Fünf Podcasts für Theaterbegeisterte

Theaterpodcasts können den aktuell besonders akuten Theaterhunger zwar nicht stillen, Entzugserscheinungen aber ein wenig lindern. Wir haben uns fünf verschiedene Podcasts angehört.

von Sarah Wetzlmayr, 27. Januar 2021

Fünf Podcasts für Theaterbegeisterte
Der Podcast „Playing On Air" lädt dazu ein, sich Einakter zeitgenössischer Autorinnen und Autoren anzuhören. Foto: Playing On Air

Es ist nicht nur der Theaterbesuch selbst, der momentan fehlt, sondern auch der Austausch darüber. Schließlich gibt es kaum einen besseren Grund, um sich nach der Vorstellung noch ein Bier am Würstelstand oder einem Spritzer in der Kantine zu genehmigen. Egal wo es einen nach der Vorstellung noch hinweht, über Theater zu sprechen macht mindestes genauso viel Spaß wie sich ein Stück anzusehen. Ersetzen lassen sich diese Gespräche zwar nicht wirklich, gute Theaterpodcasts können aufkeimende Entzugserscheinungen aber zumindest ein wenig lindern.

Der Theaterpodcast

Einmal im Monat greift „Der Theaterpodcast“ die wichtigsten Themen und Debatten rund um das Theater und seine Macherinnen und Macher auf. Der Podcast wird von Susanne Burkhardt vom Deutschlandfunk Kultur-Theatermagazin „Rang 1“ und Elena Philipp vom Online-Portal nachtkritik.de moderiert. Er ist so angelegt, dass sich auch Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger nicht ausgeschlossen fühlen. Verkopftes Kritikergefasel sucht man hier also glücklicherweise vergeblich, trotzdem ist „Der Theaterpodcast“ alles andere als oberflächliches Geplänkel. Auf Inklusion und Diversität setzen die beiden Moderatorinnen auch bei ihren Gästen, denn die kommen sowohl aus den großen Stadt- und Staatstheatern als auch aus der freien Szene. Manchmal geht es dabei um das Geschehen auf der Bühne selbst, dann wieder um einzelne Gattungen oder um die gesellschaftliche Verantwortung von Theater.

Royal Court Playwright’s Podcast

Als „the writer’s theatre” bezeichnet sich das Royal Court Theatre in London. Zu Recht, denn am Londoner Sloane Square ist man sehr darauf bedacht, junge Theaterautorinnen und -autoren zu fördern. Der Podcast des Royal Court Theatre untermauert diesen Ansatz. Das Konzept ist ebenso einfach wie Erfolg versprechend: Autor Simon Stephens spricht mit anderen Autorinnen und Autoren über ihre aktuellen Stücke, aber auch über das Schreiben von Theaterstücken und ihre Beziehung zum Royal Court. Etablierte Autorinnen und Autoren wie Christopher Hampton sind ebenso bei Simons Stephens zu Gast wie Newcomerinnen und Newcomer. Der Podcast scheint momentan zwar Pause zu machen, zum Nachhören gibt es aber mehr als genug.

Brotlose Kunst

Der Podcast der Theaterakademie Köln wendet sich an eine jüngere Zielgruppe. In Form von Interviews mit unterschiedlichen Persönlichkeiten aus dem Theaterumfeld werden Themen wie Authentizität, Vorsprechen, Diplominszenierungen und Selbstmanagement verhandelt. Schulleiter Robert Christott, der den Podcast moderiert, möchte damit junge Schauspielerinnen und Schauspieler auf die Arbeit in der freien Szene vorbereiten. Und zwar nicht nur in Sachen Schauspiel, sondern auch wenn es um seltener besprochene Aufgabenbereiche wie den Abschluss von Versicherungen oder das Schreiben von Rechnungen geht. Von spannenden Menschen aus dem eigenen beruflichen Umfeld vorgetragen, werden plötzlich auch diese trockenen Themen leichter verdaulich. Natürlich geht es aber nicht nur darum: „In BROTLOSE KUNST sprechen wir vor allem darüber, warum Schauspielerei vielleicht das Beste ist, was man in seinem Leben so machen kann.“

Theater.Thesen.Träume.

Dramaturg Hannes Oppermann und seine Kolleginnen und Kollegen machen sich im Podcast des Schauspiel Hannover Gedanken über Theater, Thesen und Träume. Dabei wird es durchaus auch mal etwas tiefgründiger. So widmen sich die ersten drei Folgen beispielsweise der Frage, welchen Stellenwert unsere Gesellschaft analogem Erleben überhaupt noch zumisst. Durchbrochen wird das immer wieder von faktenlastigeren Episoden – in der vierten Folge beschäftigt sich Sönke Behrens mit den rechtlichen Grundlagen für Theatermacherinnen und -macher. So wandelbar wie das Theater selbst ist also auch dieser Podcast.

Das Stück G.O.A.T von Ngozi Anyanwu wird aufgenommen. Foto: Playing On Air

Playing On Air

Ein Podcast, der ein wenig aus dieser Liste heraussticht, ist „Playing On Air“. Hier wird nämlich nicht über Theater gesprochen, sondern Theater gemacht. Ziel des Podcasts ist, zeitgenössisches Theater für alle Menschen verfügbar zu machen. Präsentiert werden kurze Stücke von bekannten Autoren und Newcomern. Geht es um die Schauspielerinnen und Schauspieler, die die Einakter spielen und einsprechen, kommt man um Hollywood-Namedropping fast nicht herum. So haben unter anderem schon Adam Driver, Timothée Chalamet, Michelle Williams dem Podcast ihre Stimmen geliehen.

Zusätzlich gibt es in jeder Episode ein Interview, in dem die Entstehung der Folge besprochen wird. Seit der allerersten Folge vor fast zehn Jahren wurde der Podcast auch von der New York Times schon mehrmals lobend erwähnt. So schreibt NYT Autorin Emma Didbin: „An answered prayer for anyone who craves more theater in their life …This show’s carefully curated selection of bite-size dramas is a weekly reminder of the unique intimacy this format can deliver.“

Weiterlesen: Fünf Stücke für Feministinnen und Feministen