Am Anfang stand die Lebenskrise. Als Rita Falk 2008 plötzlich ihren Bürojob verlor und trotz intensiver Suche auch keinen neuen fand, hatte sie zum ersten Mal in ihrem Leben ungewollt viel Zeit. „Irgendwann habe ich gedacht, ich könnte doch die übrig gebliebenen Stunden nutzen, um einmal etwas Ausführlicheres zu schreiben.“ Denn mit Tagebüchern, Gedichten und Kurzgeschichten hatte sie bereits in jungen Jahren Erfahrungen gesammelt. Aber eben nur für die Schublade. 

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Gesagt, getan, geschrieben – der Roman „Hannes“, in dem es um die Freundschaft zweier Burschen geht, von denen einer nach einem Unfall ins Wachkoma fällt, erblickte die Welt. Von zunächst skeptischen Freundinnen gelesen und umgehend frenetisch akklamiert, schickte Rita Falk das Manuskript an diverse Verlage. Und kassierte kurios anmutende Absagen. „Es hieß, das sei für ein Debüt zu schwere Kost. Bis heute verstehe ich nicht, warum nur ein erfahrener Schreiber ein ernsthaftes Thema angreifen dürfen sollte.“ Zum Glück verfiel Rita Falk nicht in eine Depression, sondern kanalisierte ihre Wut literarisch. „Bei mir ist die Trotzphase durchgebrochen, und ich dachte, okay, wenn ihr keine ernste Geschichte von mir wollt, dann schreib ich euch jetzt eine lustige. Aber so was von lustig! Und so ist der Eberhofer entstanden. Eigentlich aus einer Not heraus.“

Kurioser Mikrokosmos von Rita Falk

Rita Falk sitzt tiefenentspannt in ihrer Münchner Wohnung am Englischen Garten, in die sie zum Gespräch geladen hat, Hündin Zenzi, eine Französische Bulldogge, döst im Plüschbett. 

In ihrem Krimidebüt „Winterkartoffelknödel“ ersann sie jene skurril überdrehte Welt, in der ihre Protagonisten hemmungslos exzentrisch walten dürfen. Und die doch zutiefst menschlich gestaltet ist. Handwerklich und sprachlich große Kunst, denn die Autorin besitzt die seltene Gabe, in wenigen Sätzen emotionale Welten zu erschaffen. 

Im Zentrum aller Geschichten stehen der Dorfpolizist Franz Eberhofer, sein alter Spezi Rudi Birkenberger – früher Kollege, jetzt Privatermittler –, der dauerkiffende Papa, die als eine Art Familientherapeutin fungierende Oma, Eberhofers Bruder Leopold, von jenem nur Schleimsau genannt, und Susi, Dauerfreundin und Leider-nein-Braut. Man hätte das Dorf auch Irrwitz nennen können, Rita Falk entschied sich für Nieder­kaltenkirchen, in Niederbayern gelegen. Das ist ihr wichtig. Der eigentliche Krimi und das beschriebene Milieu sind nahezu gleichberechtigt. „Ich habe am Anfang einen groben Plot, ich weiß meist, wer ermordet wurde und wer der Täter ist. Manchmal kenne ich auch nur das Opfer. Das Tatmotiv ist schnell klar, wobei ich langsam fast alle Motive und Tatwaffen durchhabe. Es wird eng“, schmunzelt Rita Falk. 

Alle Bücher Bestseller

Elf Fälle hat sie bereits ersonnen und gelöst. Allesamt „Spiegel“-Bestseller, was sie freut, aber auch nicht mehr. „Wenn die Nachricht kommt, ist es nicht so, dass ich einen Champagner köpfe oder Blumentöpfe durchs Fenster schmeiße. Ich freue mich zehn Sekunden lang, beschäftige mich aber nicht weiter damit“ – auch wenn ihr das, wie sie selber sagt, niemand glaubt. 

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Stimmt es, dass ihr 2020 verstorbener Mann, der Polizist war, so manche Steil­vorlage aus seinem Arbeitsleben lieferte? „Der Robert hat immer gesagt, Franz Eberhofer sei eigentlich so wie die Polizisten zu der Zeit, als er bei der Polizei angefangen hat. Die wollten einen ruhigen Arbeitsalltag haben. Wenn es gebrannt hat, haben sie schon Gas gegeben, aber sonst wollten sie den Ball flach halten. Die jetzt heranwachsende Generation ist dienstbeflissen und will vor allem eines: Karriere machen.“ 

Filmische Antihelden

Längst werden Rita Falks Romane auch verfilmt und führen ebenso regelmäßig die Kinocharts an. Gedreht wird im realen Ort Frontenhausen, der vorher abgeschmückt wird, um möglichst trostlos zu wirken. „Alles, was schön und mobil ist, kommt weg. Jeder Geranienkübel, jede Holzbank wird verbannt“, erzählt sie. An den Drehbüchern arbeitet die Autorin nicht mit, denn „das ist nicht mein Metier – das können andere besser. Aber ich gebe meinen Senf dazu.“ Und sie erscheint bei den Premieren auf dem roten Teppich, obwohl sie es hasst. „Ich mache es aus Respekt vor dem unglaublich engagierten Team.“ 

Der in den Filmen stets eine Rolle spielende Kreisverkehr heißt seit zwei Jahren Franz-Eberhofer-Kreisel, wurde also von der Fiktion in die Realität überführt. „Das hat mich ziemlich umgehaut, ich war sprachlos. Ich glaube, es ist einmalig in Deutschland, dass eine fiktive Person einen Straßennamen erhält. Jetzt kommen Touristen in Bussen und fahren da im Kreis!“ 

Der Erfolg all dessen zeitigte zudem eine späte Würdigung: „Hannes“ erschien doch. Und wurde heuer ebenfalls verfilmt. 

Neuer Band: „Rehragout-Rendezvous“

Im 11. Band beschließt die Oma, zu chillen statt zu grillen.
Ab dann wird’s richtig turbulent. Erschienen bei dtv, € 16,95. dtv.de