstaff sich vor dem Herannahen der Ehemänner versteckt, stößt er auf Fords Tochter Nannetta und ihren Geliebten Fenton. Später rettet er sich in einen Wäschekorb – den die Damen prompt in die Themse schütten lassen.

Zum nächsten Stelldichein laden sie ihn gar im Kostüm eines Ritters mit einem Geweih auf dem Kopf und ärgern ihn. Schließlich darf Nannetta aber Fenton heiraten. Und die Oper endet mit einer gesungenen Fuge, in der es heißt „Tutto nel mondo è burla“ – alles auf der Erde ist Spaß und der Mensch ein Narr….

Werkgeschichte

Nachdem Verdi fünf Jahrzehnte lang die Finger von der heiteren Oper gelassen hatte, nachdem „Un Giorno di Regno“ ihm einen Misserfolg gebracht hatte, führte ihn seine letzte Schöpfung zurück zum Amüsanten. Möglicherweise war es sein Textdichter Arrigo Boito, der ihn darauf brachte, aus Shakespeares „The Merry Wives of Windsor“ eine Oper zu machen, ziemlich sicher kannte er auch Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“. Jedenfalls schuf Boito aus Shakespeares Drama, gespickt mit Szenen aus dessen „Heinrich VI“, ein Libretto – und Verdi machte sich, erst mehr zu Zeitvertreib und zum eigenen Vergnügen, wie es heißt, 1889 daran. Es gab mehrere Unterbrechungen, aber schließlich stellte Verdi „Falstaff“ 1893 fertig.

Ein Stück in einer Minute: Falstaff
Gerald Finley und Monika Bohinec. Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Aufführungsgeschichte

Der hochbetagte Komponist konnte sich über einen überragenden Erfolg freuen, als die Oper am 9. Februar 1893 an der Scala zur Uraufführung kam. Bereits im selben Jahr wurde „Falstaff“ auch an der Hofoper in Wien im Zuge eines Scala-Gastspiels gegeben. 1904 folgte die erste Wiener Aufführung in deutscher Sprache unter Gustav Mahler.

Prominente Namen

Ein Interpret, der heutzutage mit der Partie des Falstaff eng verbunden wird, ist Bryn Terfel. Er ist auch in einer DVD-Fassung einer Aufführung aus dem Royal Opera House Covent Garden in London von 1999 zu sehen. Unter der musikalischen Leitung von Bernard Haitink und in der Inszenierung von Graham Vick wirken auch Barbara Frittoli und Roberto Frontali mit.

An der Wiener Staatsoper sangen in der Inszenierung von David McVicar u.a. Ambrogio Maestri und Carlos Alvarez den Falstaff sowie Ludovic Tezier, Christopher Maltman und Simon Keenlyside Ford.

„Falstaff“ ist am 24. Juni ein letztes Mal in dieser Saison in der Wiener Staatsoper zu sehen!