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Mélissa Petit spielt Füchsin Schlaukopf und Jana Kurucová den Fuchs in der von Stefan Herheim inszenierten Oper.

Mélissa Petit spielt Füchsin Schlaukopf und Jana Kurucová den Fuchs in der von Stefan Herheim inszenierten Oper.
Foto: Monika und Karl Forster

Das schlaue Füchslein von Leoš Janáček

MusikTheater an der Wien
Ein Stück in einer Minute

Um „Das schlaue Füchslein“ zu komponieren, widmete sich Leoš Janáček unter anderem Tierbeobachtungen in einem Wildgehege. Eine Oper über Freiheit, Liebe und den Kreislauf des Lebens. Eine Zusammenfassung.


Inhalt

Der Förster fängt ein Füchslein und bringt es stolz auf seinen Hof. Als sein Enkel die junge Füchsin ärgert, beißt sie ihn in die Wade und wird zur Strafe dafür angebunden. Umso sehnsüchtiger träumt sie von dem Leben im Wald ohne jede Einschränkung. Sie versucht die Hühner gegen den Hahn aufzustacheln, letztlich tötet sie sie aber und flieht in die freie Wildbahn. Der Förster wird dafür von Lehrer und Pfarrer aufgezogen, diese sind beide in das Mädchen Terynka verliebt. Die Füchsin ihrerseits lernt einen Fuchs kennen, die beiden heiraten und bekommen Kinder.

Der Förster hat den Geflügelhändler Harašta in Verdacht, zu wildern. Als er ihn zur Rede stellt, ist die Füchsin in der Nähe. Sie lässt ihre Kinder die gejagten Vögel fressen, woraufhin Harašta die Füchsin erschießt. So kann er Terynka, die er heiraten will, einen Muff aus Fuchspelz schenken. Der Lehrer beklagt den Verlust seiner Geliebten. Der Kreislauf wird geschlossen, als der Förster abermals einen Fuchs jagen möchte, welcher der Füchsin sehr ähnlich sieht – diesmal jedoch entkommt das Tier.

Ya-Chung_Huang ov (Förster), Mélissa Petit (Füchsin Schlaukopf).
Foto: Monika und Karl Forster
Ya-Chung_Huang ov (Förster), Mélissa Petit (Füchsin Schlaukopf).

Werkgeschichte

Leoš Janáček schuf seine Oper in drei Akten nach einer Erzählung von Rudolf Těsnohlídek. Er lernte sie durch den Comic von Stanislav Lolek „Liska Bystrouska“ kennen, die ab 1920 als illustrierte Fortsetzungsgeschichte in der Zeitung „Lidové Noviny“ erschien. Es war die Haushälterin Janáčeks, Marie Stejskalová, die den Komponisten darauf aufmerksam machte.

1922-23 arbeitete er an dem Werk. „Ich habe gar keine Zeit mehr, an mich zu denken. In keinem Jahr habe ich geistig so viel gearbeitet wie in diesem“, schrieb Janáček an eine Freundin. Er dürfte auch selbst Tierbeobachtungen in einem Wildgehege gemacht haben, wobei ein Förster für ihn einen Fuchsbau mit Jungtieren aufspürte, damit er Studien betreiben konnte. Er war es auch selbst, der die Geschichte in ein Opernlibretto umarbeitete, wobei er die Anzahl der Personen begrenzte und vor allem jene Teile auswählte, die die Verflechtung der menschlichen Welt mit der Natur betonen. „Das schlaue Füchslein“ wurde seine siebte Oper.


Aufführungsgeschichte

Die Uraufführung am 6. November 1924 fand am Brünner Nationaltheater statt. Die Oper trug den Titel „Příhody lišky Bystroušky (Die Abenteuer des Füchsleins Schlaukopf)“. Von dem Dirigenten František Neumann hielt der Komponist viel. Auch die witzige Regie Ota Zíteks und das einfallsreiche Bühnenbild von Eduard Milén sollen zum Erfolg beigetragen haben. Rund ein halbes Jahr später wurde die Oper in einer neuen Inszenierung im Prager Nationaltheater aufgeführt. Die erste Aufführung außerhalb Tschechiens fand 1927 in Mainz statt.

Prominente Namen

Stefan Herheim startet seine Tätigkeit als inszenierender Intendant des Theaters an der Wien am 15. Oktober 2022 mit „Das schlaue Füchslein“, Mélissa Petit singt darin die Titelpartie. Die Wiener Symphoniker spielen unter der musikalischen Leitung von Giedrė Šlekytė.

Die Erstaufführung an der Wiener Staatsoper war im Juni 2014 mit Gerald Finley als Förster, Chen Reiss als Füchslein und in der Regie von Otto Schenk, Dirigent war Franz Welser-Möst.

Theresa Steininger
Autor
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