Mit dem Stück „Fast Faust“, in einer Inszenierung eines Grazer Jugendclubs, ging bei der gebürtigen Leibnitzerin Andrea Wenzl alles los. ­Seither scheint sie Adverbien wie „fast“, „­beinahe“ oder „nahezu“ aus ihrem ­Leben gestrichen zu haben. „Ganz oder gar nicht“ ist da schon eher ihre Devise, sonst wäre sie nach der Schauspielschule wohl nicht direkt ans Schauspielhaus Graz engagiert worden. In ihre Zeit in Graz fällt auch ihre Nominierung für den Nestroy-­Theaterpreis 2008. Weiter ging es für Andrea Wenzl als fixes Ensemblemitglied am Münchner Residenztheater und 2015 am Burgtheater. Dort spielte sie unter anderem Elisabeth in Ödön von Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“ in einer viel bejubelten Inszenierung von Michael Thalheimer. 

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Aufgewachsen ist Andrea Wenzl in einem eher theaterfernen Umfeld. Ihr Vater war Oberverschubmeister bei den ÖBB, ihre Mutter Hausfrau. Mit drei Jahren begann sie wie viele junge Mädchen regelmäßig Ballettunterricht zu nehmen – und blieb mehr als zehn Jahre dabei. Der Wechsel ins Theater, das sie vor allem in Jugendclubs kennenlernte, brachte eine neue Dimension mit sich – die des Geschichtenerzählens mittels Sprache. 

Um Sprache geht es auch in jenem Stück, das Andrea Wenzl gerade vor­bereitet. In „Alles, was der Fall ist“ setzt sie sich mit den sprach­philosophischen Theorien Ludwig Wittgensteins auseinander. Das britisch-­irische Regie-Duo Dead Centre bringt das Stück auf die Bühne des Burgtheaters. Die BÜHNE hat Andrea Wenzl ein paar launige Fragen gestellt und die Schauspielerin damit – zumindest kurzfristig – sogar sprachlos gemacht.

1. Waren Sie schon einmal so richtig sprachlos?

Hmmmmm ...

2. Wann haben Sie sich zum letzten Mal gedacht, dass Wittgensteins berühmter Satz „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ absolut zutreffend gewesen wäre?

Eigentlich gerade jetzt, in diesem Moment …

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3. Sprechen Sie Themen, die Sie beschäftigen, lieber gleich an, oder warten Sie erst mal ab?

Ich spreche sie gleich an.

4. Worin besteht die Verbindung zwischen Wittgensteins Sprachphilosophie und dem Theater? Oder anders gefragt: Inwiefern kann das Theater vielleicht dabei helfen, die von ihm dargestellten Probleme zu lösen?

Puh, da komme ich jetzt ins Schwitzen. Ich hoffe, diese Frage im Lauf der Probenzeit dann beantworten zu können.

Alles wird gut!

5. Welches Sprichwort oder welche Redewendung geht Ihnen am allermeisten auf die Nerven?

Alles wird gut!

6. Was war der klügste Satz, den jemals jemand zu ­Ihnen gesagt hat?

Alles wird gut.

7. Können Sie sich noch an Ihre allererste Theaterrolle erinnern?

O ja, das war in „Fast Faust“ im Jugendclub in Graz.

8. Sie sind ja über das ­Ballett zum Theater gekommen. Was konnten Sie aus dem Ballettunterricht auf die Theaterbühne mitnehmen?

Schmerzunempfindlichkeit und Disziplin, aber das klingt jetzt irgendwie sehr grausam …

9. Gibt es so etwas wie einen emotionalen Idealzustand nach einer Vorstellung?

Kollektive Zufriedenheit. Beim Ensemble und in gewisser Weise auch beim Publikum …

10. Fällt es Ihnen schwer, nach einer Vorstellung die Rolle wieder „abzuschütteln“? Was hilft Ihnen dabei?

Ein Glaserl Wein mit Barbara Petritsch zum Beispiel.

11. Ist Lampenfieber ein Thema für Sie?

O ja, leider!

Respektvoller Umgang

12. Fühlen Sie sich in kleineren Produktionen oder im großen Ensemble wohler?

Ich finde die Abwechslung sehr reizvoll, also sowohl in einer Produktion mit einer kleinen Besetzung zu spielen als auch in einem großen­ Ensemblestück auf der Bühne zu stehen.

13. Was muss insgesamt für Sie alles zusammenpassen, ­damit Sie sich in einer ­Produktion wohlfühlen?

Es braucht einen respektvollen Umgang und – das ist mir ganz wichtig – Vertrauen.

14. Schließt man am Theater schnell Freundschaften?

Ja!

15. Es dauert hoffentlich nicht mehr lange, bis wir „Bunbury“ auf der Bühne sehen können. Was ist Ihnen aus den Proben besonders in Erinnerung geblieben?

Die Begegnung mit dem famosen Antonio Latella und seinem großartigen Team.

„Auf einem Berg herumkraxeln"

16. Steckt in jeder Komödie immer auch ein bisschen Tragödie und umgekehrt?

Ja, eigentlich immer.

17. Womit bringt man Sie ­immer zum ­Lachen?

Sie werden lachen: Brokkoli!

18.Wie sieht der perfekte freie Tag für Sie aus?

Zum Beispiel auf irgendeinem Berg herumkraxeln.

19. Ihr Lieblingsort in Wien?

Oh, da gibt es nicht nur einen! Am Samstag gehe ich gerne auf den Markt in der Langen Gasse. Im Winter auf jeden Fall der Prater, das Museums­quartier, der Volksgarten gleich neben dem Burgtheater, die Kellergassen in Stammersdorf, das Agnesbründl, die Therme Wien und der Böhmische Prater, die Föhrenwälder rund um Wien, das Thermalbad Vöslau. Wien und seine Umgebung sind einfach schön! Und vielfältig!

Foto: Katarina Šoškić

Zur Person: Andrea Wenzl

Nach ihrem Abschluss an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz war die gebürtige Steirerin acht Jahre lang Ensemblemitglied am Schauspielhaus Graz. Kurze Zeit danach ging sie ans Residenztheater in München. Nun ist sie in Wien zu Hause und Ensemble­mitglied des Burgtheaters.

Weiterlesen: Mehmet Ateşçi über #actout: „Das Publikum ist viel weiter als das Theater“

Weitere Infos zu „Alles, was der Fall ist" finden Sie hier